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5.0 von 5 Sternen
Klug, entlarvend, informativ, 13. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Das Schlangenei: Berichte aus dem Deutschland der Inflationsjahre 1922-1924 (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist großartig - und das sage ich nicht etwa, weil ich es übersetzt habe, sondern weil ich froh bin, dasas es überhaupt ins Deutsche übersetzt worden ist. Ich gehöre leider zu der Generation, der im Unterricht das Dritte Reich dargestellt wurde, als wäre es 1933 vom Himmel gefallen, samt Shoah und allem Drum und Dran. Xammar zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie es dazu kam. Ich habe unendlich viel gelernt beim Übersetzen und denke, dass es jedem Leser ähnlich gehen wird.
Wer weiß denn schon etwas über die Besetzing des Ruhrgebiets oder über separatistische Tendenzen im Rheinland und Bayern in der Weimarer Republik? Wo kann man derart nachdrücklich und anschaulich nachlesen, was die Hyperinflation für die Menschen bedeutete? Wer hat je mit solch bitterbösem Humor Hitlers missglückten Putschversuch im Bürgerbräukeller beschrieben?
Überhaupt: Hitler. Das Interview, das der "zukünftige Ex-Dikatator Deutschlands" dem katalanischen Journalisten gab, ist schaurig und gemahnt, wie Jonathan Littell kürzlich in einem Interview sagte, an absurdes Theater. Kein Wunder, dass Xammar, wie so viele seiner Zeitgenossen, in Hitler vor allem eine Schießbudenfigur sah. Ein Irrtum, wie sich herausstellte, aber ein verständlicher Irrtum angesichts des wirren Gebrabbels, das einem erst im Wissen darum, wie ernst es gemeint und wie wörtlich es umgesetzt wurde, Schauer über den Rücken jagt.
Dieses Buch ist ein Muss für alle politisch interessierten Menschen, für jeden Liebhaber Tucholskys, für alle, die guten Journalismus zu schätzen wissen, und sollte Pflichtlektüre in jeder Oberstufe sein.
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