Wer hier ausgehend von Titel oder Umschlaggestaltung einen Fantasy-Roman erwartet, der wird enttäuscht werden - allerdings nur in dieser einen Hinsicht.
Frau Fischers Roman ist nicht eindeutig einzuordnen (was in einer Zeit des Schubladendenkens für mich klar positiv zu bemerken ist). Seine Handlung weist Merkmale eines Krimis oder Thrillers auf, geht es doch um den Diebstahl eines wertvollen Buches (eines sehr realen Buches, dessen Autor in seiner kulturellen Bedeutung kaum zu überschätzen ist, was die bibliophilen unter uns mit Sicherheit ansprechen dürfte...). Spielschulden, Entführung, am Rande sogar um Inzest.
Aber bezeichnete ich dieses Buch deshalb als Thriller, griffe ich sicherlich zu kurz, würde vielleicht sogar einige Leser in die Irre führen. Denn es ist wesentlich mehr:
Die Autorin verwebt kunstvoll eine Charakter- und Motivationsstudie ihres Hauptprotagonisten Malcolm Grove mit einer wundervoll zarten Liebesgeschichte. Dabei widersteht sie erfolgreich der Versuchung, diesen Aspekt ihrer Erzählung in das seicht-zuckersüße eines klassischen Liebesromans absinken zu lassen sondern lässt ihre Charaktere Unsicherheit, Zurückweisung, Angst und schließlich erste zaghafte Schritte zur Erfüllung durchleben, etwas, in dem sich wie ich glaube viele ihrer Leser und Leserinnen wiedererkennen könnten.
Nebenbei bietet Frau Fischer noch die Innenansicht eines Künstlers: was ihn motiviert, was ihn abstößt - und das in der Widersprüchlichkeit, die man manchmal auch an realen Künstlerpersönlichkeiten überdeutlich abzulesen vermag.
Hier zeigt sich eine der Stärken des Buches: Ist einem Groves Schroffheit am Anfang im günstigsten Falle unverständlich, so zieht einen doch das bunte Kaleidoskop der handelnden Personen (und er im Besonderen) von Beginn an in Bann, ohne einen die nächsten 486 Seiten je wieder loszulassen. Befriedigend dabei ist, dass keine losen Fäden verbleiben sondern jede der Hauptpersonen ihre persönliche Geschichte beenden kann, logisch und ihre Aktionen im Verlauf der Handlung erhellend. Dabei sind die Handelnden mir so vertraut geworden dass ich eigentlich gern wüsste, was weiter mit ihnen geschieht...
Zum Abschluss: Ich wünsche der Autorin bei ihrem nächsten Werk ein besseres Händchen für die Titelauswahl, aber das ist wirklich der einzige Kritikpunkt den ich anzumerken habe. Dieses Buch hat mich nicht nur aufs Beste unterhalten, ich glaube, ich werde wieder mehr ins Theater gehen...
Und nicht zuletzt hoffe ich, bald mehr von Katrin Fischer lesen zu dürfen!