Von Asien inspiriert sind die Kulissen in "Das Schattenreich von Troy". Ebenso zierlich und wundervoll getuscht wie handbemaltes chinesisches Porzellan sind die Zeichnungen Virginie Augustins (Alim, der Gerber) in diesem Einzelband. Genau diese Schönheit der Illustrationen findet sich in konzentrierter Form in den getuschten Skizzen am Ende des Bandes in dem zehnseitigen Skizzen-Buch - ein sehr schönes Extra.
Gemeinsam mit Audrey Alwett (SinBad) zeichnet Christophe Arleston hier mit Worten eine humorvolle und zugleich zauberhafte Geschichte um ein siebzehnjähriges Mädchen, das sich gegen die völlig sinnlosen Regeln in ihrem entlegenen Heimatdorf stellt. Diesem starken und frechen Mädchen stellen die Autoren einen kleinen und recht unverschämten Dämon an die Seite, der sie durch das Schattenreich geleitet. Er ist ein schöner Kontrast zum reichen, schönen Ehemann, dem sie durch ihren Tod entkommen ist.
Troys Schattenreich ist indes bevölkert von skurrilen Toten, Untoten und Dämonen, die optisch dank Augustin eine wahre Freude sind, ohne je albern auszusehen. Und dank der zwei Szenaristen, kann sich der Leser über Rassismus beschwerende Zombies ebenso freuen, wie über lechzende Seelenfresser und ein ganzes Theater voller "toter" Zuschauer, wer hätte gedacht, dass Mumien so kulturell interessiert sind. Das alles macht einfach Spaß, ohne je ins Klamaukige abzudriften. Dass Dysserys Ehemann auf einem weißen Drachen reitet und sie einfach nicht aufgeben will, bietet einen schönen Unterschied zur unartigen Art der Schattenwelt. Und gerade deshalb wird die Story wohl auch nie kitschig, obwohl sich zum Ende doch irgendwie der Kreis schließt ...
Zauberhaft gezeichnet und getextet, ein wahrer Leckerbissen und seit "Die Geister von Troy" das beste aus dem Troy-Universum auf dem deutschen Markt. Unbedingte Kaufempfehlung.