"Das Schattenreich der CIA", bereits der Titel klingt reißerisch und öffnet man das Buch entdeckt man sogar ein Dramatis Personae, was den Eindruck eines Thrillers verstärkt. Doch es ist dieses Buch des 2005 für seine Arbeit mit dem Amnesty International Annual Media Award in der Kategorie Zeitschriften ausgezeichneten Journalisten Stephen Grey, dass die dunklen Machenschaften der CIA in ausländischen Folteranstalten und die damit verbundenen Folterflüge mitenthüllte. Eine Thematik die unter dem Titel Rendition (dt. Titel Machtlos) mit Stars Meryl Streep, Reese Witherspoon und Jake Gyllenhaal bereits verfilmt wurde.
Im Krieg gegen den Terrorismus hat die CIA bereits unter Bill Clinton mit dem Aufbau einer Rendition Group für so genannte außerordentliche Überstellungen begonnen und über Tarnfirmen Fluggesellschaften ins Leben gerufen, die diesen Transport abwickeln sollten. Terrorverdächtige werden von kooperationswilligen Regierungen ausgeliefert und von den USA mit Hilfe dieser neuen Air America in Länder überstellt, welche über die nötigen Folterexperten und Diskretion besitzen, damit sich die USA nicht die Hände schmutzig machen müssen. CIA-Mitarbeiter sind trotzdem bei den Verhören anwesend und auch Syrien ist neuerdings ein Partner der USA im Krieg gegen den Terrorismus, obwohl es am Anfang der Amtszeit George W. Bushs noch als Teil der "Achse des Bösen" galt.
In einer Rede am 6. November 2001 verwendete Bush die verhängnisvollen Worte "Im Kampf gegen den Terror seid ihr entweder für uns oder gegen uns." Und dass dieser Kampf nicht für Freiheit und Demokratie sondern im Namen der nationalen Sicherheit geführt wird, gilt als Faktum seit die USA offen mit repressiven Regimen paktieren, die genau das Gegenteil ihrer "Ideale" verkörpern. Stephen Grey war zunächst irritiert davon, dass die Rendition Group gerade mit luxuriösen Privatjets ihre Opfer ausflog, wirkte dieses Zusammenspiel von Ledersitzen, Champagner und Todesangst doch höchst surreal. Wie es bei Watergate hieß "folgt der Spur des Geldes" lautete der Leitsatz in der Causa Rendition "folgt der Spur der Flugzeuge", denn bei den Überstellungen konnte zwar die Anonymität der Beteiligten sichergestellt werden, jedoch galt es detaillierte Flugpläne auszufüllen und schlussendlich wieder auf private leicht einsehbare Flugplätze in den USA zurückzukehren.
So schildert Stephen Grey bereits im ersten Kapitel die vier in den Medien bekannten Fälle von Kahled el Masri (Deutschland), Maher Arar (Kanada), Ahmed Agiza und Mohammed al-Zery (Asylwerber in Schweden) und Binyam Mohamed (Äthiopien). Anhand der Flugpläne konnte er ihr Martyrium zurückverfolgen und durch Gespräche mit Opfern, Tätern, Piloten und Anwälten gelingt es ihm einen Eindruck von den Folterexzessen der USA zu vermitteln, bei dem es selbst hart gesottenen Lesern manchmal zu viel wird. Das ist das Problem mit Menschenrechtsverletzungen, man will nicht hinsehen, zumindest nicht freiwillig und tut man es doch ist man angewidert und erzürnt über jene Menschen die all das verantworten zu haben.
Im Grunde sind erfolterte Geständnisse vor Gericht als nichtig zu betrachten, doch natürlich hindert dass die Richter in Scheinprozessen nicht sie für gültig zu erklären und dank solcher verachtenswerter Beispiel für ein perverses Rechtsempfinden wundert es kaum, wenn dadurch die Argumente der Feinde Amerikas immer mehr untermauert werden. Der Krieg gegen den Terror ist höchst kontraproduktiv, wie ihn der britische Geheimdienstmitarbeiter Alastain Crooke mit dem Dschenin-Paradoxon einst beschrieben hat "Hier waren zehn Terroristen in der Stadt. Dann kam die israelische Armee und tötete sechs davon. Jetzt haben wir vierundzwanzig." Ob der Krieg gegen den Terror gewonnen werden kann, indem man selbst zum Terroristen wird? Das Umgehen der Genfer Konventionen lässt das scheinbare Opfer nicht besser dastehen als die Täter, denen weder Recht noch Gerechtigkeit zuteil wird.
"Folter ist wie Krebs. Sie frisst einen auf und stellt einen auf dieselbe Ebene wie jene, gegen die man gerade kämpft... Meine Sorge ist, was passiert mit unseren Leuten? ... Nach der Hinrichtung, was macht man da mit dem Henker?", gab der ehemalige CIA-Offizier Jack Devine gegenüber Stephen Grey zu Protokoll (Seite 345). Wie in Afghanistan durch die Förderung des Kampfes der Mudschahedin gegen die Sowjets, so könnte auch das Verhalten der USA im globalen Kampf gegen den Terror schon in Jahren oder Jahrzehnten Konsequenzen nach sich ziehen, die sich kaum vorhersehen lassen. Wer allerdings versucht gegen diese verhängnisvolle Politik anzukämpfen, wird wie im Falle des ehemaligen britischen Botschafters in Usbekistan, Craig Murray, schnell Opfer der eigenen Arbeitgeber, die sich alle Mühe geben werden, die Glaubwürdigkeit des Insiders zu untergraben, was im Falle Murray mit womöglich sogar begründeten Vorwürfen über sexuelle Gefälligkeiten, Alkoholexzesse, unregelmäßige Arbeitszeiten, Privatfahrten mit dem Dienstwagen und dem berühmten Fahren über Stiegen besonders schmerzhaft ist. Die Kritik bleibt dennoch wahr, auch wenn der der sie hervorbringt nicht gerade einwandfreien Charakters ist.
Fazit:
Skandalträchtig, doch stillschweigend hingenommen sind die CIA-Folterflüge und damit dieses Buch eines der dunkelsten öffentlichen Geheimnisse unserer Zeit. So reißerisch das Buch auf den ersten Blick wirkt, so erschreckend sind seine Enthüllungen allerdings, die nicht mehr unbedingt jedem Leser zuzumuten sind.