Der aktuelle Roman von Michael Siefener ist nicht nur sehr spannend, sondern zudem stilistisch sehr ansprechend. Er verfängt sich nicht in blumigen Beschreibungen, wirkt aber dennoch keinesfalls trocken oder nüchtern. Ein ideal gewähltes Maß zwischen Spannung und Unterhaltung also.
Die Persönlichkeit der Titelfigur Arved Winter, dem ehemaligen Priester, geht dem Leser schnell in Fleisch und Blut über, und bereits in „Hexennacht“ wurde deutlich, dass Winter kein Abenteurer ist, sondern ungewollt in Geschehnisse hinein rutscht und auch an seine persönlichen Grenzen stößt. Im Gegenteil, er wird als etwas korpulent beschrieben und hat nicht „Gene“ eines Helden. Mehr noch, auch wenn er sich in Lioba verliebt, so stellt der End-Dreißiger sich sogar recht schulbubenhaft und unsicher an.
Der Trierer und Eifeler wird feststellen, dass Siefener die Gegenden wie seine Westentasche kennt.
Die kurzweilige und in sich logisch aufgebaute Geschichte ist indes temporeich und gleichermaßen gruselig. Vor allem gefällt der „rote Faden“, den der Autor in seinem Roman rund 280 Seiten nie verliert.
Der Untertitel „ein phantastischer Roman“ trifft zu, denn Siefener weiß den Leser in die Irre zu führen, ihn vor Rätsel zu stellen, ihm Spannung von der ersten bis zur letzten Seite zu erhalten und sich in die Person des Arved Winter hineinzufühlen.
Michael Siefener ist es gelungen, den ohnehin schon fesselnden Roman „Hexennacht“ nochmals zu überflügeln.
Jean-Louis Glineur