Mit seinem Roman "Sündenopfer" (im engl. Original "The Quarry") hat sich Damon Galgut nun endgültig in die erste Reihe der südafrikanischen Romanciers geschrieben. Hatte ich noch an seinem "Der gute Doktor" eine fehlende Kompromisslosigkeit und Konsequenz, bezugnehmend in erster Linie auf die Überfülle an Ideen bemängelt, ist "Sündenopfer" nun ein faszinierendes Beispiel an Konzentration und Reduktion der Mittel.
Ein zu seiner neuen Gemeinde reisender Geistlicher nimmt einen Anhalter mit, was ihn, bei Gott nicht unschuldig, das Leben kostet. Sein Mörder übernimmt seine Identität und sogar seine Stellung als Geistlicher, erregt aber bald das Misstrauen des Dorfpolizisten. Dieser beginnt nun seine Hetzjagd, kompromisslos bis zum bitteren Ende. Prosa, die kar und lakonisch ist, die teilweise auf das absolute Minimum reduziert ist, was dem Gesagten natürlich noch mehr Gewicht verleiht, bis gegen Ende nur mehr einzelne Sätze und Worte da sind. Genau das ist auch die absolute Stärke dieses meisterhaften Romans, der wie ein Musikstück komponiert ist, das mit einem Orchestertutti beginnt und nach kontinuierlicher Ausdünnung der Besetzung nur mit einem solistischen Fagott endet, während die Spannung kontinuierlich steigt und im Moment des Fagottsolos die größte Dichte erreicht. Ein Leseerlebnis, ein spannender, ein faszinierender Roman, den Sie, wenn möglich im Original lesen sollten (da funktioniert die Reduktion der Sprache viel besser- ich habe Original und Übersetzung gelesen). Absolute Empfehlung.