Ein Dorf in der polnischen Provinz. Dort gehen die Uhren seit langem anders. Selbst zu Beginn des 21. Jahrhunderts spürt man dort nicht, dass ein anderer Teil Polens schon längst in Europa angekommen ist.
Die Menschen dort haben entweder keine Zukunft oder sie können sich keine für sich vorstellen, keine für die sie sich engagieren, für die sie arbeiten könnten. Einzig der Sägewerksbesitzer Józef Myslewski hat sich schon in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als Polen das erste Land des Ostblocks war, in dem sich etwas in Richtung Freiheit bewegte, als Kleinunternehmer versucht. Er zieht eine Fuchsfarm auf und verkauft die Pelze mit entsprechendem Gewinn. Damals liebte und begehrte er seine Frau Maria noch. Heute schläft er mit wechselnden Frauen im Dorf, die ihm bereitwillig gegen entsprechende Bezahlung oder auch umsonst ( er ist schließlich ein mächtiger und einflussreicher Mann) ihren Körper zur Verfügung stellen. Es reicht aber immer nur zur kurzfristigen Befriedigung, der Rest wird im Alkohol ertränkt. Der Alkohol ist eine Droge, der die meisten der in diesem Roman geschilderten Personen verfallen sind. Ohne Perspektiven, aber auch ohne jeglichen Ehrgeiz und ohne Disziplin für ihr eigenes Leben sind sie zufrieden, wenn das Geld für das nächste Besäufnis zusammen ist.
Es wird unter anderem erzählt von Alek, der in Amerika war, den dort verdienten Reichtum aber bald versoffen hat und von seinem Freund Staszek, der als Junge Messdiener war und der manches Mal Dinge sieht und Emotionen spürt, die ihm Angst machen:
Deshalb wollte er sich möglichst wenig Emotionen gestatten. Er wollte nicht in einen Zustand der Betäubung fallen. Davor hatte er Angst, er wollte aber keine Angst mehr haben. Auch große Freude konnte er keine empfinden. Er sehnte sich nach Ruhe, aber nicht entschlossen genug. Langsam, ganz langsam erlangte er einen Zustand der Ruhe, einen Zustand der Geschlechtslosigkeit. Ohne Schattierungen. So war es am besten."
Die meisten Einwohner des Ortes wohnen in einer Kolchosensiedlung und Odija schildert in niederschmetternden Worten den nächsten Rausch als ihr einziges Lebensziel:
"Was hatte man denn sonst vom Leben? In einer solchen Siedlung verreckte man vor Langeweile. Die Leute hatten den Eindruck, man habe ihnen etwas weggenommen und sie allein ihrem Schicksal überlassen. Nie hatte man ihnen beigebracht, mit sich selber etwas anzufangen. Immer hatte ihnen jemand gesagt, was sie tun sollten. Jetzt sagte ihnen keiner mehr etwas. Sie mussten es sich selber sagen. Es waren ihnen nur die Erinnerungen geblieben, und die waren viel interessanter als alles, was jetzt ablief. Denn jetzt lebten sie in Armut. Und die Armut ist unendlich langweilig. Und sie stinkt, Wie ein verfaulter Fisch. Mit Armut kann man sich nicht anfressen. Womit soll man sich denn anfressen, wenn man arm ist ? Aber man kann sich damit ansaufen. Nur dass man viel saufen muss. Bis die Welt aufhört, nach Fisch zu stinken."
Als ein selbsternannter Politiker namens Pasieka ins Dorf kommt und für seine populistischen Parolen Unterstützer sucht, kuschen sie vor ihm, und auch der bislang so mächtige Jósef Mysliwski sieht sich von ihm zunehmend bedroht. Hoch verschuldet, weil er eben hoch hinaus wollte, hetzt ihm Pasieka die Banken auf den Hals. Auch sein Sohn Krzysztof ist ihm keine Stütze. Verzogen und immer reichlich von seinem Vater mit Geld und Alkohol versorgt, gerät er auf die schiefe Bahn und landet nur wegen der Bestechungen seines Vaters nicht im Gefängnis. Zu einem normalen Leben mit Arbeit und Familie ist auch er nicht fähig.
Und so ist es von einer eigenen, logischen Symbolik, dass der Sägewerksbesitzer seinen ganzen Besitz den Flammen übergibt und sein Lebenswerk zerstört.
Daniel Odijas Roman ist nicht nur ein "schönes und anrührendes Buch über das menschliche Schicksal", wie ein polnischer Rezensent schreibt. Es ist das bedrückende Zeugnis eines Landes und seiner Menschen, die auch nach dem Fall des Kommunismus keine Chance haben, weil sie sich keine geben. Wüsste man nicht um die andere Seite der Medaille, könnte die Lektüre von Odijas Buch alle bekannten Vorurteile und Ressentiments gegen Polen bedienen: der Alkohol, willige Frauen, die sich jedem hingeben, faule Männer, die keine Initiative zeigen und erfolgreiche Menschen, die den Erfolg dem Betrug verdanken. Da man auf jeder Seite spürt, dass Odija sein Volk und sein Land liebt, ist es eine traurige Bilanz, die er da aufmacht, und eine literarischer Anklage gegen das Ausbluten eines Landes, dessen Beste alle im Ausland sind und das deshalb vor die Hunde zu gehen droht.