Zugegeben, die Horrorkurzgeschichte 'Das Ritual' von Angela Planert ist wirklich etwas kurz geraten. Das ist aber schon die einzige Kritik, die an der packenden, unter die Haut gehenden Erzählung festgemacht werden kann: Man will unbedingt wissen, wie es mit unglücklichen Wesen Nurel weitergeht, das als Gefangener eines satanisch-sadistischen Meisters entwürdigende Initiationsrituale voll grausamer Ekelprozeduren durchleiden muss.
Doch inmitten all des Horrors, dem eine kraftvoll hintergründige Sprache erschreckendes Leben einhaucht, setzt die Autorin einen kategorischen Schlusspunkt. 'Was also sollte ihm fehlen?
' Mit diesem letzten Blick auf ihren tragischen Antihelden, dessen an Masochismus grenzende Art, Quälereien wehrlos hinzunehmen, stark an den Ringfetischisten Gollum in Tolkiens Meisterwerk erinnert, endet das düstere Gemälde aus einer Welt, in der zwei Monde die Schicksale bestimmen.
Danken wir es den Kräften dieser Trabanten, dass die Geschichte in Angela Planerts Buch 'Felis Vidor' weitergeht. 'Durch qualvolle Rituale gekennzeichnet, kann Nurel aus der Gefangenschaft fliehen...', heißt es dort im Klappentext. Na also!
Vor diesem Hintergrund hat die Kurzgeschichte jeden einzelnen meiner fünf Sterne ehrlich verdient. Denn einen stärkeren Anreiz, auch das Buch zu lesen, kann ich mir nicht vorstellen.