"Das Riff der Delphine" ist so ganz unterhaltsam zu lesen, keine Frage, aber ich hatte mehr davon erwartet. Selbst für ein Jugendbuch ist es reichlich flach gehalten und bietet kaum Nährwert, wenn man bedenkt, was für ein Thema es aufgreift.
Mit der Hauptfigur, einer netten jungen Frau von nebenan, können sich viele junge Mädchen wohl gut identifizieren, vor allem solche, die sich mehr für Sport und Natur interessieren als für Mode, Make-up und Stars oder für die obligatorischen Pferde. Sheyna ist hübsch und clever, aber auch ein typisches Mädchen aus einer US-amerikanischen Provinz, weder reich noch übermäßig schlank und schön, also jemand, der ein erreichbares Vorbild darstellt. Interessant ist für Teenager sicher auch die Kulisse eines kleines Küstennestes auf den Keys in Florida, und es gibt natürlich noch eine Liebesgeschichte, die so auch im wahren Leben stattfinden könnte.
Meine Kritik ist jedoch, dass der tolle Ansatz mehr oder weniger verschenkt wird. Meiner Meinung ist das Buch auch einfach viel zu kurz für so ein umfangreiches Thema. Man erfährt viel zu wenig Wissenswertes über die Ölpest und ihre biologischen Folgen, was bei einem erzählerischen Zeitrahmen von nur einem langen Wochenende auch schwer möglich gewesen wäre. Wer etwas über Delphine lesen möchte, wird ebenfalls enttäuscht werden, denn sie spielen in dem Roman nur eine Nebenrolle und treten kaum aktiv in Erscheinung. Weder die Tiere selbst noch das titelgebende Riff sind für die Story von besonderer Bedeutung.
Stattdessen widmet sich das Buch hauptsächlich dem Thema Medien. Sheyna wird wider Willen zu einem Symbol für die Fernsehnachrichten, weil das Restaurant ihrer Eltern unter der Krise leidet und ihr Lieblingsdelphin von der Ölpest betroffen ist. Es ist absolut unglaubwürdig, wie intensiv sich plötzlich innerhalb von ein paar Tagen sowohl hohe Konzernmitarbeiter als auch eine berühmte Moderatorin und schließlich sogar der Präsident für sie interessieren, obwohl sie nichts nennenswertes geleistet hat. Nebenbei geht es zudem noch um ihre Freude am Fußball und um ihre Probleme mit einer ehemaligen Freundin, und gegen Schluss spielt sie auch noch wie in einem Kinderkrimi kleine Schnüfflerin. Letzteres wäre mir auch schon mit zwölf auf den Wecker gegangen.
Leider bleibt das Ende dann in meisterlei Hinsicht offen, manches wird einfach so fallengelassen. Das ist zwar nun wieder glaubwürdig, aber trotzdem schade. Störend sind auch die ständigen Querverweise auf irgendwelche Filme und Serien, als hätte der Autor keine Lust sich die Mühe zu machen, mit eigenen Worten zu beschreiben.
Ist vielleicht ein nettes Abenteuer zum Träumen für phantasiebegabte Schulmädchen, für die es ja auch gedacht ist, aber mehr leider auch nicht. Da hätte man wirklich mehr herausholen können.