Manchmal mag es schwierig erscheinen, etwas Aussagekräftiges zu den Einspielungen des niederländischen Dirigenten Bernard Haitink zu schreiben. Vieles, was Haitink eingespielt hat, wirkt blass, nicht sehr individuell, nicht sehr interpretationsstark, ist dafür aber nahe an der Partitur und sehr genau, ja vielleicht sogar etwas zu genau.
Nicht so seine Aufnahme des Wagner'schen Rings, der jetzt in vier Boxen wieder bei EMI erschienen ist. Dieser Ring ist von vornherein nicht so recht zur Kenntnis genommen worden, war dann lange nicht zu haben und ist nun also wieder da. Das ist auch gut so, denn - wie gesagt - der Ring ist eine kleine Investion durchaus wert.
Schon die "Rheingold"-Box beweist dies. Unter der hier also durchaus markanten Stabführung Haitinks begeistert zuallererst das Orchester. Der musikalisch-mythische Urgrund zu Beginn des "Rheingoldes" wird schlicht perfekt musiziert, da erlebt der Hörer eine Welterschaffung, die nicht nur aufgrund des exquisiten Orchesterklanges mitreißt, sondern auch aufgrund der gestalterische Finesse, die das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks hier auffährt.
Auch das Sängerensemble lässt sich sehen. So gefällt James Morris Wotan wesentlich besser als bei Levine, deutet er doch schlüssiger und umgeht technische Manierismen. Auch Mariana Lipovseks Fricka, wenngleich nicht so bissig angelegt, wie bspw. bei Christa Ludwig, überzeugt. Glänzend disponiert gestaltet Charaktertenor Heinz Zednik den windigen Loge und Peter Haages Darstellung des unterdrückten Mime ist durchaus amüsant. Abgerundet wird die gute Ensembleleistung von der glänzenden Gestaltung der dummdreisten und bauernschlauen Riesen Fafner und Fasolt durch Heinz Tschammer und Kurt Rydl.
Lediglich die Wahl des alternden Theo Adams für die Partie des Alberich erweist sich als nicht so recht überzeugend, da es Adam nicht (mehr) gegeben ist, die Begierden, die Selbstverneinung, die Qualen des Alben zu transportieren. Er steigert sich zwar zum ende hin, aber besonders die gesamte erste Szene bleibt an Ausdruckskraft weit hinter den großen Darstellungen zurück.
Ansonsten aber: Prädikat "hörenswert".