München, 22. April 2000. Es ist der 42. Geburtstag von Klara Schwartz. Sie ist seit einigen Monaten in der Psychiatrie.
Der Roman spielt an diesem einen Tag in zwei Handlungssträngen, einmal Klara in der Psychiatrie zum anderen Sonja, ihre Schwester, die mit Ehemann Ivo für einen Tag von Wien nach München gekommen ist, um das Elternhaus zu verkaufen.
An ihrem Geburtstagsmorgen möchte Klara nicht aufstehen und sich anziehen. Sie wartet. Sie wartet auf die Post, die Pfleger Rodi immer bringt, sie wartet auf Schwester Rafaela, die Zeitschriften bringt, sie wartet auf Sonja.
Klara verlebt den Tag in ihren Erinnerungen, in Erinnerungen an ihre Kindheit, in ihren Fantasien und fiktiven Gesprächen mit ihrem Therapeuten. Vor allem denkt sie an "ihn". Denn sie weiß, "er" liebt sie und wird "seine" Frau verlassen. Als Zeichen hatte Klara zunächst ein Feuer in "seinem" Garten gelegt und später "sein" Kind entführt.
Die Realität, dass dieser Mann, dem sie nachgestellt hat, sie gar nicht kennt, verkennt Klara.
Sonja und Ivo haben es eilig, denn das Haus muss an diesem Tag verkauft werden, sie brauchen einen Vollmacht von dem Vater, der, nun zunehmend dement, im Pflegeheim lebt und wollen Klara besuchen. Im Elternhaus erinnert sich Sonja an das Klavierspiel, wenn der Vater Unterricht gab, an die immer schick gekleidete Mutter. An ihre Ski-Ausflüge mit Onkel Bert, zu denen Klara nie mit wollte, Klara, die Langsame, die In-sich-Gekehrte. Ihre Schwester, die nun in der Psychiatrie ist, da sie ein fremdes Kind entführt hat, ist ihr unheimlich. Sonja hat ihr eigenes Leben, in Wien.
Den Klappentext sollte man unbedingt zuerst lesen, da Franziska Sperr dem Leser nicht viel erklärt.
Man wird hineingeworfen in die Gedankenwelten, vor allem von Klara.
Klara musste immer hinter ihrer Schwester zurückstecken, die braver und schneller war. Mutter und Vater sind anwesend, aber nie für ihre Tochter greifbar da. Klara wollte auch gerne mit Onkel Bert Skifahren. Aber wenn es soweit war, fehlte ein Handschuh, war die Hose kaputt. Und wenn Onkel Bert und Sonja abends zurück kamen, bereute Klara den verronnen Tag: "Ich war wie unter Glas, fühlte keine Wärme in meinem Kopf, in meinen Ohren nichts, die Welt um mich herum versank im hellen Nebel."
Es ist eine tragische Geschichte von Einsamkeit, Ausgeschlossen Sein, Leere, unerfüllter Sehnsucht nach Teilhabe am Leben, Sehnsucht nach Liebe.
Franziska Sperr erzählt, wie Klara sich in dieser kargen Welt eingerichtet hat und dass die folgenden Ereignisse aus Klaras Sicht nur logisch waren.
Leider lässt die Autorin zu viel offen und dadurch ist es dem Leser kaum möglich, die Gedanken alle nachzuvollziehen. Das ist etwas schade, denn sprachlich ist der Roman hervorragend, gelungene Formulierungen, bildhaft.
Der 22. April 2000 neigt sich dem Ende zu und Klara wartet....