Vordergründig handelt es sich um einen spannenden prähistorischen Abenteuerroman mit Fantasy-Elementen, den man fast in einem Rutsch durchlesen möchte. Doch die Geschichte ist mit solcher Sensibilität und so viel Einfühlungsvermögen erzählt, dass "Tiefgang" und literarische Qualität recht hoch sind. Die Haupt-Protagonisten werden in ihrem Wesen sehr differenziert dargestellt: Wie Menschen im "wirklichen Leben" werden sie einander manchmal nicht gerecht, obwohl sie das Beste wollen. So liebt Tillu ihren Sohn Kerlow, der schon mit den einfachsten praktischen Handlungen überfordert ist, einerseits sehr und möchte ihn vor Verachtung und Spott schützen; auf der anderen Seite ist sie frustriert und wütend, dass allein sie für das Überleben im harten sibirischen Winter zuständig ist und Kerlew kaum einen Finger krumm macht. So kann sie auch seinen Qualitäten kaum gerecht werden. Auf der anderen Seite ist er der einzige, der bei ihr ist, ohne ihren Sohn wäre Tillu ganz allein; und so fällt es ihr gleichzeitg schwer, ihn eigene Wege gehen zu lassen. Die Gefühle und Bedürfnisse der handelnden Personen, in die der Leser sich schlüssig hineindenken kann, sorgen bei Begegnungen für komplexe Situationen, die mit viel Wärme und genauer Beobachtungsgabe erzählt sind.
Die letzten Seiten musste ich gleich zweimal lesen, weil ich mich schwer damit abfinden konnte, dass das Buch schon zu Ende war. Macht aber nichts: Ich freue mich auf den zweiten Band, "Wolfsbruder".