Es ist ein etwas eigenartiger Krimi den uns Kreslehner hier präsentiert. Die Story ein bisschen Wirr, zu aufgesetzt, zu bemüht. Die Schreibweise chaotisch, ordinär, melodramatisch (Haare duften nach Sahara und Heu (!?), Augen wie Haselnüsse, radebrechten usw.), teilweise ins Nichts führende und abgehackte Sätze, die sich oftmals halbseitig wiederholen. Somit entsteht für den Leser kein wirklicher Zugang zu den Protagonisten. Diese werden von Kreslehner auch nicht "vorgestellt", sondern eher "vorgeführt", was bedeutet, dass man als Leser die Aufgabe übernimmt die Charaktere und Namen(zuordnung) selbst zu erarbeiten.
Kreslehner schreibt einen unglaubwürdigen Krimi: (SPOILERWARNUNG) ein ungewöhnlicher Mord, Prostitution, Mißbrauch, Amoklauf, Sohn in die Geschichte involviert, Sozialarbeiter, unzulängliche Mutter, ein 20jähriger Cold Case und ein noch unglaubwürdigerer Zusammenhang. Danach trifft ein Klischee das andere: der einzige Türke der kurz "mitspielt", spricht natürlich kein Wort Deutsch, Franza geht fremd und treibt damit ihre Ehe vor das Aus, ihr Kollege kriegt mit seiner Frau ein Kind nach dem anderen und ist todunglücklich und völlig unsinnige Gedichte des eigensinnigen Sohnes usw.(SPOILERWARNUNG ENDE)
Auf nur 296 Seiten ein bisschen zuviel des Guten. Kreslehner sollte weiters überlegen ob sie literarisch oder im tiefsten Jargon schreiben möchte; beides wirkt aufgesetzt, bemüht und funktioniert definitiv nicht! Einer der Tiefpunkte hat das Buch auf Seite 204 erreicht. Eine Seite lang über das Ergebnis einer Darmentleerung zu schreiben, welche nicht die Tote betraf, fand ich persönlich noch geschmackloser, als einige Seiten zuvor 1,5 Seiten über den genauen Brechvorgang von Franza zu lesen. Es wäre fast der Grund gewesen, dass ich das Buch zur Seite lege. Bei 265 habe ich es dann tatsächlich getan. Sätze wie: "Wollte der Stille nach. Dem Schweigen zu.", vergellen einem die Freude; auf der Seite davor ordinärste Kraftausdrücke, schlimmer kann man eine Frau nicht mehr beleidigen oder nennen... Unbegreiflich, warum das hier soviele Rezensenten "literarisch" nennen.
Ebenso ein Kritikpunkt ist, dass man nicht weiss, wo sich der Krimi abspielt. Es muss irgendwo in der Nähe von Berlin sein, denn einige Handlungsstränge spielen ebendort. Dann ist jedoch wieder von einem Provinzkaff zu lesen und ständig "ich ziehe nach Berlin". Ein Provinzkaff kann es allerdings nicht sein, denn dann gäbe es keine eigene Kriminalabteilung samt Pathologie und Staatsanwaltschaft. Die Donau spielt eine wichtige Rolle. Warum sich Kreslehner hier nicht festgelegt hat, irritiert den Leser mehr, als dass es nützlich wäre. Alles in allem ist dieses Geheimnis völlig sinnfrei.
Fazit: Ein (extrem) ordinärer Jargon löst eine "literarische" Schreibweise ab, die sich aber beide nicht vertragen. Die Story lau, durchschaubar und durchwachsen interessant. Zu schnell hat man als Leser die Auflösung parat. Dadurch fehlt die Spannung. Die Protagonisten bleiben farblos, unscheinbar und langweilig. Die Charaktere wurden nicht herausgearbeitet und Kreslehner hat zuviel unglaubwürdige Szenen eingebaut und in keines geht sie tief genug hinein. Jegliches (tiefgreifende) Thema wird nur gestreift, belangloses dafür oftmals wiederholt. Ein völlig überschätztes Buch!
Schade!