Das Rainerbuch. Lou Andreas Salomé - Rainer Maria Rilke.
Rainer Maria Rilke und Lou Andreas Salomé verband eine Liebesbeziehung, eine tiefe Freundschaft, die Leidenschaft zur Kunst, Literatur und Psychoanalyse und vieles. das man nicht in einfachen Worten fassen kann.
Lou Andreas-Salome (1861-1937) war Intellektuelle, Autorin und Psychoanalytikerin, die engen Kontakte zu zahlreichen berühmten bildenden Künstlern, Schriftstellern und Psychoanalytikern pflegte. Nicht wenige von ihnen verliebten sich in die selbstbewusste, weltgewandte Frau. Neben Nietzsche auch Rainer Maria Rilke (1875-1926). Doch Rilkes Werben erhörte sie. Beide reisten viel; durch Europa, Russland und Nordafrika. Sie lernten z.B. Rodin, Paula Becker, Otto Modersohn, Leo Tolstoi, Max Reinhardt, Gerhard Hauptmann, Frank Wedekind, Marie von Ebner Eschenbach und Sigmund Freud kennen. Die Psychoanalyse beeinflusst beide stark. Doch selbst Lou rät Rilke von einer Psychotherapie ab, da er für eine erfolgreiche Therapie das Schreiben beenden müsse. Zwei Jahre nach ihrer Trennung (beide sind übrigens verheiratet) wendet er sich in einem Brief "in der Stunde höchster Not" wieder an sie. Am Ende ist sie ihm beste Freundin, Mutterersatz und Therapeutin.
1927, ein halbes Jahr nach seinem Tod beginnt Lou Andreas-Salomé mit der Arbeit an ihrer Rilke-Biographie. Sie nennt sie Das Rainerbuch. Sie sucht Rilke in ihrer Erinnerung, seinen Briefen und Dichtungen.
Salomés Arbeit zeichnet sich durch eine psychologische Herangehensweise aus. Sie sucht Rilkes Seelenzustände aus seinem Werk herauszuschälen. Es entsteht eine Art Zwiegespräch zwischen beiden. Und so wird darin auch ihre Beziehung wiedergespiegelt. Lou Andreas-Salomés Grundthese zum Verständnis von Rilkes Seelenleben, wie zu seinem Werk, scheint die, dass sein "Hinweis auf das Sterbliche" in seiner Poesie "nicht den Tod, sondern das Leben" meinte. Sie will aufräumen mit dem grundlegendenden Missverständnis. die seine Poesie in eine falsche Romantik rückte.
Katrin Neuhäuser spricht die "reife, lebenserfahrene, in sich ruhende Lou Andreas-Salomé". Die eingeflochtenen Zitate aus Rilkes Werken und Briefen werden von Rainer Süßmilch meist in einem flüsternd, raunenden Ton gesprochen. Untermalt wird der düstere, weniger der musikalische Charakter der Rilkeschen Äußerungen durch "atonale Musiksequenzen".
Lou Andreas-Salomés Rilke-Biographie wird derzeit nirgends verlegt und ist nur noch antiquarisch zu erhalt. Mit der Herausgabe als gekürzte Hörspielbearbeitung hat der Kaleidophon-Verlag sie tatsächlich der "Vergessenheit entrissen und dem ungleichen Paar eine Stimme gegeben". Das Hörstück ist in einem ansprechenden Digipak herausgegeben. Ein 12seitiges Booklet mit einer Vielzahl von Informationen und Photos ergänzt das Hörbuch.
Dieses Hörstück ist eine gelungene Umsetzung der persönlichen, literarischen, literaturwissenschaftlichen, psychoanalytischen und mittlerweile selbst historischen Auseinandersetzung mit dem großen Dichter, der jedoch als Mensch und Freund mit empfindlicher Seele sichtbar wird.