Die beiden Autoren des bereits im September 2010 unter dem Originaltitel "
Roman Britain. Life at the Edge of Empire" veröffentlichten Bandes sind gemeinsam verantwortliche Kuratoren für die Römisch-Britische Sammlung des"British Museum" in London. Während sich Ralf Jackson auf römische Metallarbeiten und die Archäologie der antiken Medizin spezialisiert hat, gilt das besondere Interesse Richard Hobbs' vor allem der Metallverarbeitung, z . B. Schmuck und Silbergeschirr und der Abscheidung von Edelmetallen sowie Nahrungs-und Banketträumen....
....daher ist es auch nicht verwunderlich, dass es sich bei dem Band "Das Römische Britannien" gewissermaßen um ein "Ausstellungskatalog" handelt. Die Autoren präsentieren darin wichtige Exponate aus ihrer Museumsabteilung, um die fast vier Jahrhunderte währende Herrschaft des Imperium Romanum über die als Albion (Weißland) bezeichnete Insel darzustellen.
Im einleitenden, ersten Kapitel weisen Hobbs und Jackson daraufhin, dass die Verwaltung der am äußersten nordwestlichen Rand des Römischen Reiches gelegene Provinz, die um das Jahr 212 von Kaiser Septimus Severus in Britannia superior und Britannia inferior geteilt wurde, von 43 bis 410 n. Chr. andauerte. Die Kenntnisse über die römisch-britannische Kultur stützen sich auf die Evidenz der archäologischen Befunde und den antiken schriftlichen Quellen in Verbindung mit der aktuellen Forschung an den materiellen Hinterlassenschaften, welche Eingang in die einzigartige Sammlung des British Museum gefunden haben. Das zweite Kapitel wirft einen Blick auf das Britannien der prärömischen Zeit. Neben" in der heutigen Grafschaft Dorset, bietet eine Karte eine Übersicht über die Zentren, größeren Siedlungen und Stämme sowie die Verbreitungsgebiete regionaler Münzprägungen. Die römische Invasion und Eroberung unter dem Feldherren Aulus Plautius, der im Sommer des Jahres 43 mit vier Legionen und zahlreichen Auxiliareinheiten auf der Insel landete, ist Gegenstand des dritten Kapitels. Dem Widerstand des Fürsten Caractus und der Heerführerin Boudicca werden hierbei gerade mal zwei Seiten eingeräumt. Betrachtungen zum Hadrians- und Antoninuswall bilden den Abschluss des Kapitels, ehe sich das nachfolgende mit dem Thema "Soldaten und Gesellschaft" beschäftigt. Gegenüber der Abbildung eines Legionärshelms mit Wangenklappe und Fahnenhalter an der Seite sowie einem ausladenden Nackenschutz und einem Helmbuschhalter mit ein Helm mit Verzierungen im britannischen Stil geradezu wie bronzene Baseballkappe an.
In den Kapiteln fünf und sechs werden nacheinander Aspekte von "Sprache und Bildung" sowie die soziale Stellung und Tätigkeit von "Bauern, Handwerkern und Händlern" beschrieben und anhand ausgewählter Exponate visualisiert. Nachdem im siebten Kapitel das Leben auf der Stadt demjenigen auf dem Lande gegenübergestellt wird, veranschaulicht Kapitel acht die Bedeutung von "Druiden und Götter". Neben dem Christentum gehören hierzu auch die ebenfalls aus östlichen Reichsteilen importierten Kulte der Isis und Kybele und des Mithras. Abschließend bietet Kapitel neun einen Ausblick auf Konstantin den Großen, der am 25. Juli 306 von seinen Soldaten in der Colonia Eboracensium (York) zum Kaiser ausgerufen wurde und das "Britannien in nachrömischer Zeit".
Besondere Erwähnung verdienen noch die doppelseitigen Essays zu den Themen "Grab aus der Bronzezeit" (Seite 24/25), "Kavallerie-Sportarten" (S. 56/57), "Schreibausrüstung" (S. 68/96), "Schmuckmacher-Ausstattung" (S. 94/95), "Londinium" (S. 100/102), "Water Newton Schatz" (136/137) und "Elegantes Speisen" (S. 150/151) in denen sich die Autoren ihren Lieblingsthemen widmen können sowie eine Karte des Römischen Britannien (S. 10).
Eine Zeittafel, Literaturliste und ein Register bilden den Abschluss eines Bandes, der mich nach meinen bisherigen Besuchen (1991 und 2002) erneut in das British Museum - diesmal sicherlich jedoch zu einem längeren Verweilen in der Römisch-Britischen Sammlung- einlädt.