Auf einer unbewohnten Insel nahe Flatey wird die verweste Leiche eines Mannes gefunden, der sich als Handschriftenexperte für einen mittelalterlichen Codex interessierte, dessen Faksimile in einer Bibliothek auf Flatey aufbewahrt wird und der in Zusammenhang mit einem Rätsel steht, das bis dato niemand lösen konnte.
Hier hat die Welle der nordeuropäischen Krimis einen Roman nach Deutschland gespült, der sich vom Gros abhebt. Nicht nur, was Zeit (1960) und Ort (isländische Schäreninseln) angeht. Es gibt keinen Protagonisten, der an vorderster Front die Ermittlungen leitet; es gibt keinen spektakulären Mord, sondern eine Vielzahl von Geheimnissen, die alle mehr oder weniger mit dem Toten zu tun haben, und es gibt das knifflige Rätsel der Handschrift, das dem Buch sein besonderes Flair verleiht. Das Erzähltempo ist gleichbleibend ruhig und langsam. Immer wieder wird die Stimmung einer Szene eingefangen mit der Schilderung des Wetters, des Lichts, des Meeres.
All das, die Atmosphäre, die Figuren, die Hintergrundgeschichte und das Rätsel machen zusammen die Harmonie des Buches aus, das gekrönt wird von einer Lösung, die, zumindest für einen Krimi, außergewöhnlich ist.