In seinem Buch 'Das Rätsel der Rauhnächte. Die kosmischen Geheimnisse der Zeit.' zeigt uns Reinhardt Stiehle einen neuen Blick auf diese besondere Zeit zwischen den Jahren. Dabei geht er weit zurück, denn will man einen Zeitraum verorten, wirft dies unweigerlich Fragen nach kosmischen Rhythmen, nach der Messung von Zeit und dem Versuch des Menschen gültige Kalendarien zu erstellen ebenso auf wie die Frage nach religiösen und kulturellen Aspekten. Wann beginnt ein neues Jahr? Mit der Wintersonnenwende, die heute auf den 21. Dezember fällt, zu Zeiten Cäsars aber noch auf den 25. Dezember, am 01. Januar, zur Frühlingstag- und Nachtgleiche oder mit dem Beginn des Kirchenjahres, dem 25. Dezember, der Weihnachtsnacht? Auf seiner Spurensuche schreitet Stiehle all diese Fragen ab, schaut dabei auch auf kulturelle Bräuche wie auf den Sternenhimmel und die mit ihm verbundene Mythologie.
Wir sind es zumeist gewohnt die Rauhnächte zwischen dem 24. Dezember und dem 06. Januar anzunehmen und folgen damit wichtigen Daten christlich-religiöser Tradition. Finden wir die Rauhnächte tatsächlich innerhalb des kulturellen Kontextes oder sollten wir uns an den kosmischen Rhythmen orientieren? Stiehle folgt dem Lauf der Sonne, die mit der Wintersonnenwende am 21. Dezember einen neuen Zyklus beginnt. Im 8. Kapitel 'Der Atem der Sonne' leuchtet er dabei ein bislang wohl wenig beachtetes Phänomen aus, die sogenannte Zeitgleichung, die seine These eindrucksvoll unterstreicht: 'Denn obwohl die Wintersonnenwende der kürzeste Tag des Jahres ist, tritt der früheste Sonnenuntergang bereits etwa zwölf Tage früher und der späteste Sonnenaufgang erst etwa zwölf Tage später ein ' Der Sonnenaufgang verzögert sich nach der Wintersonnenwende täglich weiter und tritt erst nach der Zeit der Zwölften wieder zu einem früheren Zeitpunkt ein. Beim Sonnenuntergang läßt sich ein gegenläufiger Prozeß ausmachen. Schon zwölf Tage vor der Wintersonnenwende drängt die Sonne die Nacht langsam zurück ' Dieser rhythmische Wechsel polarer Kräfte umrahmt die Wintersonnenwende.' (S. 45-47)
Die besondere Zeitqualität um die Wintersonnenwende herum wird so auch über die Sonnenaufgangs- und Sonnenuntergangszeiten messbar und zum Indiz der Stimmigkeit des 21. Dezember als Beginn der Rauhnächte. So finden wir vor der Sonnenwende zwölf besondere Tage, in denen wir analog ein Tag gleich ein Monat auf das zu Ende gehende Jahr Rückschau halten können und ab dem 21. Dezember jene zwölf Rauhnächte, die uns in der Vorschau etwas über die kommenden zwölf Monate verkünden mögen. Denn seit Alters her sind die Rauhnächte auch als Lostage bekannt, in denen wir etwas über das kommende Jahr erfahren können. Orakeltechniken gibt es viele. Viele ziehen z.B. Engel- und Tarotkarten und achten auf ihre Träume in jenen Nächten. Reinhardt Stiehle verbindet die Rauhnächte insbesondere mit den zwölf Tierkreiszeichen und macht daraus gleichsam eine Meditation, die jeder Leser für sich persönlich anwenden kann, indem er mit dieser Reise durch den Tierkreis in sich selbst nachspürt, ob alle zwölf Bereiche und Lebensfragen genug Raum erhalten und im Gleichgewicht sind.
Ein gelungenes Buch, welches gehaltvoll und einfühlsam zugleich dem 'Rätsel der Rauhnächte' nachspürt und neue, überzeugende Antworten findet, zudem liebevoll im handlichen Format gestaltet und mit zwölf wunderschönen schwarz-weißen winterlichen Landschaftsbildern 'garniert'. Ein sehr schönes Weihnachtsgeschenk zum Selberlesen und als Geschenk für liebe Freunde.
Und dieses Jahr werde ich noch bewußter jenen Tagen nachspüren.