Katzenbachs Grundidee, die Szenerie in die Zukunft zu bauen, mag zwar ganz interessant anmuten. Allerdings sind seine Beschreibungen hinsichtlich der Gewaltextase, welche die USA überkam und die fast "logische" Schaffung eines Staates, frei von Verbrechen und von totaler Überwachung geprägt, etwas lapidar und nicht selten irgendwie unvollkommen. Dazu der Kontext, nämlich der Psychothriller als solches, die Katz-und Mausjagd nach einem intelligenten Serienmörder....es ist dann doch zu viel des Guten.
Katzenbach hat es gut gemeint, sicher. Allerdings gerät angesichts der ganzen Fülle von Handlungssträngen der eigentliche Thrill außer Acht. Jeffrey Clayton vs. Vater, Susan Clayton feat. Jeffrey vs. Vater, usw., man wird regelrecht erdrückt, wenn alle Protagonisten sich erst mit sich selbst und dann mit der drohenden Lebensgefahr beschäftigen. Dazu die stetigen Beschreibungen, wie diese neue perfekte Welt in Form eines zusätzlichen Bundesstaates zu funktionieren hat, um dann zu lesen, dass Papa Clayton sich eine neue Identität aufgebaut hat, mit derer er nun scheinbar mühelos auch in diese perfekt kontrollierte Welt eindringt und Morde begeht.....der Handlungsablauf wirkt eindeutig überfrachtet.
Dieser Big-Brother Ansatz wirkte auf mich eher verspielt als durchdacht. Auch ohne diese ganzen Nebenkriegsschauplätze hätte ein guter Thriller gelingen können.
Katzenbachs Schreibstil wirkt routiniert aber auch manchmal ideenlos. Seine Bemühungen, Spannung zu erzeugen, wirken in einigen Momenten deplatziert (ich erinnere da an Susan Claytons Bootsausfahrt, die, seltsam anmutend, ohne jegliche Not fast in einer Tragödie endet).
Die Charaktere wirken bisweilen seelenlos und bedienen, es ist ja ein US-Thriller, auch wieder typische Klischees (denn so darf der brutale Big-Brother-Cop nicht fehlen, warum nur?!).
Fazit: "Das Rätsel" ist ein allenfalls mäßiger Psycho-Thriller, in dem sich der Autor zu viel zumutet und seine Geschichte mit Ideenballast überfrachtet. Die Spannung muss angesichts vieler Nebenhandlungen und erzwungener Ideen weichen, so dass nur im letzten Drittel der Thrill garantiert ist. Es gibt viele bessere Thriller auf dem Markt.