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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Künstliche Rätsel,
Von
Rezension bezieht sich auf: Das Rätsel von Paris (Gebundene Ausgabe)
Der klassische Detektivroman verhält sich zur Kriminalliteratur im allgemeinen, wie die Philosophie zum Leben. Er lebt davon, dass ein scharfer Geist mit einer klaren Methode Geheimnissen auf die Spur rückt, die nach streng logischen Prinzipien geordnet sind. Es herrscht Symmetrie zwischen der Intelligenz des Verbrechers und der Einsicht des Detektivs. Darin berührt sich der klassische Detektivroman mit der Philosophie, die mit ordnenden Methoden dem Wesen der Wirklichkeit zu Leibe rückt. Doch so ist das Leben nicht. Es ist ungeordnet, unlogisch, unsymmetrisch, unappetittlich. Der Thriller berichtet von diesem wirklicheren Leben, der Polizeiroman zeigt es aus der Sicht der Forensiker, der Gerichtsmediziner, der Polizisten oder der Juristen.Pablo de Santis Roman ist der klassische Detektivroman par Excellence. Im Laufe einer vielschichtigen Handlung werden die verschiedensten prinzipiellen Methoden der Detektion zitiert: Die Sicht auf das Problem als Puzzle, die Kunst, die Realität als Vexierbild zu begreifen, das Bild der gehiemnisvollen, zu befragenden Sphinx, die Zen-Sicht, nach der das Rätsel ein weisses, noch zu beschreibendes Blatt ist. Zur Diskussion dieser Methoden und zur Ausstellung ihrer Instrumente treffen sich in Paris kurz vor der Eröffnung der Weltausstellung 1889 die berühmen Zwölf Detektive, der exklusivste Club der Detektion schlechthin. Doch es sind nur elf Detektive, die anreisen: Craig, ihr argentinischer Vertreter, musste absagen (diese wichtige Vorgeschichte macht den ersten Teil des Romans aus) und schickt stattdessen seinen Adlatus, Sigmundo Salvatrio. Und bald sind es nur noch zehn, denn einer der Zwölfen stürzt vom fast vollendeten Eiffelturm zu Tode. Und das ist nur der erste Mord einer Reihe, die das Zeug hat, das klassische Geheimnis, den Gral der Detektion in sich zu bergen. Um die Fälle rankt sich alles, was zu den Topoi des Wissens und des Nichtwissens gehört: Geheimgesellschaften und Alchemie, Rosenkreuzer und Kryptokatholiken, Mystizismus und Platonismus, der Papst in Avignon, die heilige Dreifaltigkeit, die vier Elemente - alles scheint eine Rolle zu spielen. Doch trotz Methode und überscharfer Intelligenz stolpern die Detektive und ihre Assistenten hilflos herum, stochern im sprichwörtlichen Nebel der Stadt, verheddern sich in den unzähligen Möglichkeiten. Und mit ihnen stolpert Salvatrio, immer südamerikanisch geschwätzig, ein wenig dummdreist, doch immer zur rechten Zeit am rechten Ort ist, um die nächsten Volte der Geschichte brühwarm erleben und von ihr berichten zu können. Es ist nicht zu viel verraten, wenn gesagt wird, dass sich die Detektive schliesslich selbst entlarven. Der grösste unter ihnen bringt es am Ende auf den Punkt: Den Detektiven sind nur die kleinen Erfolge möglich, bei den grossen Fällen können sie nicht mithalten, da ist die Polizei ihnen über. Denn die wirklche Welt ist nicht so logisch konstituiert, dass sie sich den Methoden der Detektiven erschlösse. Und so kommt es nicht überraschend, dass es schliesslich nicht die Detektive sind, die die Mordfälle lösen. Und ebensowenig, dass es nicht die kalte, zwingende Logik einer Weltsicht ist, die die Handlungen motiviert, sondern zutiefst menschliche Triebkräfte. Die Ehrenrettung der Detektive, zugleich die vielleicht beste Unterhaltung im Roman, stellen die kurzen Darstellungen der berühmten Fälle der Detektive dar. Sie werden an verschiedenen Stellen des Buches eingestreut und bedienen die klassischen Topoi, allen voran die Fälle verschlossener Räume. Doch es sind Geschichten von gestern, die Zeit der Detektive ist abgelaufen, und dieser Roman setzt ihnen ein (vielleicht letztes?!) Denkmal. Die Art de Santis zu Schreiben orientiert sich an den grossen Vorbildern der argentinischen Kriminalliteratur, die immer einen wichtigen Platz in der Literatur des Landes einnahm. Man darf 'Das Rätsel von Paris' durchaus borgesk nennen. Der Roman ist es auch in seiner reduzierten, komprimierten auf realitätsnahe Atmosphäre und Charakerisierung weitgehend verzichtenden Darstellungsweise. Im Vordergrund steht das intellektualistische, manchmal fast formelle Spiel mit der Form des Kriminalromans und letzten Endes dessen (wehmütige) Demontage. De Santis beherrscht sein Genre mit Leichtigkeit, manchmal jedoch mit etwas zu grosser Leichtigkeit: Das Spiel mit der Form bliebt Oberfläche, gelegentliche Seitenhiebe werden nicht mit Kraft geführt, und die Handlung dürfte für viele Leser (und gerade für die, die packende Spannung suchen) in wenig zu sehr am Reissbrett konstruiert sein. Nach aller Demontage mag man sich fast wünschen, de Santis würde in einem seiner kommenden Romane das Gebäude wieder errichten, an das Detektiv-Freunde so gerne glauben möchten: Die positivistische Logik von Tat und Aufdeckung. Am Ende des Rätsels von Paris steht jedenfalls nur noch eines sicher in der Welt: Der neue Turm zu Paris, die Meisterleistung einer neuen Wissenschaft, Ergebnis kollektiver Anstrengung. Wissenschaft und Organisation. Diesen mussten sich letztlich auch die Detektive beugen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Spannung mit Humor und Tiefgang,
Von Tedesca (Wien) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Das Rätsel von Paris (Gebundene Ausgabe)
De Santis schreibt in gewohnter Manier ein Buch der besonderen Art. Sprachlich bis ins letzte ausgefeilt sagt er vieles zwischen den Zeilen und macht so diese spannende Geschichte gleichzeitig zu einer philosophischen Reise ins endende 19. Jahrhundert. Schemenhafte Figuren verdichten sich oder tauchen unter in einem Nebel aus tiefgründigen Andeutungen und abartigen Verirrungen, der junge Sigmundo torkelt von einem Wirrnis ins nächste und durchschaut trotz seiner Unerfahrenheit letztendlich das Spiel, das mit ihm getrieben wird.Paris 1989, die Weltausstellung, die Eröffnung des umstrittenen Eiffelturms - dies sind die Kulissen, hinter denen der junge Adlatus ermittelt und Schicht für Schicht den glänzenden Lack der Gemeinschaft der zwölf Detektive abträgt, während die großen Meister sich in Selbstgefälligkeit und Konkurrenzdenken ergehen. "Das Rätsel von Paris" ist ein spannendes Buch, das mit einem Augenzwinkern viel mehr erzählt, als nur eine Kriminalgeschichte. Ein Tipp für alle, die gern intelligente und gut geschriebene Krimis lesen, die über simplen Mord und Totschlag weit hinausgehen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Zuviel Geschwafel, zuwenig "Fall" und zuwenig Charakterentwicklung,
Rezension bezieht sich auf: Das Rätsel von Paris (Gebundene Ausgabe)
Ich habe über das Buch in der Welt am Sonntag gelesen und mir, ehrlich gesagt, etwas ganz anderes vorstellt. Okay, irgendwas habe ich auch falsch verstanden, weil ich dachte, die zwölf Detektive wären eben fiktionale Figuren wie Poirot, Holmes etc. (so wie "Die Liga der Gentlemen"). So ist es aber nicht, in de Santis Roman ist alles - bis auf Koechlins Turm ... ups den Eiffelturm - fiktional.Beworben wird das Buch mit "Witz und Spannung". Beides muss man mMn mit der Lupe versteckt hinter vielen pseudophilosophischen Ausführungen suchen. Der erste Mord passiert nach rd. der Hälfte, allerdings typisch dann für die Aufklärung à la Christie, dass die Lösung mithin plötzlich und unerwartet kommt. Mit dem Helden Sigmundo Salvatrio bin ich nicht wirklich warm geworden, was für die ganze Geschichte wirklich schade ist. Laut Klappentext "eine Liebeserklärung an das Paris der Jahrhundertwende"... und dieser Aspekt war eigentlich das Beste an der Geschichte. Diese Aufregung rund um den Bau des Eiffelturm, rund um die Weltausstellung... das hat Spaß gemacht. Weiter der Klappentext: "Eine lustvolle Hommage an die Detektivgeschichte"... ja, aber mir persönlich war es zuviel Geschwafel, zuwenig Charakterentwicklung und zu wenig Arbeit am Fall. Sischs 4-Amazon-Sterne-Bewertung kann ich nicht teilen, das wäre übertrieben und steht trotz eines soliden Schreibstils in keiner Relation zu wirklich soliden und "rund" erzählten Geschichten. Ich werde mich wohl so bei 3 Sternen einpendeln. . Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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