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4.0 von 5 Sternen
Skurrile Übergänge zwischen Schein und Wirklichkeit, 13. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Das Puschkinhaus: Roman (Gebundene Ausgabe)
Am Jahrestag der Oktoberrevolution, irgendwann in den 60er-Jahren, liegt der etwa dreißigjährige Literaturwissenschaftler Ljowa Odojewzew offensichtlich tot im völlig verwüsteten Leningrader Puschkinhaus, dem Museum, in dem er während der letzten Jahre gearbeitet hat. Dem Anschein nach hat er sich nach dem Genuss von reichlich Alkohol duelliert.
So beginnt Andrej Bitows Roman "Das Puschkinhaus", und mit dieser Szene endet er auch. Dazwischen liegt die Schilderung von Ljowas Leben, einem im Grunde vergleichsweise faden Intellektuellenleben in der Nachkriegs-Sowjetunion und unter Chruschtschow.
Insgesamt wirkt Ljowas Leben wahrlich nicht spektakulär. Er hat drei Freundinnen, eine, die er will und die ihn nur erhört, wenn sie nichts Besseres vorhat, eine, die ihn begehrt und verehrt und die er nur erhört, wenn er frustriert ist, und eine, mit der er einmal zusammen ist und einmal nicht, je nach ihren Launen. Wie ein böser Geist scheint ihn indes Mitischatjew zu umschweben, ein ehemaliger Schulkamerad, neidisch auf Ljowas Herkunft und Erfolge. Mitischatjew beherrscht und erniedrigt Ljowa, dem es trotz mancher - zumeist halbherziger - Bemühung nicht gelingt, sich von Mitischatjew zu befreien. Daraus resultiert schließlich das Duell in Ljowas angestammter Domäne, dem Puschkinhaus.
Wie bereits erwähnt, böte Ljowas Leben eigentlich wenig Stoff für einen Roman, ginge es nur um eine Biografie. Andrej Bitow aber hat seinen Protagonisten bewusst zu einer Art unauffälligem Mauerblümchen gemacht und lässt die Geschichte um ihn sich mehr und mehr hin zur Fantastik, zum Irrealen wenden. Anlehnungen an Puschkin und weitere Größen der russischen Literatur verleihen dem Roman ein eigenartig zwischen diversen Zeiten und Räumen schwebendes, skurriles Flair, auch lassen sich unschwer Anspielungen auf James Joyce und Franz Kafka erkennen: eine kühne, bisweilen aberwitzig anmutende und doch immer mit leichter Hand nachgezeichnete Reise durch immer fremder erscheinende Dimensionen.
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