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Das Prinzip Verantwortung
 
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Das Prinzip Verantwortung [Gebundene Ausgabe]

Hans Jonas
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Suhrkamp (1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518220055
  • ISBN-13: 978-3518220054
  • Größe und/oder Gewicht: 17,8 x 11,2 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 948.887 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation
OA 1979 Form Sachbuch Bereich Philosophie
»Dass die Verheißung der modernen Technik in Drohung umgeschlagen ist oder diese sich mit jener unlösbar verbunden hat«, ist Jonas’ These, die seit ihrer Begründung 1979 nichts an Aktualität eingebüßt hat. Im Gegenteil! Der Ruf nach einer Ethik für die technologische Zivilisation ist durch die weiter anwachsenden Möglichkeiten menschlicher Welt- und Selbstbemächtigung in Wissenschaft und Technik noch lauter, das Bedürfnis in den vergangenen Jahren noch spürbarer geworden. Und die vollständige Entzifferung des menschlichen Genoms hat es erneut deutlich werden lassen, dass sich der biologisch immer durchsichtiger und zunehmend manipulierbar werdende Mensch moralisch seltsam fragwürdig wird.
Entstehung: Der Schrift, die Jonas nach Jahrzehnten der Lehre in den USA in seiner Muttersprache verfasst hat, gehen zahlreiche Vorarbeiten voran, die sich in Aufsätzen in amerikanischen Fachzeitschriften niedergeschlagen haben. Vervollständigt wird die philosophische Argumentation durch die nachträglich veröffentlichte Studie Macht und Ohn macht der Subjektivität und ergänzt wird sie um praktische Fragen der Anwendung des Prinzips Verantwortung in Wissenschaft und Medizin (Technik, Medizin, Ethik).
Inhalt: Die ungeheure Ausweitung menschlicher Fähigkeiten und Handlungsspielräume macht es für Jonas notwendig, den Rahmen ethischer Überlegungen weiter zu stecken, als dies bislang in der traditionellen Ethik der Fall gewesen ist. Da die Wirkungen des technisch potenzierten Handelns den ganzen Erdball betreffen und die Folgen des biomedizinischen Erkenntniszuwachses die jetzt lebenden Generationen weithin überdauern werden, muss an die Stelle einer Ethik der Nähe und der Gleichzeitigkeit eine Ethik der Ferne treten. Eine solche Ethik begründet die Forderung, so zu handeln, dass die Wirkungen unserer Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden. Das Prinzip Verantwortung mit seinem weiten zeitlichen Horizont tritt damit in Konkurrenz zum utopischen Denken, dem Prinzip Hoffnung (Ernst Bloch), das als einziges bislang das Konzept einer Zukunftsethik entworfen hat, in der die Idee des gesellschaftlich-technischen Fortschritts jedoch alles Gewesene und Gegenwärtige zu einem bloß peripheren Übergangsphänomen macht. Utopien werden fragwürdig, wo moderne Technologie es ermöglicht, aus den literarischen Spielen der Fantasie den Ernst realisierbarer Weltentwürfe zu machen. Jonas plädiert stattdessen für eine »Heuristik der Furcht«. Im Erschrecken vor den künftigen Gefahren, die den Menschen bedrohen, gewinnen wir erst ein wirkliches Verständnis unserer Selbst und dessen, was es zu schützen gilt. Dem Prinzip der Verantwortung eher als dem der Hoffnung zu folgen, bedeutet ferner, den Unheilsprognosen ein größeres Gewicht als den Heilserwartungen beizumessen. In diesem Sinne ist Jonas’ Denken konservativ, eher bewahrend als wagend. Es geht von der wesentlichen Annahme aus, dass das Gewordensein des Menschen durchaus zulänglich ist. Der Mensch harrt nicht erst einer radikalen Verbesserung und Vervollkommnung in einer neuen Gesellschaftsordnung, wie sie der Marxismus durch revolutionäre Praxis heraufzuführen beabsichtigt.
Wirkung: Das Prinzip Verantwortung machte Jonas weit über die Fachgrenzen der Philosophie hinaus bekannt und löste eine lebhafte Ethik-Diskussion über die Folgen des technischen Fortschritts aus. Seither sieht sich jeder Erkenntniszuwachs in den Naturwissenschaften und der Medizin mit der Forderung konfrontiert, kommenden Generationen eine lebenswerte Umwelt zu hinterlassen sowie ihre Freiheit und Würde zu bewahren. Dass Menschen sittlich dürfen, was sie technisch können und gut meinen, bedarf der philosophischen Rechtfertigung. Wie wenige philosophische Bücher der Gegenwart hat Jonas’ Werk eine philosophische Besinnung bewirkt, die für das Leben des modernen Menschen grundlegende Bedeutung besitzt. D. L.

Kurzbeschreibung

Die ungeheure Ausweitung menschlicher Fähigkeiten und Handlungsspielräumemacht es für Jonas notwendig, den Rahmen ethischer Überlegungen weiter zu stecken, als dies bislang in der traditionellen Ethik der Fall gewesen ist. Da die Wirkungen des technisch potenzierten Handelns den ganzen Erdball betreffen und die Folgen des biomedizinischen Erkenntniszuwachses die jetzt lebenden Generationen weithin überdauern werden, muss an die Stelle einer Ethik der Nähe und der Gleichzeitigkeit eine Ethik der Ferne treten. Eine solche Ethik begründet die Forderung, so zu handeln, dass die Wirkungen unserer Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden. Das Prinzip Verantwortung mit seinem weiten zeitlichen Horizont tritt damit in Konkurrenz zum utopischen Denken, dem Prinzip Hoffnung (Ernst Bloch), das als einziges bislang das Konzept einer Zukunftsethik entworfen hat, in der die Idee des gesellschaftlich-technischen Fortschritts jedoch alles Gewesene und Gegenwärtige zu einem bloss peripheren Übergangsphänomen macht. Utopien werden fragwürdig, wo moderne Technologie es ermöglicht, aus den literarischen Spielen der Fantasie den Ernst realisierbarer Weltentwürfe zu machen. Jonas plädiert stattdessen für eine >>Heuristik der Furcht<<. Im Erschrecken vor den künftigen Gefahren, die den Menschen bedrohen, gewinnen wir erst ein wirkliches Verständnis unserer Selbst und dessen, was es zu schützen gilt. Dem Prinzip der Verantwortung eher als dem der Hoffnung zu folgen, bedeutet ferner, den Unheilsprognosen ein grösseres Gewicht als den Heilserwartungen beizumessen. In diesem Sinne ist Jonas' Denken konservativ, eher bewahrend als wagend. Es geht von der wesentlichen Annahme aus, dass das Gewordensein des Menschen durchaus zulänglich ist. Der Mensch harrt nicht erst einer radikalen Verbesserung und Vervollkommnung in einer neuen Gesellschaftsordnung, wie sie der Marxismus durch revolutionäre Praxis heraufzuführen beabsichtigt.

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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Shaun TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
In diesem 1979 erschienenen Hauptwerk des Philosophen und Friedenspreisträgers Hans Jonas geht es um eine Grundlegung der im technischen (und nicht mehr notwendig religiös grundgelegten) Zeitalter geforderten Ethik, die der Autor am Besten mit dem Begriff der „Verantwortung" umreißt.
Nach der Darstellung der Zweck-Lehre wendet er sich im 4. Kapitel der eigentlichen „Theorie der Verantwortung" zu. „Dass es dem Sein um etwas geht, also mindestens um sich selbst, ist das erste, was wir aus der Anwesenheit von Zwecken in ihm über es lernen können..." Aus dem Drang des Lebens zu sich selbst folgert Jonas auch ein Sollen in der sehenden Freiheit des Menschen (anders als das Tier), das Gute (Leben ermöglichende) zu tun, bzw. schuldig zu werden, wenn man es nicht tut. Er wähnt den Menschen aber nicht nur von seiner geistigen, sondern auch von seiner gefühlsmäßigen Seite her der Verantwortung zugetan, wir haben auch ein „Gefühl der Verantwortlichkeit", welches uns erst aktiv macht. Eltern und Staatsmann als wichtige Beispiele für die Übernahme von Verantwortung machen die graue Theorie etwas konkreter: „Das Urbild aller Verantwortung ist die von Menschen für Menschen... Die Ur-Verantwortung der elterlichen Fürsorge hat jeder zuerst an sich selbst erfahren. In diesem Grundparadigma wird die Knüpfung der Verantwortung an Belebtes am überzeugendsten klar... Das nackte ontische Faktum, dass es die Menschheit überhaupt gibt, wir für die darin vorher nicht Befragten zum ontologischen Gebot: dass es sie weiter geben soll." Im letzten Abschnitt dieses Kapitels schreibt er über das Kind als Urgegenstand der Verantwortung: „Man kann auf das Allervertrauteste hinzeigen: das Neugeborene, dessen bloßes Atmen unwidersprechlich ein Soll an die Umwelt richtet, nämlich: sich seiner anzunehmen. Sieh hin und du weißt."
Im folgenden 5. und genauer noch im 6. Kapitel werden die Gefährdungen der heutigen Welt dargestellt, insbesondere die Bedrohtheit durch ein falsch verstandenes Fortschrittsdenken, sei es im Kapitalismus mit Ausbeutung der Naturreserven, sei es aber auch in einer falsch verstandenen Utopie des Marxismus, speziell von Ernst Blochs Ausformung in dessen philosophischem Hauptwerk „Das Prinzip Hoffnung", die eher sogar noch das technologische Fortschrittsdenken um einer vermeintlichen „Befreiung" des Menschen von „entfremdender" Arbeit fördert, indem sie seine Versklavung unter das Diktat der Technik in Kauf nimmt. Jonas rät dringend, von diesem utopischen Ideal Abschied zu nehmen und stattdessen eine nicht-utopische Ethik der Verantwortung zu etablieren, die über den Aufweis einer begründeten Furcht mit ebenso begründeter Hoffnung verantwortlich die Gegenwart gestaltet.
Das Buch ist ein überaus wichtiger Beitrag in einer Welt, in der wir ständig unsere Grenzen weiter stecken wollen, oft zu weit, bedenkt man die noch gar nicht abzusehenden Folgen unseres Handelns zum Beispiel in der Gentechnologie. (10.04.06)
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von M. Thomas TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
"Der endgültig entfesselte Prometheus, dem die Wissenschaft nie gekannte Kräfte und die Wirtschaft den rastlosen Antrieb gibt, ruft nach einer Ethik, die durch freiwillige Zügel seine Macht davor zurückhält, dem Menschen zum Unheil zu werden." Im seinem 1979 vollendeten Werk fordert Hans Jonas einen "tractatus technologico ethicus" für den modernen Menschen und damit eine Abkehr von der traditionellen Moralethik.

Jonas sieht die Menschheit vor zwei Herausforderungen gestellt: Anwendung der Technik auf äußere Einflüsse und auf das menschliche Leben selbst.

Auch die Menschen in den unterentwickelten Ländern haben einen Anspruch auf Wohlstand. Doch angesichts knapper werdender Rohstoffe, steigender Weltbevölkerung, begrenzten Nahrungsmitteln und hohem Energiebedarf wäre es fatal, die Produktion einfach auszudehnen: "Einen solchen vervielfachten Angriff würde die Erde ... wahrscheinlich nicht aushalten." Jonas warnt davor, auf unbekannte Zukunftstechnologien zu vertrauen, die alle Probleme lösen. Stattdessen empfiehlt er eine Umverteilung der Kapazitäten aus den reichen in die armen Länder. Da eine solche Maßnahme unpopulär und im Kapitalismus vielleicht nicht umsetzbar ist, baut seine Hoffnung auf einen reformierten Kommunismus, der staatlich gelenkt die Profitgier einschränkt und den Bedarf den Ressourcen anpasst. Ernst Blochs Utopie, die auf dem Prinzip Hoffnung aufbaut und eine neue Menschheit herbeisehnt, bezeichnet Jonas als falsch, da der "eigentliche Mensch" bereits da ist.

Doch der Mensch wendet die moderne Technik auch auf sich selbst an. Der Traum des Menschen vom ewigen Leben scheint Wirklichkeit zu werden. Gehört aber nicht zum Geborensein auch das Sterbenmüssen, fragt Jonas. Was wäre eine Welt der Intensivstationen ohne Jugend? Aber auch die Themen Genmanipulation und Verhaltenskontrolle (z.B. mittels Medikamente) stimmen nachdenklich und veranlassen Jonas zur Ermahnung: "Wenn denn also die neuartige Natur unseres Handelns eine neu Ethik weittragender Verantwortung verlangt, kommensurabel mit der Tragweite unserer Macht, dann verlangt sie im Namen eben jener Verantwortung auch eine neue Art von Demut - eine Demut nicht wie frühere wegen der Kleinheit, sondern wegen der exzessiven Größe unserer Macht."

Lässt sich das Prinzip der Verantwortung auch philosophisch begründen?

Jonas geht den Spuren der Antike nach. Sophokles preist die Menschheit, die der Natur im zähen Ringen Erfolge abtrotzt. Dennoch ist die Natur das Bleibende und der Mensch das Veränderliche, können alle Erfolge die Allmacht der Natur nicht gefährden. Die Ethik des antiken Menschen war für den Augenblick oder zumindest für die Gegenwart konzipiert, sie galt den lebenden Zeitgenossen.

Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden!

"All dies hat sich entscheidend geändert. Die moderne Technik hat Handlungen von so neuer Größenordnung, mit so neuartigen Objekten und so neuartigen Folgen eingeführt, dass der Rahmen früherer Ethik sie nicht mehr fassen kann", schreibt Jonas. Der Sieg des homo faber über den homo sapiens ermöglicht der Menschheit erstmals in der Geschichte den Untergang nicht nur ihrer Rasse, sondern der gesamten Natur. Die Natur ist unserer Macht unterworfen, sie ist "damit ein menschliches Treugut geworden" und hat "so etwas wie einen moralischen Anspruch an uns". Folgende Aspekte gibt Jonas zu bedenken: Erstens darf unser Handeln nicht singulär betrachtet werden, sondern kollektiv. Zweites nehmen viele Einzelhandlungen in ihrer Gesamtheit globale Ausmaße an und sind nicht umkehrbar - denken wir an die drohende Klimakatastrophe. Jonas formt einen ersten kategorischen Imperativ: "Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden!"

Dass eine Menschheit sei!

Da es ein "weiter so" nicht geben kann, fordert er eine Umkehr der Politik. Sie soll nicht nur unser Wissen, sondern auch unser Nichtwissen einbeziehen und muss "der Unheilsprophezeiung mehr Gehör zu geben ist als der Heilsprophezeiung". Zurückhaltung ist deshalb "das Zweitbeste nach dem Besitz von Weisheit selbst." Pflanzen- und Tierarten kommen und gehen, die Natur mag im Kleinen experimentieren und sich irren, der Mensch hat jedoch nicht das Recht, aufs Ganze zu gehen: "Da ergibt sich als erste Antwort, dass man streng genommen, um nichts wetten darf, was einem nicht gehört." Das Recht der Menschheit auf Leben in einer zukünftigen Welt fasst Jonas im zweiten kategorischen Imperativ: "Dass eine Menschheit sei!"

Soll der Mensch sein?

Auf die ontologische Frage, warum der Mensch sein soll, oder besser formuliert, warum das Ist Vorrang vor dem Nichts haben soll, antwortet Jonas, dass Ist bereits einen Wert haben kann und die Fähigkeit zu Wert selbst ein Wert ist. Folglich erhebt die Möglichkeit auf Wert Anspruch auf Sein.

Den Unterschied von Werten und wertfreien Zwecken oder Zielen untersucht Jonas im dritten Kapitel. Er stellt fest, dass der Sitz von Zwecken nicht in leblosen Dingen, sondern im Menschen oder auch im Tier ist. Selbst wenn der Lebensbeginn zufällig war, ist der menschliche und tierische Zweck "in die physikalische Welt als ein ihr ursprünglich eigenes Prinzip ausgedehnt worden."

Wie lässt sich der Wert aus den Zwecken begründen oder kann Sein Sollen begründen?

Jonas argumentiert wie folgt: Wenn es ein Streben des Menschen nach Glück gibt, dann zeugt dies von einer Selbstbejahung, von der Existenz des Guten: "Das heißt, die bloße Tatsache, dass das Sein nicht indifferent gegen sich selbst ist, macht seine Differenz vom Nichtsein zum Grundwert aller Werte, zum ersten Ja überhaupt."

Was ist das höchste Gut, nach dem wir streben sollen? Worauf zielt die Ethik?

Jonas erklärt, dass die traditionellen Werte wie jüdische Gottesfurcht, platonischer Eros, christliche Liebe, Kantsche Ehrfurcht und Nietzsches Willenslust fehl leiten, da sie auf das Zeitliche zielen. Nur das Gefühl der Verantwortung wird der Faktizität des Gegenstands in seiner Vergänglichkeit, Bedürftigkeit und Unsicherheit gerecht: "Verantwortung ist die Pflicht anerkannter Sorge um ein anderes Sein, die bei Bedrohung seiner Verletzlichkeit zur 'Besorgnis' wird".

Fazit: Das Prinzip Verantwortung ist heute aktueller denn je. Auch wenn Jonas Hoffnung auf einen geläuterten Kommunismus Utopie bleibt, wurden die Probleme der Menschheit in den zurückliegenden 30 Jahren nicht annäherungsweise gelöst. Seine Botschaft von der Verantwortung für die Zukunft haben die Politiker jedoch aufgenommen. Immerhin, ein Silberstreif am Horizont.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Rolf Dobelli HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Darf die Menschheit kollektiven Selbstmord begehen? Dass sie technisch dazu in der Lage ist, darüber bestehen bereits seit Jahrzehnten keine Zweifel. Die Philosophie hatte lange Zeit keine Antwort auf diese und andere Probleme des technologischen Zeitalters. Hans Jonas lieferte in seinem Hauptwerk von 1979 die philosophische Theorie zu den Bedrohungen durch die schier unbegrenzte Macht des Fortschritts. In "Das Prinzip Verantwortung" ruft er nach Zügeln, die die Menschheit von der Zerstörung ihrer selbst abhalten. Jonas zeigt auf, wieso die herkömmliche Ethik angesichts der großen Bedrohungen der Zivilisation nicht mehr hinreichend ist. Er kritisiert die Utopie des Marxismus, der genau wie der Kapitalismus auf der Ausbeutung der Natur beruht und die vergebliche Hoffnung auf einen besseren Menschen nährt. Der Philosoph hält diesem irrigen Wunschglauben das hässliche Bild des schlimmstmöglichen Endes entgegen. Nur durch die Furcht vor der Apokalypse könne die Menschheit zur Vernunft gebracht werden. Statt den Menschen mit Ernst Blochs "Prinzip Hoffnung" untergehen zu sehen, nimmt Jonas ihn mit dem "Prinzip Verantwortung" in die Pflicht. Jonas' Verantwortungsethik legte den Grundstein für eine Debatte um die Zukunft der Welt, die bis heute nichts an Aktualität verloren hat.
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