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Wie kommt es, dass Internet- und High-Tech-Werte die prädigitalen Unternehmensgiganten an den Börsen zunehmend das Fürchten lehren, sprich: dass der tatsächliche Bilanzwert eines Unternehmens als Bewertungskriterium zugunsten eines erwarteten Zukunftspotentials verschwimmt? Oder dass es immer schwieriger wird, zwischen Produkt und Dienstleistung zu unterscheiden -- wie im Falle einer neuen Toyota-Modellstudie (Produkt), deren Fahrersitz den Fahrenden kurz vor dem Sekundenschlaf in den Rücken rempelt (Sicherheitsservice)?
Stan Davis und Christopher Meyer haben solche und andere "Unschärfen" in ihrem Buch Das Prinzip Unschärfe zu einem scharfen Gesamtbild der "new economy" zusammengefasst: Die Autoren zeigen, dass die gegenwärtigen wirtschaftlichen Veränderungen, die einzeln betrachtet oft zufällig erscheinen mögen, längst System haben. Sie sind kleine Schritte auf dem Weg zu einer Wirtschaftslandschaft, in der sämtliche ökonomischen Basisressourcen und Grundbegriffe (Kapital, Unternehmen, Produkte, aber auch die "Ressource Mensch") grundlegend neu definiert werden müssen. So verschwimmen nicht nur die Grenzen zwischen Produkt und Dienstleistung -- auch die Konturen der Unternehmen werden unschärfer. Die klar strukturierte Organisation der Vergangenheit mutiert zum ökonomischen Netz, das den unidirektionalen Charakter traditioneller Lieferketten (Zulieferer -> Abnehmer) aufhebt: Das Netzwerkunternehmen setzt auf Partnerschaften, die auf gegenseitigem Vorteil aufbauen -- die Lieferanten von gestern werden die Kooperationspartner von morgen.
Davis und Meyer bieten eine umfassende Analyse der "new economy", indem sie ihre Beobachtungen zu den Bedeutungsveränderungen der betrieblichen Schlüsselressourcen immer wieder reflektierend in den theoretischen Überbau der Informationswirtschaft einordnen: So kann man sich nach einer Darstellung der vernetzten Organisation unversehens in einem Exkurs wiederfinden, der die steigenden Skalenerträge ebensolcher Unternehmen mit dem selbstverstärkenden Wesen von Netzwerken erklärt -- einem Phänomen, das auch Kevin Kelly in seiner NetEconomy ausführlich darstellt. Die Autoren zeigen eindrucksvoll, wie die vernetzte Wirtschaft auf betrieblicher wie gesamtwirtschaftlicher Ebene zunehmend neue Regeln ökonomischen Handelns aufstellt und - wohl weit bedeutsamer - den Strategieentwicklern der analogen Wirtschaft schleichend die Gestaltungshoheit abnimmt. --Till Kammerer
Über den Autor
Stan Davis ist Unternehmensberater und Research Fellow am Ernst & Young Center for Business Innovation in Cambridge, Massachusetts. Er ist bekannt als Bestsellerautor und Management-Visionär, der wachsende innovative Unternehmen weltweit berät. Für sein Buch "Future Perfect" erhielt er den Tom-Peters-Preis. Christopher Meyer ist Direktor des Ernst & Young Center for Business Innovation. Nach mehr als zwanzigjähriger Erfahrung als Wirtschafts- und Unternehmensberater gilt er heute als Autorität in der Abschätzung der weiteren Entwicklung der digitalen Revolution.