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Das Prinzip Empathie: Was wir von der Natur für eine bessere Gesellschaft lernen können
 
 
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Das Prinzip Empathie: Was wir von der Natur für eine bessere Gesellschaft lernen können [Gebundene Ausgabe]

Frans de Waal , Hainer Kober
3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (7. Februar 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446236570
  • ISBN-13: 978-3446236578
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 15 x 3,3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 26.549 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Ein kluges Buch." Christine Richard, Basler Zeitung, 11.02.11 "Unter den Verhaltensbiologen ist der Primatenforscher Frans de Waal ein Star. Seine Botschaft: Es ist ein großer Fehler, wenn Wirtschaft und Politik immer wieder auf das Recht des Stärkeren pochen." Andrea Six, NZZ am Sonntag, 10.04.11 "Sein Buch ist ein Plädoyer für die Achtung der Menschenwürde." Angela Meder, Naturwissenschaftliche Rundschau, Heft 6, 11

Kurzbeschreibung

Gier ist out, Empathie ist in. In der Natur tobt ein Kampf ums Überleben, in der Evolution herrscht das Recht des Stärkeren. Zumindest, wenn man Darwins Theorie verkürzt betrachtet. Frans de Waal, der große Humanist unter den Verhaltensforschern, widerlegt diese These. Seine Beobachtungen an Hunden, Katzen und Schimpansen zeigen: Offenbar erkennen auch Tiere in ihrem Gegenüber eine verwandte Kreatur und zeigen Empathie und Solidarität. Auf den Menschen übertragen, heißt das: Kooperation gehört zu unserer Grundausstattung. Engagiert und anschaulich erklärt de Waal, warum Stärke allein nichts zählt und was wir von der Natur für eine bessere Gesellschaft lernen können.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
Von Lena Waider TOP 100 REZENSENT
Das Buch trägt den Untertitel: "Was wir von der Natur für eine bessere Gesellschaft lernen können". Meine These dazu wäre: Herzlich wenig, und wenn, dann nichts mit den im Buch verwendeten Mitteln. Denn letztlich verharrt es an den entscheidenden Stellen im Darwinismus.

Frans de Waal hat ein politisches Buch geschrieben. Er bemängelt die Betonung der Konkurrenz speziell in der amerikanischen Gesellschaft (aber auch eine fehlende Leistungsbereitschaft in Europa), bei gleichzeitig fehlender Empathie und Kooperationsbereit, dabei seien dies in der Natur vorfindbare Grundprinzipien. In der Natur herrsche nämlich keineswegs das Recht des Stärkeren vor, wie es noch der Sozialdarwinismus oder sonstige Verkürzungen Darwins glauben machen wollten.

Dies verwundert, denn noch im Jahre 2005 fasste Ernst Mayr die natürliche Selektion in seinem Buch Das ist Evolution mit den folgenden Worten zusammen: "Jede Spezies bringt weitaus mehr Nachkommen hervor, als von einer Generation zur nächsten überleben können. Alle Individuen einer Population unterscheiden sich genetisch voneinander. Sie sind den Widrigkeiten der Umwelt ausgesetzt, und fast alle gehen zu Grunde oder pflanzen sich zumindest nicht fort. Nur wenige - im Durchschnitt zwei Individuen je Elternpaar - überleben und bringen ihrerseits Nachkommen hervor. Diese Überlebenden sind aber keine Zufallsstichprobe aus der Population: Dass sie weiterleben können, haben sie zum Teil bestimmten Eigenschaften zu verdanken, die das Überleben begünstigen."

Was sollte man daran noch verkürzen können? Dass solche Prinzipien nicht auf menschliche Zivilisationen übertragbar sind, dürfte mehr als offenkundig sein.

Die Probleme fangen schon mit den Begriffen der Konkurrenz und dem Recht des Stärken an, die im Darwinismus leider völlig unpräzise verwendet werden. Tatsächlich geht es bei Konkurrenz zunächst einmal um den Wettbewerb um sogenannte knappe Ressourcen. Hierbei ist zwischen zwei grundsätzlich unterschiedlichen Formen der Konkurrenz zu differenzieren, wie die Systemische Evolutionstheorie deutlich gemacht hat:

a) Die verschiedenen Ressourceninteressenten machen die Ressourcenverteilung allein unter sich aus. Ein höherrangiges Recht des aktuellen Ressourceninhabers existiert dabei nicht. Dies nennt man das Recht des Stärkeren.
b) Der aktuelle Ressourceninhaber entscheidet, welcher Ressourceninteressent unter welchen Bedingungen die Ressource erhält. Die Systemische Evolutionstheorie nennt dies das "Recht des Besitzenden" bzw. die Gefallen-wollen-Kommunikation.

Dieser kleine aber feine Unterschied hat gewaltige evolutive Folgewirkungen, wie sich unmittelbar anhand der sexuellen Fortpflanzung zeigen lässt. Beispielsweise folgt die Haremsbildung dem Prinzip a), die sexuelle Selektion dagegen dem Prinzip b). Das Ergebnis von a) sind bullige, ggf. vergewaltigende und sich gegenseitig bekämfende Männchen, das Ergebnis von b) hingegen Männchen, die sich im Bau von Luxusnestern, im Gesang oder im Gefieder gegenseitig zu übertrumpfen versuchen.

Anders gesagt: Das Ergebnis von a) ist Wildnis, das von b) hingegen Kultur und Zivilisation.

Die Darwinsche Lehre kennt solche feinen Unterschiede nicht. Für sie gibt es nur eine Form des Wettbewerbs, nämlich die der Wildnis, d.h. des Rechts des Stärkeren. Und deshalb wird es an der Zeit, endlich das auszusprechen, was eigentlich schon längst auf der Hand liegt: Beim Sozialdarwinismus handelte es sich nicht um eine Verkürzung oder gar Fehlinterpretation der Darwinschen Lehre, sondern um eine simple Anwendung der Theorie auf menschliche Gesellschaften. Der Fehler war nicht deren Verkürzung, sondern Übertragung.

Solange es den Mitgliedern einer Population nicht restlos klar ist, dass man jemandem seine Jagdwaffe, an der er die ganze Woche gefeilt hat, nicht einfach entwenden kann, weil man meint, der Stärkere oder Schlauere zu sein, wird es weder Kultur noch Zivilisation geben. Und solange es jederzeit möglich ist, dass Wildbeuter die Felder derjenigen abernten, die darauf das halbe Jahr gearbeitet haben, wird es auch keine Getreidekultur geben können.

Doch wie kommt es nun zur sog. Empathie? Wenn der Besitz an einer Ressource (wozu auch der Besitz an Leben und Gesundheit zählt) von niemandem mehr infrage gestellt werden kann, dann muss man den aktuellen Ressourceninhaber zu überzeugen (ihm zu gefallen) versuchen, um dennoch in den Besitz der Ressource zu gelangen. Und das wird einem umso besser gelingen, je mehr man sich in ihn hineinversetzen kann, je besser man ihn versteht. Und schon befindet man sich evolutiv auf dem Wege hin zur Empathie.

Mich stört an den Überlegungen Frans de Waals (aber auch an denen vieler anderer), dass sie sich auf einem viel zu hohen Level befinden. Wenn man von Lebensprinzipien spricht, sollte man sich auf die Grundsätze besinnen, etwa auf das Recht des Stärkeren und des Besitzenden.

Ein wenig irritierend empfand ich, dass Frans de Waal manche mit Schimpansen erzielten Ergebnisse ganz anders interpretiert, als dies seine Fachkollegen tun. Beispielsweise heißt es auf S. 17, dass Schimpansen das Eigentum anderer wirklich respektieren. Demgemäß gibt es bei ihnen sowohl Eigentum wie Teilen. Genau das wird aber von Michael Tomasello in Warum wir kooperieren bestritten, indem er darauf hinweist, dass Schimpansen Futter nicht wirklich freiwillig teilen und sie sich zum Essen separieren, um nicht von anderen dominant gestört zu werden. So etwas ist im Grunde überall in der Natur zu beobachten. Beispielsweise müssen Enten die von ihnen erbeutete Nahrung in Sicherheit bringen, wenn sie beim Füttern einen besonders großen Brotkrumen gefangen haben. In menschlichen Gesellschaften würde so etwas als völlig unzivilisiert gelten.

Erstaunlich auch so manch andere berichtete Beobachtung. So behauptet de Waal ausdrücklich, dass Schimpansen "zeigen" würden. Michael Tomasello bestreitet dies jedoch ausdrücklich.

Und schließlich störte es mich, dass der Autor, wenn es denn schon um politische Konsequenzen aus der Arbeit von Biologen geht, alle seine Überlegungen nur auf den Menschen bezieht. Aktuell ist es jedoch so, dass weniger dessen fehlende Kooperationsbereitschaft Probleme macht, als das genaue Gegenteil davon, nämlich die enorme Kooperationsfähigkeit und -bereitschaft des Menschen. Die hat unter anderem einen völlig neuen Systemtypus des Lebens hervorgebracht, und zwar den des menschlichen Superorganismus, wozu auch die gesamte Unternehmenswelt gehört.

Heute konkurrieren weniger Menschen direkt miteinander, sondern in erster Linie Unternehmen untereinander um die verbliebenen knappen Ressourcen. Doch dabei entsteht leider ein Problem: Menschliche Superorganismen setzen sich zwar aus Menschen zusammen, sie sind jedoch keine. Ob sie über die emergente Eigenschaft "Empathie" verfügen, darf stark bezweifelt werden.
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5 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von K. Beck-Ewerhardy TOP 500 REZENSENT
Hier räumt Frans de Waal mit viel Akribieund Einbezug allerlei Forschungsarbeiten aus verschiedenen Gattungsbetrachtungen der Verhaltensbiologie mit einigen grundlegenden Fehllesungen des Darwinismus und des etwas falsch benannten Sozialdarwinismus auf.

Ausgehend von seiner eigenen Königsdisziplin betrachtet er dabei auch Tieraffen, Delfine, Wale, Elefanten, Katzen, Hunde, Mäuse und auch Rabenvögel. Außerdem vollzieht er für sein Publikum die Geschichte des Diskurses über Intelligenz und Empathie bei Tieren nach und auf Grund welcher Versuchsprobleme diese Diskussion überhaupt aufkommen konnte.

Ausgiebig annotiert und mit einem umfänglichen Literaturverzeichnis versehen ein überaus lesenswertes Buch zum Thema, das auch Disziplinen wie Geschichte und Okönomie mit ins Visier nimmt.
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13 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Naja 2. April 2011
Ich widme diese Rezension meinem Lageristen Christian, der von dem Buch über drei Wochen tief beeindruckt seiner täglichen Arbeit nachging.

De Waal hat ein nettes Buch geschrieben, es schadet nicht, man kann es beruhigt lesen. Wissenschaftspopulistisch ist es, ein romantisches Postulat, in den vielen Erfahrungsberichten aus dem Tierreich oft rührend, wenn auch ohne Beweiskraft. Ein Jugendbuch. Ich würde es in der Bibliothek in das Regal der romantischen Dichter stellen, zwischen Heine und Theodor Storm. Wie läßt er seinen Schimmelreiter Hauke Haien so selbstlos in den Wind rufen? Herr, nimm mich, verschon die andern!

Ich werde versuchen, meine Kritik chronologisch zu staffeln. Laienhaft natürlich, aber immerhin ...
Als Charles Darwin 1859 sein Buch über die Entstehung der Arten der schockierten Öffentlichkeit vorstellte und von eben dieser Öffentlichkeit die Evolution auf die plumpe und unzulässige Vereinfachung des Rechts des Stärkeren reduziert wurde, da war es den intelligenteren Zeitgenossen schon klar: So einfach funktioniert die Sache nicht. Und spätestens seit Konrad Lorenz 1973 sein Werk Die Rückseite des Spiegels verfaßt hatte, war es nun auch den weniger Intelligenten bewußt. Also was redet de Waal denn eigentlich? Will er mir allen Ernstes unterjubeln, daß der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank sein Handeln mit Argumenten des ohnehin abwegigen Sozialdarwinismus zu rechtfertigen versucht? Was für ein Schelm de Waal doch sein muß. Also verlassen wir diese Schiene des galoppierenden Blödsinns und wenden uns dem Hauptthema zu: Moral und Empathie. De Waal stellt den Zusammenhang, das gegenseitige Bedingen dieser zwei Begriffe als private Einsicht dar, als ganz neue Erkenntnis, als etwas umwerfend Weltbewegendes geradezu. Durchleuchten wir kurz unter welchen Umständen Moral (dieses vielfältige, dynamische, sich ständig wandelnde Sittengebäude) überhaupt erst Sinn machen kann. Ein einzelner Mensch verbringt sein gesamtes Leben allein auf einer Insel. Nur mit sich und dem Meer. Braucht diese bedauernswerte Kreatur eine Moral? Bedarf er einer definierten Sittlichkeit? Nein, sicher nicht, wozu denn auch. Moral macht erst Sinn in einer Gemeinschaft, einer sozialen Gruppe, einer Gesellschaft. Ob es sich um eine urtümliche Dorfgemeinschaft oder ein Wolfsrudel handelt macht keinen Unterschied. Durchleuchten wir nun weiter, was eine soziale Gemeinschaft ausmacht. Sinn und Ziel so einer Gemeinschaft ist das Kooperieren aller Beteiligten zum gemeinsamen Vorteil. Welcher Sinn sollte sonst greifen? Und ein gemeinschaftliches, konstruktives Kooperieren setzt was voraus? Genau, ein gewisses Einfühlungsvermögen in die anderen, das Übernehmen einer gewissen Verantwortlichkeit für das große Ganze.
Wie schon gesagt , ob Dorfgemeinschaft oder Wolfsrudel macht keinen Unterschied, keinen prinzipiellen, bestenfalls einen graduellen, wenn überhaupt.
Wenn Moral immer an Gemeinschaft, und Gemeinschaft immer an Empathie gebunden ist, dann ist Moral folglich immer an Empathie gebunden - eine Selbstverständlichkeit, eine Wahrheit an Schlichtheit unüberbietbar. Ohne Ebbe keine Flut, ohne Flut keine Ebbe. Meine Nachtmütze weiß das. Wieso und wozu schreibt man darüber ein Buch? Gute Frage, oder?

Machen wir einen belanglosen (leider notwendigen) Exkurs: De Waals tierische Erfahrungsberichte.
Jedes einzelne seiner Beispiele ist geeignet, einem Tränen der Rührung in die Augen zu treiben, aber damit hat es sich dann auch. Wir weinen also kurz, gut, schnäuzen. Jetzt wieder denken.
De Waals Anekdötchen werden durch die Protagonisten selbst mit der unerträglichen Leichtigkeit des Seins widerlegt. So versuchen Elefanten eben nicht nur ihre sterbenden Artgenossen zu füttern, nein, Elefantenmütter versuchen auch regelmäßig ihr Neugeborenes wegen des erlittenen Geburtsschmerzes totzutrampeln. Im Zoo verhindern das die Tierpfleger, in der freien Wildbahn übernehmen die Elefantentanten diese Aufgabe. Wie gesagt, jeder Erfahrungsbericht wird quasi durch sich selbst relativiert. Exkurs Ende.

Mit erstaunlicher Naivität versucht uns de Waal einzuhämmern, was alles so in der Natur eines Lebewesens liegt. Was meint er damit? Wenn etwas in der Natur liegt, dann kann es sich nur um eine genetische Determinierung handeln, um etwas, das auf direktem Wege vererbt wird. Wie beispielsweise der Drang der Lachse, nach einigen wundervollen Jahren im Meer, zum Laichen zurück in das Flüßchen an den präzisen Ort der eigenen Geburt zu schwimmen. Dieses Unterfangen kostet die meisten Fische das Leben, viele sterben schon auf dem Weg, der Rest nach dem Ablaichen an Erschöpfung oder im Rachen der Bären. Warum machen die das, warum das eigene Leben riskieren? Die Antwort ist simpel: Sie können nicht anders. Kein Verhalten ist zwingender als das genetisch determinierte (ich formuliere das mal so, laienhaft). Es ist die Natur der Lachse so zu verfahren. Wäre demnach die Empathie der Natur des Menschen zugehörig, dann wäre mitfühlendes Verhalten unausweichlich, jeder von uns müßte empathisch sein.

Es ist selbstredend nicht so. Ganz und gar nicht. Im Großen nicht, im Kleinen nicht. Wenn Vitali Klitschko seinen Titel verteidigt, dann prügelt dieser sicherlich intelligente, gut sozialisierte und im privaten Leben ohne Zweifel liebevolle, mitfühlende Mann elf Runden auf seinen Gegner ein, nimmt ohne zu Zögern in Kauf, einen Menschen krankenhausreif zu schlagen, nimmt sogar bleibende Schäden oder selbst den Tod billigend in Kauf. Wo ist die in seiner Natur angeblich verankerte Empathie geblieben? Weg isse. Das menschliche ganz normale Leben ist voll von dieser Sache, der Sache der Beliebigkeit des Mitgefühls. Mit der Leichtgängigkeit eines Lichtschalters läßt sich unsere Empathie an- und ausschalten, klick. Jeder weiß das, jeder macht fast täglich diese Erfahrung, nur wenige schämen sich dafür. Ist gut so. Genetisch determiniert kann also Empathie nicht sein, wirklich nicht. Sie könnte allerdings, und ich persönlich denke das, genetisch disponiert sein. Ich meine (laienhaft gedacht und formuliert, wie schon erwähnt) damit, daß die Anlage in der menschlichen Natur vorhanden ist, die Möglichkeit sich empathisch zu verhalten (denn auf das Verhalten kommt es letztlich ja an; meine Empathie muss ein Handeln oder ein Unterlassen nach sich ziehen; sich nur als empathisch zu definieren bringt nichts, gar nichts; Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es, Erich Kästner). Und wie beim Hundewelpen die Anlage, sich parallel zum Hund gleichermaßen auch auf den Menschen zu sozialisieren, in seiner Natur liegt, so muß diese Anlage auf bestimmte Umweltsituationen stoßen, der Welpe muss sich sozialisieren können. Hat unser Welpe in den ersten 16 Lebenswochen keinen angemessenen Kontakt zu Menschen, so verpufft seine Anlage, er wird sich nicht mehr an den Menschen binden, aus und vorbei. So funktioniert das Prinzip Empathie auch. Und selbst wenn sie als Verhaltensmöglichkeit sozialisiert wurde, bleibt doch der Lichtschalter ...

Das volle Ausmaß de Waals populistischen Geschwafels verdeutlicht sich in seiner These, der Weg der Empathie begann vor 200 Millionen Jahren mit dem Brutpflegeverhalten. Jeder Menschenmutter wäre der optimale Umgang mit dem Säugling eingeboren, Empathie in ihrer reinsten Form. Millionen hoffnungslos überforderter Mütter, hilflos dem eigenen Unvermögen, der fehlenden Empathie ausgeliefert, bis hin zur Kindstötung widerlegen de Waals verklärter Evolutionsromantik täglich, stündlich, auf der ganzen Erde.

Ich habe als Jugendlicher eine Zeitlang Buntbarsche im Aquarium gezüchtet, Zebrabuntbarsche, brutpflegende Art. Wie sorgfältig die Barschmama den Laichstein putzte, und später jedem einzelnen Ei mit ihren Flossen frisches Wasser zufächelte, über viele, viele Tage, und wie dann die geschlüpften Barschbabies schutzsuchend immer wieder in ihr Maul flüchteten, die Erinnerung daran rührt mich noch heute ... (schnief).

Aus den Erfahrungen meiner jugendlichen Aquaristik nun allerdings den Schluß zu ziehen, Zebrabarsche verfügten über die Verhaltensmöglichkeiten Altruismus, Empathie und Liebe (ja, de Waal schreibt von Liebe), ist mir leider nicht vergönnt. Nein, Herr de Waal, die Welt ist mit der Hure Empathie nicht zu retten (aber das glauben Sie vermutlich selbst nicht). Wir kommen um die Arbeit des rationalen Handelns nicht herum, viel Arbeit liegt vor uns. Der Weg der Vernunft ist ein ungewisser, steinig und schwer - aber es gibt nur diesen Weg.
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