Mitarbeiter der Unternehmensberatung McKinsey & Company treten im korrekten Business-Stil auf. Das heißt: keine zerknitterten Anzüge von Discountern, keine abgetretenen und schmutzigen Schuhe und keine karierten Krawatten auf gestreiften Hemden. Kein Zufall werden sie auch Pinguine genannt. Dass Königspinguine schon intern verpönt sind, beweist auch dieses Buch. Denn obwohl der Titel seines Verfasser "Director of Visual Communications" lautet, werden seine Mustervorlagen in der Gestalterwelt kaum für Aufregung sorgen. McKinsey-Berater präsentieren eben so, wie sie angezogen sind. Immerhin ist das minimal besser als der Durchschnitt. Und wer sich damit zufrieden gibt, wird auch die 35 Euro für dieses Buch okay finden. Wer diesen Level allerdings schon erreicht hat und beim Präsentieren nicht nur inhaltlich glänzen will, kann sich die Ausgabe sparen.
Die Einführung weckt hohe Erwartungen. Vor allem der Abschnitt "Grundrechte der Zuhörer". Auf drei Seiten fasst der Autor in einfachen Sätzen zusammen, was ein Bühnenheld seinem Publikum schuldig ist. Knapper habe ich solche Anweisungen selten gelesen. Eher bekannt sind dann die folgenden Ausführungen. Denn auf die Fragen "Warum halten Sie Präsentationen? Wen wollen Sie überzeugen? Wie viel Zeit haben Sie? Welches Medium eignet sich am besten?" erhält man die üblichen Antworten, Basics eben. Auch das nächste Kapitel ist nach den Stichworten geordnet, die solchen Ratgebern gewöhnlich eine Struktur geben. Also Botschaft, Inhalt, Einleitung, Schluss, Schaubilder, Metaphern, Kunst, Musik Humor, Animation, Bilder, Publikumseinbezug, Fantasieanreger, Textfoliengestaltung, Lesbarkeit, Storyboard und Vorbereitung. Erwartungsgemäß hält sich die Originalität bei der Gestaltung in engen Grenzen. Im dritten Kapitel steht die Vortragstechnik im Zentrum. Spätestens beim Umfang dieses Teils wird dem Leser klar, dass der Autor den Begriff Präsentationsbuch sehr weit fasst. Denn auf den vierzig Seiten stehen Tipps und Tricks, die man eher in einem Rhetorikbuch sucht. Nur findet man in einer guten Version dieser Gattung mehr Insiderwissen und vor allem mehr Übungsmaterial.
Mein Fazit: Ich würde eher von einem öffentlich gemachten Präsentations-Manual für McKinsey-Mitarbeiter als von einem Standardwerk sprechen. Aber da sich McKinsey & Company auch nach erheblichen Fehltritten noch immer als das Maß aller Dinge sieht, verstehe ich diese Selbsteinschätzung des Autors. Anfänger lernen also mit diesem Buch, wie sie mit ein bisschen Übung den Durchschnittslevel erreichen. Für die Kür braucht es anderes Material.