Helen ist eine junge Malerin. Sie hat noch nicht viel Erfolg gehabt. Das ist ein Grund für sie, ein durchaus zwielichtiges Angebot eines schwerreichen Unternehmers und Kunstsammlers anzunehmen. Sie soll drei Monate lang, so lautet das Engagement, in der Villa des Unternehmers verbringen, um dort sein Porträt zu malen. So weit so gut. Doch die Zusatzklausel hätte Helen stutzig machen sollen. Während dieser ganzen Zeit darf sie laut einem schriftlich abgeschlossenen Vertrag das Haus und das Gelände, auf dem es steht, nicht verlassen.
Zunächst hält sie dies für eine schrullige Besonderheit ihres Auftraggebers, doch je länger sie sich in diesem Haus aufhält, je mehr das Porträt des nur "R" genanten Kunstsammlers Formen annimmt und je mehr Zeit sie mit diesem eigenartigen Mann im Atelier verbringt, desto unwohler wird ihr. Auch das kalte und abweisende Verhalten des Hauspersonals ihr gegenüber trägt nicht gerade dazu bei, dass sie morgens entspannt aufwacht, um an ihre Arbeit zu gehen.
Was anfangs wie ein idyllisches Märchen klang und ihr viel Geld versprach, entpuppt sich als Nightmare und entwickelt sich langsam aber sicher zu einer Katastrophe.
Untergebracht in einem Nebenhaus muss Helen die kärglichen Mahlzeiten allein einnehmen. Jeden Morgen, auf die Minute genau um halb zehn erscheint der Hausherr R, um Helen Porträt zu sitzen und penibel ihre Arbeit zu überwachen.
Während der Malpausen, in denen Helen eine ganze Menge Zeit zum Nachdenken hat, lässt Zoe Jenny Helens Kindheit und Jugend Revue passieren, wohl mit dem einen oder anderen autobiographischen Hinweis.
Zoe Jenny versucht in ihrem neuen Roman mit viel Eifer und noch mehr Worten den Grenzbereich zwischen Kunst und Wahnsinn auszuloten. So wie sie ihre Geschichte mit dem psychopathischen Kunstsammler R, der sich später als ein ehemaliger Maler entpuppt, angelegt hat, hätte sie eine richtig spannende Geschichte daraus machen können. Doch Spannung will nicht wirklich aufkommen, sie reiht inhaltliche und sprachliche Klischees aneinander und enttäuscht am Ende den Rezensenten, der sich bis zur Hälfte des Buches eingelassen hatte auf eine spannende Story aus dem Kunstmilieu, am Ende des Buches jedoch etwas ratlos zurückgelassen sich wähnt.
Nach dem fulminanten Debüt Zoe Jennys im Jahr 1997 ("Das Blütenstaubzimmer") würde man ihr mal wieder eine richtig gutes Buch wünschen. Es steht zu hoffen, dass die Frankfurter Verlagsanstalt sie auch nach diesem eher unterdurchschnittlichen Buch nicht fallen lässt und ihr eine weitere Chance gibt.