Wenn nach Jahren der Stille und Einsamkeit ein einstiger Freund und Kunstkritiker vor der Tür eines Malers steht, kann dieser schon aus der Fassung geraten.
Henry Morris McAlpine erlebt einen solchen Augenblick der Überraschung.
Er war einst ein gefeierter Künstler. Geboren in Schottland, lebte er doch lange in Paris, der Hochburg der Künste um die Jahrhundertwende 1900. Schon vor Jahren hatte er sich auf eine einsame Insel vor der bretonischen Küste zurückgezogen. Er wollte dem Kunstbetrieb mit seiner Unruhe, den Intrigen, üblen Machenschaften und Anfeindungen aus dem Wege gehen.
Nun steht sein einstiger Freund William Nasmyth vor seiner Tür, um sich porträtieren zu lassen.
Er war aber nicht nur Freund, sondern zuletzt auch ein verhasster Kritiker in den Augen von Henry Morris McAlpine.
Henry ist ein gefeierter und erfolgreicher Portraitmaler. In einem langen Monolog erinnert er sich der lebendigen Künstlerszenen während seiner Jahre, die er in Paris verbracht hat. Innerlich bewegen ihn die ehemaligen Kämpfe und Intrigen unter den Künstlern und die guten und intensiven Freundschaften, die er gefunden hatte.
Im Zentrum seiner monologischen Abhandlungen aber stehen die Machtverhältnisse zwischen den Künstlern und Ausstellungsmachern,--und sein Verhältnis zu seinem jetzigen Gegenüber: William Nasmyth!
William besaß Macht und Einfluß dank seiner Kritikertätigkeit, und er nutzte sie, um einzelne Künstler zu vernichten oder in Abhängigkeit zu halten.
Worum aber geht es Henry die ganze Zeit?
Ein unergründliches Geheimnis um Liebe und Verrat schlummert unter der Oberfläche der Begegnung.
Der Leser bleibt gespannt, während er den langen, zuweilen interessanten und amüsanten, teilweise aber auch bitteren Ausführungen Henrys folgt.
Dieses Buch erhebt Anspruch auf Kunstverständnis und erfordert Interesse für alles, was mit dem Kunstbetrieb zu tun hat. Es ist feinsinnig und sprachlich auf hohem Niveau angelegt.
Betrachtungen über Kunstgattungen nehmen breiten Raum ein. Differenzierte Meinungen über Künstler und ihre Ausdrucksformen werden unter den beteiligten Künstlern, Malern und Kennern der Kunstszene ausgetauscht. Sie geben der Erzählung einen anspruchsvollen Stellenwert.
Kunstbetrachtung und menschlich- persönliche Schicksale führen zu einer fortlaufenden Handlung.
Es ist eine schöne Geschichte, die sich um den Kunstbetrieb aufbaut und mit einem spannenden Plot endet.
Man liest die Geschichte mit Genuß und Aufmerksamkeit.
Iain Pears, geb. 1955, ist ein erfolgreicher Kunsthistoriker, Journalist und Berater von internationalen Fernsehsendern, bei denen er hohes Ansehen genießt. Er schrieb eine Reihe von Kriminalromanen aus der Welt der Kunst.