Selbstverständlich ist ein Buch, das neu über 130 Euro kostet, etwas Elitäres. Jede(r) potentielle(r) Käufer(in) muss dessen Wertigkeit für sich selbst ideell und moralisch einschätzen. Aber für eine Summe, von der manche Menschen eine Woche lang leben müssen, gibt es einen Prachtband, der spielend den Beweis führt, dass auch ein Buch durchaus ein sinnliches Vergnügen sein kann.
Das eindrucksvolle Werk "Das Porträt in der Malerei", knapp 400 Seiten stark, über dreieinhalb Kilo schwer, ist eine Anthologie von Porträts, die - chronologisch geordnet - in hochwertigen Abbildungen, zum Teil auch ergänzend in Detailausschnitten, präsentiert werden. Andreas Beyer verfolgt die Geschichte des Porträts von der Antike bis zur abstrakten Malerei. Er hebt manches exemplarische Gemälde heraus, analysiert es und überprüft seine Bedeutung für die Entwicklung des Genres. Alle relevanten Sonderformen, vom Selbstbildnis bis zu den niederländischen Gruppenporträts, werden gesondert besprochen und illustriert.
Elitär ist aber zeitweise leider auch die Ausdrucksweise des Autors, was meiner Meinung nach ein Grundproblem vieler Kunstbände darstellt. Wo ohnehin die Vielfalt der Information Klarheit und Verknappung benötigen würde, treibt das Gelehrten"deutsch" in zeitweise endlosen Sätzen seltsame Blüten. Die Autoren künftiger kunsthistorischer Bildbände werden gebeten, auf ihre Zielgruppe mehr Rücksicht zu nehmen: denn das sind dann wohl hauptsächlich interessierte Laien, die mit der Syntax und den Vokabeln kunsthistorischer Facharbeiten möglicherweise ihre liebe Not haben. So erzählt uns Beyer z.B. in einem Satz von "gefalteten Händen", die "an einen Belehnungsgestus erinnern" (...) und bei denen es sich um eine "himmlische Investitur" handelt - manchmal würde man sich Untertitel wünschen.
Dennoch: man liest sich allmählich frei in diesem Buch, das von Information schier überquillt. Es lädt ein, bei einem Porträt, bei einer Epoche zu verweilen und die Illustrationen zu studieren.
Ein Buch zum Wieder- und Immer-Wieder-Anschauen.