Wolfgang Endres als Entertainer, Autor, Kulturmanager und jetzt als Herausgeber einer neuen Reihe bei BELTZ. Der Mann ist ein Phänomen und sein Hohepriesteramt jedes Jahr in Bad Wörishofen ein Muss für engagierte Lehrerinnen und Lehrer.
Der erste Band behandelt das Thema Portfolio und das erste Zitat führt mitten in das Leben: "Ein Portfolio ist eine Mappe, die schützt, was man schätzt." Aha.
Sie eröffnet aber auch eine neue Welt des Lernens. Der Lehrer wird zum Lernbegleiter und Coach, der Schüler nimmt Teil an der Planung, Umsetzung und Bewertung des Unterrichts. Das Portfolio dokumentiert diesen Prozess für alle Beteiligten: Schüler, Lehrer und Eltern.
Auf 160 Seiten präsentieren die Autoren Thomas Wiedenhorn und Anja Engel in 9 Kapiteln drei Portfoliowege für die Schule:
Das Präsentationsportfolio,
das Lernwegportfolio und
das Bewerbungsportfolio
(alles nichts Neues, aber hier übersichtlich und benutzerfreundlich zusammengestellt).
Zu zweien von ihnen (Lernweg und Bewerbung) gibt es ein Poster, das die einzelnen Schritte horizontal präsentiert und jedem Schüler zeigt, wo er sich gerade befindet.
Die einzelnen Kopiervorlagen im Buch können kostenlos als Word-Dokumente downgeladen werden, damit der Lehrer sie seinen individuellen Unterrichtsanforderungen anpassen kann.
Nicht viel Neues. Aber alles Notwendige ordentlich zusammengesucht und übersichtlich präsentiert.
Zum 420. Mal wird man wieder mit AIDA konfrontiert, der Steinzeit-Marketing-Konzeption, deren Auftreten in einem pädagogischen Werk im Jahr 2008 aber auch ein Indiz dafür ist, wie weit unser Schulsystem noch von der Gegenwart einer leistungsorientierten und selbstbestimmten Gesellschaft entfernt ist. Immer noch kämpft unser Schulsystem mit dem Umstand, dass Lehrer mit einer Ausbildung aus dem frühen 20. Jahrhundert in einem Schulsystem aus dem späten 19. Jahrhundert Schüler aus dem 21. Jahrhundert unterrichten müssen.
Das Buch selbst entspricht in Inhalt, Sprache und Aussehen dem Stand der heutigen Pädagogik. Die Illustrationen aus dem Baukasten, den alle benutzen, der Satz locker und seitenverbrauchend und universell-langweilig. Nichts darf mehr etwas kosten. Alles wird außer Haus gegeben.
Ein solides Preis-Leistungsverhältnis. 19,90 € für ein Werk, das angemessen in das Thema einführt, dem Lehrer ausreichend Material in die Hand gibt und den Stand der Diskussion zusammenfasst.
Die Anbindung an die neuen Medien erfolgt durch die Downloadangebote der Arbeitsblätter und die Nennung einiger (nicht immer überzeugender und recht lückenhafter Internetadressen).
Leider fehlt die bei den Schülern beliebteste Technik: Lern- und Informationssysteme für das Handy, wie sie inzwischen von Duden, Langenscheidt und vielen anderen angeboten werden.
Das soll aber den Wert dieser Materialsammlung nicht schmälern. Der Lehrer bekommt für sein Geld das, was er erwarten kann. Nicht weniger. (Aber auch nicht mehr.)