Obwohl es den berühmten britischen Hammer-Studios 1962 bereits gelungen war, schon anderen totgesagten klassischen Horror-Helden neues Leben einzuhauchen - diesmal in Breitwand und Farbe - bleibt ihre Version von "Das Phantom der Oper" doch hinter dem Klassiker mit Lon Chaney sr. zurück. Hierzulande auch unter dem nichtssagenden Titel "Das Rätsel der unheimlichen Maske" gelaufen, ist sie wohl zu Recht nie ganz so berühmt geworden wie "Dracula" oder "Frankensteins Fluch". Ein Muss für Hammer-Fans ist die DVD natürlich trotzdem! Thorley Walters ist hinreißend als Impresario Latimer, und den sonst auf väterliche Freunde (Batman) und leidgeprüfte Ehemänner (Dracula) abonnierten Michael Gough sehen wir hier - man höre und staune! - als den ignoranten und aufgeblasenen Komponisten Lord Darcy, als Bösewicht...!! Dazu Hammer-Urgestein wie Michael Ripper und Miles Malleson, nur Edward de Souza ist zwar als jugendlicher Liebhaber perfekt besetzt, den Opernintendanten nimmt man ihm aber nicht ab. Herbert Loms originale Stimme wirkt großartig als unheimliches Phantom (wie die deutsche Fassung ausfällt, weiß ich leider nicht). Edwin Estleys Musik ist selbst in den Opern-Szenen erstaunlich gut, wenn auch für eine Opernkomposition manchmal etwas zu simpel. Immerhin: was wir von der modernen Oper "Jeanne d'Arc" hören, zeigt uns zumindest, dass der geheimnisvolle Komponist seiner Zeit weit voraus gewesen sein muss... Fragt sich: was ist denn nun eigentlich schief gegangen? Der originale Plot ist hier teilweise doch eher zu seinen Ungunsten verändert worden. Das Phantom, hier erstmals mit einem Gefährten, hat eigentlich kaum noch etwas zu tun, um Christine Daaé zur Operndiva zu machen: sie ist bereits ausgebildete Sängerin, und um sie zur größten überhaupt zu machen, braucht das Phantom nach eigener Aussage nur noch drei Wodchen. - Moment mal - drei Wochen?! Und das auch noch unter ausgeprägtem seelischen und körperlichen Stress?! Was soll die Arme denn da lernen? Dass Kunst weh tut? - Das Hauptproblem ist das Finale nach einem im Grunde genommen völlig perfekten Beginn. Hat sich das Phantom erst einmal offenbart, verliert der Film gehörig an Spannung: ihm fehlt einfach ein ernstzunehmender Gegenspieler. Haben wir erst einmal begriffen, welches Unrecht man dem armen Phantom antat, wünschen wir ihm seine Rache selber viel zu sehr, als dass sie überhaupt noch bedrohlich wäre. So führt denn auch das Ende nicht ein dramatischer Konflikt herbei, sondern ein völlig dämlicher Zufall. Das ganze Ende wirkt überhastet, wie nachträglich beschnitten, als hoffte man, auf diese Weise den Zuschauer nicht merken zu lassen, dass dem Film etwas Entscheidendes fehlt: der Höhepunkt. Trotzdem, ein würdiger Beitrag zum Phantom-Thema, und wenn die Ausstattung genausogut ist, wie sie das Label schon zu "Draculas Bräute" vorgelegt hat, ein absolutes Muss für Hammer-Fans!