Armer Dario Argento. Ständig wird er an seinen alten Meisterwerken gemessen (die ja -ehrlich gesagt- auch nicht so perfekt waren) und von allen Kritikern zerrissen (von der FSK wollen wir gar nicht anfangen). Dabei ist dieser Film nun wirklich mal gelungen, man darf nur keinen herkömmlichen Horrorfilm, Giallo oder ein Drama erwarten, sondern sollte den Film als Horror-Groteske sehen, also eher "Delicatessen" als eine Neuauflage von "Opera". Das Acting hier ist nicht schlecht, sondern einfach nur bis in die Nebenrollen hinein opernhaft übersteigert: die dicke Diva mit ihrem dünnen devoten Diener, der Rattenfänger mit seinem Rattenmobil (Großartig!), die vorlaute, neidische Zofe, der Pädophile bei den kleinen Ballerinas, die Waschfrau und ihr Geliebter, die Dichter im Badehaus, der unglücklich Verliebte, der sich mit Opium tröstet usw... Dazu ein verwunschener Protagonist ohne äußere Verunstaltung, was der Figur ihren eindimensionalen Charakter nimmt. Dieser Schönling könnte sich mit seinen Fähigkeiten und seinem Geld leicht in die Gesellschaft einschmeicheln und sie von innen auseinandernehmen, aber er bleibt lieber bei seinen Ratten,obwohl er in einer Szene davon spricht, die ganze Welt erobern zu wollen. Doch dann tötet er fast nur, um sich und sein Reich (oder eine kleine Ballerina) zu verteidigen. Argento liefert hier eine opulente Inszenierung mit detailfreudiger Ausstattung, voll kostümierten Massenszenen und satten Farben in perfekter, weitgehend natürlicher Ausleuchtung. Dieser Film gehört zu den amüsantesten und gelungensten Produktionen, die er in den letzten 20 Jahren abgeliefert hat. Natürlich könnte man über die Logik der einen oder anderen Szene diskutieren oder sich beschweren, dass dem Film gegen Ende etwas die Luft ausgeht, aber alles in allem hat er mir ausgesprochen gut gefallen. Oper ist eh Musik für Irre, und dieser Film ist irre amüsant.