Aus der Amazon.de-Redaktion
Regisseur Joel Schumacher ist kein Fremder in Sachen visuelles Spektakel, und er scheint in Lloyd Webbers aufgeblasener Version von Gaston LeRoux gotischer Schauerromanze ein passendes Gegenstück gefunden zu haben. Seine Schwäche liegt im Zwischenschnitt auf zu viele Publikumsreaktionen und zu vielen Szenen des lauernden Phantoms, aber sobald er ruhiger wird und Rossum alleine auf einem stillen Friedhof 'Wishing Your Were Somehow Here Again' singen lässt, ist dies großartig.
Jene, die Musicals sowieso als hohl und aufgeblasen betrachten, werden sicherlich aufgrund des Films ihre Meinung nicht ändern, und echte Fans werden dem Film immer vorwerfen, dass die Fertigstellung beinahe zwei Jahrzehnte gedauert hat und daher verhinderte, dass die Originaldarsteller Michael Crawford und Sarah Brightman eingesetzt werden konnten. Dennoch stellt Phantom der Oper eine willkommene Ausnahme innerhalb der langen Reihe von missglückten Broadway-Verfilmungen dar. --David Horiuchi
Movieman.de
Moviemans Kommentar zur DVD: endlich eine schöne Veröffentlichung in hoher Qualität und mit schönen Extras. Warum nicht gleich so?
Bild: Sehr schön ist die schwarzweiße Eingangssequenz, die künstlich so verfremdet wurde, dass sie wirkt, als hätte man es hier tatsächlich mit einem Film aus den 30er oder 40er Jahren zu tun. Doch nicht nur das, der ganze Film erstrahlt in herrlichsten Farben. Die Welt der Oper mit den großartigen Kostümen, den Bouquets und den Bühnenbildern sucht ihresgleichen. Visuell ein Fest ist die Farbpalette extrem üppig und vibriert vor Leben. Die Sättigung ist hervorragend, Primärfarben leuchten in verschiedenen Nuancen und Hauttöne sind absolut realistisch (01:20:17). Rauschen ist praktisch nicht vorhanden (abgesehen von der anfänglichen Schwarzweißsequenz, dort aber natürlich gewollt). Nichtsdestotrotz ist die Schärfe hoch, was besonders auch für die vielen Totalen gilt, die weitaus häufiger anzutreffen sind als die eher seltenen Nahaufnahmen eines Gesichts. In diesen Momenten findet sich auch eine schöne, einladende Tiefe und Detailfreudigkeit. Der Kontrast ist hochwertig, die Kompression arbeitet fein, nur ganz, ganz selten kann man leichte Halos erkennen, das aber auch nur, wenn man den Film auf einem Beamer ansieht oder ihn aufzoomt (00:50:25). Das ist jedoch ein Makel, der so marginal ist, dass man ihn im Grunde nicht mal erwähnen müsste.
Ton: Audiotechnisch betrachtet, kann diese DVD sowohl im Deutschen wie auch im Englischen punkten. Die Sprachverständlichkeit ist hoch, Störungen oder Verzerrungen, Knacksen oder gar Rauschen gibt es nicht. Besonders herausragend ist aber der räumliche Eindruck, der durch die fast konstant vorhandene Musik noch forciert wird. Es gibt kaum einen Moment, in dem die Lautsprecher schweigen. Doch nicht nur das, auch an Effekten fehlt es nicht. Diese werden zwar etwas spärlicher eingesetzt, wirken aber immer, wenn sie präsent sind. Die Musik ist es jedoch, die hier wahre Wunder vollbringt. Die Front ist konstant lebendig, die Dynamik ist hoch und auch die Direktionalität kann sich sehen lassen. Die vorhandenen 5.1-Tonspuren sind praktisch gleichwertig, der DTS-Sound klingt noch ein klein wenig voller.
Extras: Nachdem die erste Veröffentlichung von Concorde in Sachen Extras ein schlechter Witz war, wird es mit dieser Special Edition umso besser. Auf zwei DVDs gibt es reichlich an interessantem und hochwertigen, aber auch schönem Bonus. Auf der zweiten DVD finden sich ein gut 45 Minuten langes Making of, das in drei Teile zerstückelt ist, aber auch im Ganzen betrachtet werden kann. Hier wird der Anfang der Verfilmung noch einmal verfolgt, wobei Andrew Lloyd Webber auch erklärt, warum er Joel Schumacher als Regisseur favorisiert. Die technischen Aspekte kommen hier auch nicht zu kurz und es wird gezeigt, wie einige Cast-Mitglieder ihre Songs aufnehmen. Eine entfallene Szene ist vorhanden, die mit gut zwei Minuten etwas kurz ist und das Phantom im Keller der Oper singend zeigt. Außerdem gibt es mehrere Featurettes, die sich mit bestimmten Aspekten der Produktion wie etwa dem Schnitt beschäftigen und einiges an Informationen bieten können. Die dritte DVD konzentriert sich mehr auf das Musical. In einer gut einstündigen Dokumentation wird die Geschichte des Stoffes erzählt, von den Anfängen mit dem Roman von Gaston Leroux über den Stummfilm mit Lon Chaney und das Musical. Ein schöner Überblick, der sowohl harten Fans wie auch Neueinsteigern einiges bringen sollte. Dazu gibt es eine weitere Featurette, die sich mit dem Musical beschäftigt und Webbers Musik analysiert. Sehr schön sind die Promotion-Sings aus dem Bühnenstück, bei dem man Sarah Brightman hören kann. Überhaupt ist es eine feine Sache, dass hier einiges aus dem Bühnenstück geboten wird. Das lässt zwar im Vergleich den Film ein bisschen schlechter dastehen, ist aber eine echte Bereicherung. --movieman.de
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Blickpunkt: Film
Kontakt zu den Gefühlen ist entscheidend bei einem solchen Stoff, der gefährdet ist, vom Prunk der Ausstattung erdrückt zu werden. So kommt der Kamera, die Regisseur Joel Schumacher agil über das Opernset gleiten lässt, große Bedeutung zu. Denn sie zeigt Nuancen, die keine Bühne leisten kann, macht sichtbar, was im Theater jenseits der Frontreihen nur erahnt werden kann. Die Veränderungen gegenüber der Vorlage sind minimal. So sieht man jetzt in einem Rückblick das frühe Leiden des Phantoms und in einem sinnvollen Epilog ein Symbol für seine den Tod transzendierende Liebe. Wie das Musical beginnt der Film mit einer Auktion, in der Gegenstände der längst vom Staub der Zeit begrabenen Pariser Oper versteigert werden. Als der berühmte Kronleuchter zum Verkauf kommt, wird eine vergangene Welt eindrucksvoll wiedererweckt, reist man zurück ins Jahr 1881. Gerade hat die Pariser Oper zwei neue Direktoren erhalten, die als clowneskes Duo Kontrast zu den düsteren Vorgängen bieten. Unterstützt vom jungen Mäzen, dem Grafen Raoul de Chagny (Newcomer Patrick Wilson), verstehen sich die Neulinge als künstlerische Leiter des Hauses. Tatsächlich aber hält das geheimnisvolle Phantom, das unentdeckt in den Katakomben unterhalb der Oper sein Reich der Finsternis geschaffen hat, die Fäden in der Hand. Bedroht Mitarbeiter, sabotiert Vorführungen und erreicht schließlich, dass zur Premiere einer neuen Inszenierung nicht Haus-Diva La Carlotta (die Britin Minnie Driver als Karikatur einer uritalienischen Furie), sondern das junge Chormädchen Christine die Hauptrolle spielen darf. Christines 'Think of me' ist eine überzeugende Initiation, erobert den Zuschauer des Films wie auch den Geist der Oper. Mit glasklarer filigraner Sopranstimme führt sich Emmy Rossum - äußerlich ein Jennifer-Love-Hewitt-Typ, gesanglich eine Reminiszenz an Shirley Jones, Hollywoods Musicalstar der Fifties - zauberhaft ein, bewältigt auch die emotionalen Anforderungen dieser Schlüsselrolle und lässt Sara Brightmans nasale Knödelarien aus den Achtzigern völlig vergessen. Nach dieser Eröffnung hat Christine einen alten und neuen Bewunderer - das Phantom, das sie ins Zentrum seiner gequälten Seele zu ziehen versucht, und Raoul, der sie als Jugendliebe wiedererkennt. Zwischen diesen Polen, zwischen Dunkelheit und Licht, Leidenschaft und Blässe, wird Christine hin- und hergerissen. Das Phantom (Gerard Butler, Lara Crofts Ex in 'Tomb Raider 2') lockt die Unschuld in seine Grotte, vorbei an Gängen mit belebten Leuchten (Jean Cocteau), verführt sie mit 'Music of the Night', lässt sie aber in ihre Welt zurück, als sie ihm die Maske vom Gesicht zieht. Fortan ist das Phantom, im Grad seiner Entstellung ein monster light, Christines Schatten und reagiert mit Gewalt, als sich seine Hoffnungen nicht erfüllen. Alle Hits des Musicals, darunter der Titelsong und 'Point of no return', finden sich auch in dieser Verfilmung. Sicher sind die Webberharmonien, die sich leicht variiert durch alle seine Erfolge ziehen, nicht jedermanns Geschmack, wie auch der atmosphärisch-musikalische Bombast. Auch wäre eine um ein paar Nummern entschlackte Version vorstellbar, damit der Film, konzentriert auf das Wesentliche, das Tempo forcieren kann. Trotzdem ist 'Das Phantom der Oper' eine überzeugende Adaption, loyal gegenüber der Vorlage und ihren Fans, und dabei vor allem in der Schlusssequenz von solcher Leidenschaft erfüllt, dass Infizierte beginnen werden, Arien zu schmettern, wenn auf der Leinwand alles verstummt. kob.