Nachdem meine VHS-Kaufkassette nun doch schon ziemlich abgedudelt war, habe ich mir nun mit großer Freude die doch erst sehr spät erschienene DVD gekauft.
Diese Verfilmung mit Charles Dance als Phantom und Burt Lancaster als Carrière ist die schönste Version der uralten Geschichte des Phantoms der Oper, wenn sie auch mitunter frappierend von Gaston Leroux'Romanvorlage abweicht. So ist von der Handlung im Roman eigentlich nicht viel mehr als das Gerüst der Liebesgeschichte Christine / Raoul (der hier übrigens Philippe heißt) / Phantom übrig geblieben.
Charles Dance gelingt es in seiner Darstellung als Phantom, der Rolle einige neue Züge abzugewinnen, sein Erik ist nicht nur ein Freak und rasender Maniac, sondern hat auch seine zärtlichen und liebevollen Seiten und ist mitunter auch ein sehr witziger Zyniker. Im Gegensatz zu Schumachers Musicalverfilmung, in der das Phantom ziemlich schnell vom zärtlichen Liebenden zum rasenden Irren wird, der seine Christine einfach nur besitzen will, nimmt man Charles Dance wirklich ab, daß sein Phantom Christine liebt und - wenn auch ziemlich spät - einsieht, daß er sie gehen lassen muß, um ihr Leben nicht zu zerstören.
Teri Polo als Christine wirkt mitunter ein wenig blass, dennoch nimmt man ihr durchaus die Wandlung vom kleinen, unscheinbaren Hascherl zur selbstbewußten jungen Frau ab, die sich gegen ihren Mentor aufzulehnen beginnt, obwohl sie weiß, daß der sie abgöttisch liebt.
Brut Lancaster als scheidender Operndirektor und Charles Dance als Phantom spielen sich mitunter genüßlich die Bälle zu und haben einige der besten Dialoge des ganzen Films. Über seine darstellerischen Leistungen brauche ich wohl kein Wort mehr zu verlieren; Burt Lancaster war nicht zu Unrecht einer der ganz Großen in Hollywood.
Der eigentliche Star dieses Films ist jedoch die Pariser Oper, in der -sozusagen an Originalschauplätzen- gedreht wurde. Abgesehen von dem häßlichen Deckengemälde Marc Chagalls (jawoll!) verleiht dieser wunderbare Ort dem Film eine herrliche Atmospähre und eine Authentizität, wie sie wohl im nachgebauten Studio nicht zu erreichen gewesen wäre (vgl. auch hier die Musicalverfilmung).
Die Musikauswahl des Films ist ebenfalls als durch die Bank weg gelungen zu betrachten. Die Betonung der Oper "Faust" führt den Film wieder ein wenig näher an seine literarische Vorlage heran, in dem "Faust" von Gounod ja auch eine wichtige Rolle spielt. Aber auch die für den Film komponierte Musik ist sehr schön und fügt sich sehr gut in die Handlung ein.
Leider hat dieser Film aber auch einige Schwachstellen, so nerven mitunter die Szenen mit Ian Richardson als neuem Operndirektor Cholet, der zwar wunderbar rüberbringt, daß er eigentlich keine Ahnung von Oper hat, aber seine Figur als Comic Relief wirkt doch leider ein wenig klamaukig. Auch Andrea Ferréol als Carlotta ist zwar eine wunderbare Intrigantin, als Wahnsinnige nervt sie leider nur. Adam Storke als Raoul/Philippe ist leider zu schön, um so etwas wie Charisma zu entwickeln, so daß man sich schon fragt, was Christine eigentlich an diesem gelackten Schnösel findet. Auch seine Wandlung vom Filou zum treuen Liebhaber Christines wirkt leider nicht wirklich glaubhaft, vielleicht hätte man dem Charakter einfach ein wenig mehr Raum zur Darstellung und Entfaltung geben müssen. Die Rückblenden im Weichzeichner über die Liebesgeschichte von Eriks Eltern wirkt eher wie aus einem Davis Hamilton-Film, hier hätte ein wenig Dramatik und Leidenschaft durchaus sein dürfen, womit der Film ja sonst nicht geizt.
Das Bonusmaterial fällt leider sehr dürftig aus (lediglich ein paar Texttafeln), da es sich hier aber auch um eine TV-Produktion handelt, darf man vielleicht auch nicht allzu viel verlangen.
Dennoch ist diese Phantom-Verfilmung mehr als sehenswert und sicherlich ein Muss für jeden Fan.