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Das Pfand: Roman aus dem Libanon
 
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Das Pfand: Roman aus dem Libanon [Gebundene Ausgabe]

Emily Nasrallah
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 190 Seiten
  • Verlag: Lenos (1996)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3857872527
  • ISBN-13: 978-3857872525
  • Größe und/oder Gewicht: 20,1 x 12 x 2,5 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 785.714 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Des Mannes Kreatur

Emily Nasrallahs Roman «Das Pfand»

Von der 1931 in Südlibanon geborenen Journalistin und Schriftstellerin Emily Nasrallah waren bisher zwei Romane in deutscher Übersetzung zugänglich: ihr 1962 erschienener literarischer Erstling «Septembervögel» und «Flug gegen die Zeit» aus dem Jahr 1981. Beide Werke kreisen um die Themen, die Emily Nasrallahs gesamte literarische Arbeit prägen: Libanon und seine Menschen, den Zwiespalt zwischen Stadt und Land, zwischen dem Drang in die Ferne und der emotionalen Bindung an Heimat und Tradition, und die Frage nach den Lebensmöglichkeiten von Frauen in einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft. «Das Pfand» – im Original 1974 erschienen und nun auch auf deutsch übersetzt – ist wiederum eine Auseinandersetzung mit der Situation von Frauen, weist aber viel stärker als Emily Nasrallahs sonstige Texte über das spezifisch Libanesische hinaus. «Das Pfand» ist der Roman einer «Besessenheit», und das ist in diesem Fall durchaus wörtlich zu verstehen. Die Hauptfigur, die junge Ranja al-Hajj, gehört nicht sich selbst; sie ist «Besitz» des mächtigen Grundherrn Nimrod: Als Gegenleistung dafür, dass er ihren Eltern Haus, Hof und Weinberg überschrieben hat, ist sie ihm seit dem Tag ihrer Geburt als zukünftige Ehefrau versprochen. Seine Macht über sie hinter liebevoller Zuwendung verbergend, wacht Nimrod eifersüchtig über das Heranwachsen des Mädchens. Nichts unterlässt er, um Ranja nach seinen Vorstellungen zu formen, sie zu seinem Geschöpf, der idealen Frau seiner Träume, zu machen und an sich zu binden. So ist «die das Leben Sehende» – das ist die eigentliche Bedeutung von Ranjas Namen – in ihrer ganzen Existenz fremdbestimmt, ihr Blick auf die Welt vom Willen eines anderen gelenkt. Ist Flucht aus einer solchen totalen Abhängigkeit überhaupt möglich? Als Ranja zum Studium nach Beirut geschickt wird (denn schliesslich will Nimrod als gebildeter Mann auch eine gebildete Frau), kommt der Moment, es zu versuchen. Doch ob die Sehnsucht nach Freiheit wirklich stärker ist als die nach Unterwerfung und Abhängigkeit, bleibt bis zum Schluss fraglich.

Der gebrochenen Identität Ranjas entspricht die Anlage des Romans als Verkettung ineinandergreifender Stimmen. Es ist Sihâm, Ranjas Freundin – und als erfolgreiche Frau aus der Stadt wohl auch ihr Gegenbild –, die Nimrods und Ranjas Geschichte zu rekonstruieren versucht. Ihr hat Ranja zu Beginn des Romans ihre ungeordneten autobiographischen Notizen überlassen. Mit diesen bruchstückhaften Texten vermischen sich nun Sihâms eigene Erinnerungen an die verschwundene Freundin; ihre Fragen, Gedanken und Kommentare zum Gelesenen treten in Dialog mit Ranjas Texten, und diese wiederum bestehen aus dem inneren Dialog einander widersprechender Stimmen, die von Ranjas Zerrissenheit zeugen. Die Figur des Nimrod erscheint in dieser Art der Darstellung allerdings merkwürdig schemenhaft, das immer wieder beschworene «Dämonische» an ihm bleibt blosse Behauptung; die Mechanismen, mit welchen er, dieser «Schöpfer» und «Sämann», Ranja herangezogen, sie in seinem «Reagenzglas» und seinem «Labor» geformt, ihr wie «einem glänzenden Bogen Papier» seinen Text eingeschrieben hat, treten kaum je konkret fassbar hinter all der aufgewendeten Metaphorik hervor.

«Das Pfand» ist kein Beitrag zur vieldiskutierten Frage nach der Stellung der Frau im Islam. Emily Nasrallah stammt selber aus einer christlichen Familie; ihr Roman spielt deutlich erkennbar in einem christlichen Kontext. Ebenso klar erkennbar ist der Schauplatz des Romans ein libanesischer; und doch hatte die Autorin eindeutig mehr als «nur» eine libanesische Geschichte im Sinn: den Versuch, schicksalhafte weibliche Abhängigkeit ins Mythische zu überhöhen. Schon der Name ihrer männlichen Hauptfigur ist kein Zufall: Der biblische Nimrod erscheint in der jüdischen und islamischen Legende als kindermordender und weltbeherrschender König, ja als Inbegriff des Tyrannen. Bei Nasrallah steht er zunächst einmal für den männlichen Herrschaftsanspruch über die Frau. Aber er lässt sich darüber hinaus sicher auch deuten als Sinnbild für die Macht von Vergangenheit und Tradition, von klaren Rollen und überkommenen Zugehörigkeiten, die ihre verführerische Wirkung nicht nur in nahöstlichen Gesellschaften – wenn auch dort im Moment in besonderem Masse – und nicht nur auf Frauen ausüben.

Priska Furrer

Kurzbeschreibung

Der Roman erzählt - abwechslungsweise aus der Sicht der Hauptfigur und derjenigen ihrer Studienfreundin - die Geschichte Ranjas, einer jungen Frau, die in behüteten Verhältnissen als einzige Tochter eines Pächterehepaars auf dem Land aufwächst. Regelmäßig erhält die Familie Besuch von "Onkel" Nimrod, einem reichen, gebildeten älteren Mann, den Ranja bewundert und dem ihre Eltern mit großem Respekt begegnen. Was Ranja nicht weiß: Bei der Geburt haben ihre Eltern sie verpfändet, das heißt Nimrod, dem mächtigen Grundbesitzer, versprochen und dafür Haus und Hof als Besitz erhalten...

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Gefangen im goldenen Käfig 30. September 2002
Die unterschiedlichen Erzählperspektiven sind raffiniert, aber nicht immer auf Anhieb verständlich. Die Tatsache, dass Ranja bereits vor ihrer Geburt dem wohlhabenden Nimrod versprochen ist, erschreckt zunächst, scheint dann aber vielleicht doch nicht so schlimm, da Nimrod, soweit das seine Eifersucht zulässt, sympathisch und verständnisvoll ist. Zum Glück spielt der Roman in christlichem Umfeld, für einmal gibt es keinen Grund, die Stellung der Frau im Islam zu kritisieren! Mit andern Worten: kann die Armut auch Christen dazu bringen, ihre Tochter zu verkaufen? Man gönnt der Protagonistin die kurze Flucht in die Freiheit, aber so, wie sie aufgewachsen ist, ist sie wahrscheinlich gar nicht fähig, die Freiheit zu leben.
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