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Das Parlament der Dinge: Für eine politische Ökologie (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
 
 
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Das Parlament der Dinge: Für eine politische Ökologie (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) [Taschenbuch]

Bruno Latour , Gustav Roßler
2.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 364 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (7. Dezember 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518295543
  • ISBN-13: 978-3518295540
  • Größe und/oder Gewicht: 17,6 x 10,8 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 153.813 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Bruno Latour
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

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Leben im Grosslabor

Bruno Latour lädt ein ins «Parlament der Dinge»

Man stelle sich vor: Zur Konferenz der Tiere wären nicht nur Elefant und Löwe, Giraffe und Kamel, Eisbär und Maus erschienen, sondern auch Spulwürmer, Tuberkelbazillen, Viren und Prionen. Es hätten sich, weiterhin, nicht nur Tiere versammelt, sondern auch Pflanzen und ganze Vegetationen wie der Regenwald, vielleicht auch die eine oder andere Mülldeponie. Eingefunden hätten sich überdies Flüsse, begradigte und ungestüm fliessende, mancher Wirbelsturm, das Ozonloch und ein Pulsar; ausserdem: Maschinen, Apparaturen, Laboratorien. Und wo Artefakte wären, könnten auch Menschen nicht weit sein: Fabrikanten, Wissenschafter, Politiker, Ingenieure und Konsumenten, Autofahrer und Fussgänger sowie, nicht zu vergessen, tote Autofahrer und tote Fussgänger. Das also stelle man sich vor, und man gelangte von der Konferenz der Tiere zur Assoziation von menschlichen und nichtmenschlichen Wesen, von Erich Kästner zu Bruno Latour, von einem bewährten deutschen Kinderbuch zu einem gewöhnungsbedürftigen französischen Werk der politischen Ökologie und ihrer Rehabilitierung. Der französische Wissenschaftssoziologe Bruno Latour macht sich mehr und mehr einen Namen auch ausserhalb seiner (mit kühnen Thesen übrigens nicht knausernden) Zunft – eben weil seine Schriften Gewohntes und Selbstverständliches in Zweifel ziehen und dabei zuweilen auch etwas von der Zauberkraft verströmen, die gemeinhin von Kindergeschichten, Märchen und Fabeln auszugehen pflegt. Streitsachen Fabulös scheint die Versammlung wirklich zu sein, die Latour einberuft – richtiger: deren Verhandlungen er, als «Redaktionssekretär», protokolliert. Im «Parlament der Dinge», das die deutsche Übersetzung im Titel führt, kommen Dinge freilich nur zusammen, wenn man darunter «Streitsachen» versteht, wie im germanischen «thing» noch anvisiert, dem Ausdruck für die Versammlung freier und Gericht haltender Männer. Strittig ist im neuen Parlament nicht weniger als – alles: Es geht um die gemeinsame Welt und darum, wie sie sich zusammensetze. Die Welt ist alles, was in diesem Parlament zur Sprache und dabei nicht zu Fall gebracht, was vielmehr im Laufe der Verhandlungen zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Entitäten in das ökologische Gemeinwesen aufgenommen wird. Und was und wer von der «ordnenden Gewalt» doch als unbeachtlich ausgeschieden wird – so etwas ist unvermeidlich –, hat das Recht auf erneuten Einlass – nicht durch die Hintertür, sondern durch das Hauptportal, wo die «einbeziehende Gewalt» die vorübergehend Verstossenen empfängt, um für deren Anliegen Verbündete und Fürsprecher zu finden. Die Nebenkosten, hiesse dies im ökonomischen Idiom, könnten nicht länger heimlich, still und leise «externalisiert» werden. Die Hekatomben von Verkehrstoten etwa, die alljährlich zur Selbstfeier der Automobilität geopfert werden, erschienen immer und immer wieder im Plenarsaal . . . Das Zweikammersystem der neuen Weltordnung soll eine alte, gleichfalls duale Verfassung ersetzen, die Latour für unheilvoll hält. Bei dieser handelt es sich offenkundig nicht um die des demokratischen Rechtsstaats. Im Gegenteil: Das parlamentarisch-demokratische System der Repräsentation soll ausgeweitet, es soll – zumindest im Selbstverständnis der Akteure – zur Form eines Kollektivs werden, dem, wie angedeutet, potenziell alle Wesen angehören. «Wesen» wären Mischwesen. Die Menschen wären nicht mehr unter sich, die Dinge nicht mehr an sich. In Kästners schöner Geschichte tagen Mensch und Tier noch getrennt; und nach ihrer erfolgreichen humanitären Intervention zur Rettung der Menschenkinder – die Staatshäupter der Erde werden zum ewigen Frieden genötigt, zur Abschaffung des Militärs, der Ländergrenzen und der «Mordwissenschaften» – ziehen sich die wundersam friedvollen Tiere wieder zurück in ihre angestammten Gebiete, in die Natur also. Ein Latour'sches Kollektiv aber schlösse die Natur ein. Genauer: Es wäre weder nur Gesellschaft noch nur Natur. In ihm wäre diese Unterscheidung ausser Kraft gesetzt. Sie nämlich dient, wenn man Latour Glauben schenkt, der alten, wenig erspriesslichen Weltordnung zur Geschäftsgrundlage. Mit dem platonischen Höhlengleichnis sieht der Autor sie ins Bild gesetzt. Mythos, Gegenmythos Seine Interpretation des Mythos geht etwa so: Der noch Unwissende verlässt die Höhle, in der die Menschen, gefesselt, sitzen und nur die Schatten der Dinge wahrzunehmen vermögen. Draussen gehen ihm die Augen auf, er erblickt im Licht der ewigen Ideen die nicht von Menschenhand geschaffenen Gesetze der Natur. Nun kehrt er, als Wissender (alias Wissenschafter), in die Höhle zurück und beendet das Geschwätz der Unwissenden – mit dem Verweis auf die «draussen» geltenden objektiven Gesetze. Zweierlei wäre damit erreicht: Die «objektive» Welt der Naturgesetze wäre von der «subjektiven» Menschenwelt, der Sphäre der Meinungen und Begierden, getrennt; und die Wissenden, die einzigen, die zwischen beiden Sphären wechseln können, hätten sich als Experten eine unbestreitbare Autorität erworben. Der antike Mythos erzählte, so betrachtet, von einer Entmischung, die nach einer früheren Diagnose Latours zur Leitidee der Moderne geworden ist – zu einer Orientierung, in der unser Zeitalter sich selbst missversteht. Kultur und Natur, Gesellschaft und Wissenschaft, Subjekt und Objekt, Werte und Tatsachen lassen sich nämlich, so Latours Einwand gegen die Modernen, nicht säuberlich demarkieren. Wer dennoch so tue, wie wenn eine solche Sphärentrennung existiere, beschneide drastisch die Möglichkeiten einer vernünftigen Gestaltung der res publica, der öffentlichen Angelegenheiten: «Die» Natur werde – durch ein Machtwort «der» Wissenschaft – in ein Jenseits entrückt; dort schwebe sie (mit ihren Gesetzen) wie ein Damoklesschwert über dem politischen Leben. Gegen eine Erzählung hilft nur eine andere Erzählung. Sie macht jenes Schwert verschwinden, das die Politik zur Ohnmacht verurteilt, zur Bauchrednerin angeblicher Sachzwänge degradiert. Die Welt wird nun zum Parlament und zum Laboratorium zugleich. (Mit der Einrichtung einer Weltklimakonferenz ist für den Autor, der kein Pessimist ist, davon etwas sichtbar geworden.) Eine experimentelle Metaphysik stösst die «Metaphysik der Natur» vom Thron und mit ihr deren Verwalterin, die Wissenschaft im Singular. Es gibt nur noch Wissenschaften im Plural, mit deren Hilfe «wir» uns vorantasten in einer Welt voller «riskanter Verwicklungen». Mit dem neuen Mythos der einen Welt, die in stetem Werden begriffen ist, will Bruno Latour nicht zum Umstürzler werden; er beansprucht lediglich, zu beschreiben, was ohnedies bereits, «in der Praxis», sich abspiele. Indes protokolliert er nicht, ohne zu redigieren. Diesem Verfahren verdankt sich eine detailliert aufgefächerte Geschäftsordnung des neuen Parlaments, von der zu berichten kein Platz mehr ist. Sie entspringt einer erfreulich blühenden wissenschaftlichen Phantasie, die sich an einer Einsicht entzündet, die zu haben allen offen steht; der Einsicht, dass hinsichtlich des genauen Verhältnisses von Mitteln und Zwecken eine «fundamentale Ungewissheit» in unserer Welt herrsche – und dass dies «alle Entitäten» betreffe, die in ihr existieren. Uwe Justus Wenzel -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Perlentaucher.de


Buchnotiz zu : Die Zeit, 07.03.2002
Den Großangriff auf seine Glaubwürdigkeit, den der Physiker Alan Sokal vor fünf Jahren geflogen hat, scheint der Autor ja gut überstanden zu haben. Holt Latour doch jetzt zum Überprojekt einer Grundlegung einer "neuen Verfassung" aus, in welchem er den "Grundwiderspruch zwischen Demokratie und Wissenschaft" aufzulösen trachtet. Jörg Lau wundert's nicht wenig. Zumal er allerorten bereits "wohlwollende Rezensionen" gelesen hat. Das muss anders werden, sagt er sich und schreibt einen Verriss. In "freundlichen Pastellfarben" male der Autor seine Utopie einer gleichmachenden "politischen Ökologie" und übersehe, dass darin weder ein Korrektiv gegen "totalitäre Versuchung" noch unabhängige Werte als Argument gegen die Folgen wissenschaftlicher Entdeckungen Platz hätte. Die neue Verfassung, so Lau, würde sich trotz ihres radikaldemokratischen Anstriches schnell als ein Albtraum an Illiberalität und Rechtlosigkeit erweisen.

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Unverhältnismäßig 26. Januar 2011
Format:Taschenbuch
"Unverhältnismäßig" beurteilt meines Erachtens nach am besten dieses Buch von Bruno Latour.

Da ließt man sich hunderte Seiten seine selbstsicheren, ja beinahe metaphysischen Ausführungen durch um auf den letzten Seiten (276f) damit konfrontiert zu werden, dass es nur seine persönliche Ansicht, vielleicht auch nur eine "sozialdemokratische" Ansicht war.

Anspruch und Vorhaben (einer neuen politischen Ökologie) gehen hier eindeutig verloren. Damit reiht er sich bloß in die lange Liste der Bücherschreiber ein.

Was bleibt:
Normatives "Versuchen-wir-es-doch-einmal-damit"-Buch.

Wenn er das am Anfang herausgestellt hätte, dann wäre er glaubwürdiger.

Man sollte erst das letzte Kapitel in einer Bücherei lesen (nicht die Zusammenfassung für eilige Leser)und danach entscheiden, ob man sich den Rest wirklich geben muss.
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