Aus der Amazon.de Redaktion
Was lange währt, wird endlich gut. Auf kaum einen Film dürfte dieses Sprichwort besser zutreffen als auf die Verfilmung von Patrick Süskinds Roman Das Parfum. Immerhin kämpfte Produzent Bernd Eichinger über 20 Jahre darum, dem eigenwilligen Literaten die Filmrechte zu seinem Welterfolg von 1985 abzutrotzen und das Werk anschließend in einer für europäische Verhältnisse fast beispiellosen Großproduktion auf die Leinwand zu wuchten. Der Mühe Lohn: Ein durchschlagender Erfolg beim Publikum. Trotz aller Unkenrufe, dass der Roman unverfilmbar sei immerhin befasst er sich mit der so flüchtigen wie bildhaft kaum darzustellenden Welt der Düfte stürmten mehrere Millionen Zuschauer die Kinosäle und verfolgten begeistert die Geschichte des Jean-Baptiste Grenouille, der im Frankreich des 18. Jahrhunderts mit einem außergewöhnlichen Geruchssinn geboren wird und durch seine Obsession, den schönsten Duft der Welt zu konservieren, zum Massenmörder wird. Regisseur Tom Tykwer (Lola rennt) beweist großes Einfallsreichtum, um das Geruchsuniversum Grenouilles für den Zuschauer auch visuell erlebbar zu machen, und zusammen mit seinem Kameramann Frank Griebe schwelgt er mitreißend in den fantastischen Berg- und Lavendel-Panoramen rund um die provenzalische Parfum-Metropole Grasse. In den Nebenrollen gespickt mit einer internationalen Starbesetzung (u.a. Dustin Hoffman, Alan Rickman, Corinna Harfouch) und getragen von Newcomer Ben Whishaw in der schwierigen Hauptrolle, gelingt es dem Parfum, die unvergesslichen Szenen des Romans in ähnlich denkwürdige Filmbilder zu verwandeln. So wird aus großer Literatur auch großes Kino. -- Frank-Michael Helmke
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Moviemans Kommentar zur DVD: Die DVD fällt in allen Belangen sehr gut aus. Optisch überzeugen hohe Auflösung und natürlicher Farbreichtum und akustisch ist es die Mischung aus sanften Details und kraftvoller Räumlichkeit, die den Zuschauer erfreut. Auch die Extras haben es in sich, denn hier erfährt man eine Menge an hintergründigen Infos zur Entstehung des Filmes, dass über den üblichen Informationsgehalt eines Bonusprogramms hinaus geht.
Bild: Farblich wie schärfetechnisch lässt das Bild nichts zu wünschen übrig (Wimpern und Nase, 00:09:49). Es ist aber nicht nur die hervorragende Detailschärfe, die überzeugen kann, denn auch auf Distanz bleiben sämtliche, auch fein strukturierte Ansichten äußerst konturiert und plastisch. Die Farbstimmungen bilden die Natur einwandfrei nach und beinhalten zudem eine angenehm warme Kräftigkeit (goldenes Licht in Parfumerie, 00:16:30). Auch die Kontrastwerte vermögen zu überzeugen, da selbst in dunkleren Einstellungen häufig noch genügend Details zu erkennen bleiben und sich eine breite Palette an Schwarzabstufungen findet (Gesicht im Schatten, 00:17:14). Es kommt aber hin und wieder auch vor, dass sich schwarzes Haar von seinem dunklen Hintergrund nicht ganz einwandfrei absetzt (Kopf, 00:59:15). Wirklich zu bemängeln bleibt eigentlich lediglich ein immer mal wieder auftretendes Bildruckeln in schnellen Kameraschwenks über konturierte Oberflächen (Schwenk von Fisch auf Mädchen, 00:04:28). Bis auf diese seltenen Aussetzer arbeitet die Kompression vorbildlich und auch Rauschen vermag, selbst in dunklen Szenen das Bild nicht zu beeinträchtigen.
Ton: Akustisch überaus gewaltig, dabei aber nicht erschlagend, präsentiert sich der ausgeklügelte Soundpart der Disc, der qualitativ sehr hochwertig ausfällt. Nicht nur, dass alle Kanäle potent und vor allem durchgängig ausgelastet werden, dies geschieht sowohl mit viel Liebe zum Detail als auch Hingabe für den Gesamtklang (Schreien der Massen, 00:03:13). Letzterer ergibt sich in der DTS-Fassung mit ein wenig mehr Direktionalität in den Stimmen und einer minimal saftigeren Räumlichkeit ausgestattet. Zwischen englischer Fassung und den deutschen Versionen bestehen qualitativ keine wesentlichen Unterschiede, sondern lediglich eine, durch die Synchronisation hervorgerufene, subjektiv zu beurteilende Allgemeinstimmung sowie allerhöchstens noch ein wenig mehr Aspekte von Räumlichkeit in den Originalstimmen. Soundeffekte wie bedrohliches Grollen oder ein sanftes Heulen, die harmonisch in Musik oder Kulissengeräusche wie z.B. ein Donnern übergehen (00:08:24), werden plastisch umgesetzt, ohne dabei die sprachliche Ebene zu behindern. Insgesamt überzeugen alle Fassungen durch ihre Vielfalt an natürlichen wie synthetischen Sounds. Die DVD ist mit einer zusätzlichen Hörfilmfassung für Blinde und Sehbehinderte ausgestattet.
Extras: Die Hauptdisc beinhaltet neben dem Film noch Textseiten zu den Darstellern Ben Whishaw, Alan Rickman, Rachel Hurd-Wood, Dustin Hoffman, Karoline Herfurth, Corinna Harfouch, Jessica Schwarz und Birgit Minichmayr. Außerdem bietet die Hauptdisc neben zwei Programmtipps noch drei verschiedene, sich thematisch mit den jeweiligen Arbeitsfeldern auseinandersetzende Audiokommentare an. Einer mit Regisseur Tom Tykwer, einer mit Production Designer Uli Hanisch und Assistenz Kai Karla Koch sowie ein weiterer mit D.O.P Frank Griebe und Editor Alexander Berner. Die zusätzliche Bonus-DVD beinhaltet eine vorbildliche Zusammenstellung wertvoller Extras zur Produktion, die sich wie folgt aufteilen: Ein Making Of beschäftigt sich über Kommentare der Mitwirkenden mit der Entstehung des Filmes aus dem Buch heraus. Hierbei finden sich viele wissenswerte Details zum Entstehungsprozess. Es folgen Interviews mit Bernd Eichinger, Tom Tykwer, Andrew Birkin, Ben Whishaw, Dustin Hoffman, Alan Rickman, Rachel Hurd-Wood, Karoline Herfurth, Corinna Harfouch und Jessica Schwarz, die mit Filmausschnitten aufgelockert werden. "Motivsuche" bebildert und kommentiert die Vorbereitungen zur optischen Umsetzung des Filmes. Locationscouting, die Stadt Paris, historische Kulissennachbildungen sind nur einige der Themen, die hier im Zentrum stehen. "Visualisierung der Gerüche" setzt sich mit dem Problem der Geruchlosigkeit des Mediums auseinander. "Kameraarbeit" klärt auf, wie über das Storyboard schließlich die eigentlichen Bilder entstanden sind und welche Schwierigkeiten bei der Visualisierung gab. "Deutsche Synchronisation" zeigt die Arbeit im Synchronstudio. "Mischung Originalversion" beschäftigt sich mit der modernen Tontechnik der Produktion, die bis zu 500 Tonspuren beinhaltet. "Die Düfte zum Film" ist ein Feature, das Duft-Fachleute zu Wort kommen lässt und deren Arbeit mit der Kreation von Parfums zum Film, bzw. zu bestimmten Schlüsselszenen dokumentiert. Eine Trailershow mit sechs Programmtipps, ein "besonderer Filmtipp" und "Unsere DVD-Empfehlung" beschließen das Bonusprogramm. --movieman.de
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Bereits 1986, ein Jahr nach dem Erscheinen des mittlerweile in 45 Weltsprachen übersetzten Kultromans von Patrick Süskind, fragte Starproduzent Bernd Eichinger bei dem befreundeten Autor wegen der Verfilmungsrechte an. Erst im Jahr 2000 liess dieser sich erweichen, woraufhin Tom Tykwer (Lola rennt, Heaven) als Regisseur gewonnen werden konnte und das ehrgeizige Filmprojekt endlich in die Gänge kam. Für das Drehbuch holte sich das Duo noch Andrew Berkin mit an Bord, der bereits an der gelungenen Leinwandadaption von Der Name der Rose mitschrieb. Nach langer Suche engagierte man den britischen Newcomer Ben Wishaw, der zu diesem Zeitpunkt auf der Bühne des Old Vic Theatres in London zu sehen war, für den schwierigen Hauptpart. Außerdem konnten noch nahmhafte internationale Schauspieler wie Dustin Hoffman und Alan Rickman für tragende Nebenrollen verpflichtet werden. Doch war nicht zuletzt die misslungene Kinoversion von The Da Vinci Code - Sakrileg ein Beweis dafür, dass erfolgreiche Bücher trotz namhafter Beteiligung auf der Leinwand noch lange nicht funktionieren müssen.
Das Sprichwort "Was lange währt, wird endlich gut." könnte im Zusammenhang mit der vorliegenden Umsetzung jedoch zum Glück kaum treffender sein. Tom Tykwers fesselnde Inszenierung geriet außerordentlich stimmig und wird Fans des Buches - nicht zuletzt wegen der werkgetreuen Adaption - wie auch unvorbelastete Kinogänger gleichermaßen zufriedenstellen. Die Kameraarbeit von Frank Griebe (NVA), gepaart mit dem famosen orchestralen Score, komponiert von Tykwer mit den befreundeten Musikern Johnny Klimek und Reinhold Heil und eingespielt von den Berliner Philharmonikern, vermag die Welt der Gerüche mit einer Vielzahl von Gänsehautmomenten gekonnt auf die Leinwand zu transportieren. Die oftmals gewählten Nahaufnahmen, die jede Schweißperle und Hautpore einfangen, die an Gemälde erinnernden, prächtigen Großaufnahmen sowie das überaus geschickte Spiel mit Licht und Schatten machen die Verfilmung zu einem wahren Augenschmaus. Zusätzlich erweist sich der Einsatz eines Erzählers, in der deutschen Fassung Otto Sander, als doppelt geschickt: Zum einen wird man dadurch einem wichtigen atmosphärischen Element des Buches gerecht, zum anderen bleiben dem Zuseher langwierige Handlungsübergänge erspart.
Darüber hinaus präsentiert sich das Ensemble in hervorragender Spiellaune. Ben Wishaw überzeugt als omnipräsente Hauptfigur und schafft es ohne Probleme, den Film auf seinen schmächtigen Schultern zu tragen. Durch sein körperbetontes Spiel gelingt es dem Newcomer die in der Romanvorlage immer wieder erwähnte Mischung aus Naivität, Bedrohlichkeit und Wahnsinn glaubhaft darzustellen. Dustin Hoffman hatte an dem Part des abgetakelten Baldini sichtlich Spaß, Alan Rickman wirkt hingegen ein wenig blass. Die erst sechzehn Jahre alte, bezaubernde Rachel Hurd-Wood meistert ihre Rolle als begehrenswertestes Opfer des verrückten Duftfetischisten mit Bravour und kommt der Buchfigur verblüffend nahe. Kino-Deutschland ist mit Jessica Schwarz als Prostituierte und Corinna Harfouch als kurzzeitige Chefin Grenouilles vertreten - erstere geizt nicht mit ihren Reizen, letztere agiert unauffällig.
Fazit: Regisseur Tom Tykwer hat es mit seinem starken Team geschafft, den als unverfilmbar geltenden Bucherfolg authentisch, spannend und visuell beeindruckend auf Zelluloid zu bannen. Fans des Buches und solchen die es werden wollen, sei der Gang ins Kino unbedingt ans Herz gelegt.
Michael Eminence Reisner