Patrick Süßkinds Roman "Das Parfüm" habe ich vor vielen Jahren gelesen, jedoch konnte ich mir erst gestern Nachmittag den gleichnamigen Film ansehen. Die Lektüre des Buchs liegt zu lange zurück, um begründbar darüber zu urteilen, ob der Film ebenso großartig ist, wie der Roman.
In Erinnerung blieben mir vom Buch speziell die wundervollen Beschreibungen der Düfte. Solche Beschreibungen lassen sich natürlich nur bedingt visuell umsetzen. Dies hat der Verfilmung des Romans allerdings keinen Abbruch getan. Die dahinter stehende Idee wurde hervorragend filmisch herausgearbeitet. Was ist Sinnlichkeit? Wodurch kann Sinnlichkeit verstärkt werden? Welche Macht hat ein wirklich gutes Parfum?
Dargestellt wird das Leben Jean Baptiste Grenouille, der 1738 von einer Marktfrau auf dem Fischmarkt von Paris zur Welt gebracht wird und nach deren Willen mit dem Fischabfall unter ihrem Ladentisch weggekehrt werden sollte.Das Kind ist widerstandfähig beginnt zu schreien, wird entdeckt und in ein Waisenhaus gebracht. Seine Mutter wird aufgrund ihrer gefühllosen Tat erhängt.
Im Waisenhaus versuchen andere Kinder Grenouille zu töten, weil er anders ist. Sie fürchten sich vor seinen Eigenheiten. Den Kindern misslingt allerdings der Anschlag auf das Leben dieses gebeutelten Jungen. Der völlig ohne Mitgefühl aufwachsende Grenouille beginnt erst nach seinem 5. Lebensjahr zu sprechen. Dabei ist er keineswegs unaufmerksam.
Er nimmt von Kindesbeinen an die Welt durch seine Nase wahr und erschnuppert sich sein Umfeld, denn er hat das absolute Geruchsempfinden.Diese besondere Gabe ermöglicht es ihm die Orte seiner Kindheit hinter sich zu lassen, Lehrling bei einem bekannten Pariser Parfümeur zu werden und seine Gabe dort unter Beweis zu stellen. Zu diesem Zeitpunkt allerdings hat er bereits ein junges Mädchen getötet, von dessen Duft er betört war. Der Totschlag an dem Mädchen wurde nicht aufgeklärt. Grenouille musste sich für sein Tun nicht verantworten.
Er geht von Paris in die Parfümstadt Grasse um dort alle Geheimnisse der Parfümherstellung zu erlernen. Grenouille träumt von einem optimalen Parfüm, bei dem die Kopf- Herz- und Basisnoten so harmonisch zueinander passen, dass von der Mixtur eine vollständige Verzauberung ausgeht. Er benötigt hierfür den Duft der Haut und der Haare von 12 besonders schönen jungen Frauen.
Um seinen Lebenstraum zu erfüllen, tötet er diese Frauen. Grenouille besitzt keine Empathie, sondern hat nur die Realisierung seines Traums im Sinn. Es gelingt ihm tatsächlich besagtes, ultimatives Parfüm herzustellen. Zu diesem Zeitpunkt hat man in Grasse jedoch bereits ermittelt, dass er der Mörder der jungen Frauen ist und hat ihn dem Scharfrichter übergeben. Wie durch ein Wunder wird Grenouille jedoch nicht hingerichtet, nachdem er das Volk und den Scharfrichter mittels ein paar Tropfen des Parfüms betört hat. Anstelle seinen Kopf zu fordern, verfällt die gaffende Menge entzückt in eine Massenorgie.
Grenouille hat ein Mittel gefunden, dass die Menschen friedfertig macht und hochgradig erotisiert. Er, der nicht lieben kann, vermag anderen Liebe einzuflößen. Er ist der Messias der Düfte.Dies führt auf dem Fischmarkt von Paris schließlich dazu, dass die Fischweiber ihn aus Liebe zu seinem Duft, den er über sich gegossen hat, verschlingen.
Ein sehr skurriler Film, der hervorragend verdeutlicht, dass der Sinn eines guten Parfums darin besteht Sinnlichkeit zu erzeugen. Was auch sonst?
Zu erwähnen sind noch die gute Rollenbesetzungen und eine außerordentlich gelungene Visualisierung der Lebensverhältnisse im 19. Jahrhundert.
Die Bild - und die Tonqualität sind bestens.
Empfehlenswert.