Aus der Amazon.de-Redaktion
Die südliche Toskana war Etruskerland, bevor die Römer kamen. Und Cortona, das Städtchen unweit des Trasimener Sees, an den sich alle Lateinschüler mit nicht so großem Vergnügen erinnern, war vermutlich eines der kulturellen Zentren dieses immer noch sehr geheimnisvollen antiken Reiches. Hinter Cortona beginnt ein versponnenes, stellenweise immer noch wildromantisches Hügel-Land zwischen der Toskana und dem nahen Umbrien. Wer einmal die putzige kleine Jugendstil-Bahn genommen hat, die über Assisi nach Spoleto fährt, kennt das zumindest vom Sehen und weiß aus eigener Beobachtung, dass nach den Römern die Deutschen mit all ihren Stämmen und nach diesen wiederum die Amerikaner die Toskana besiedelten. Auch die weitgereiste Frances Mayes konnte dem Charme dieser vielfach gesegneten Gegend nicht widerstehen und ließ sich auf das Abenteuer Hauskauf, Renovierung und Umbau ein, jenes Experiment also, das die hiesige Toskana-Fraktion unschwer mit ihren eigenen Erfahrungen wird vergleichen können. Den amerikanischen Lesern hat die appetitlich angerichtete Mischung aus Erlebnisbericht, Rezepten und Landeskunde offenbar so gut gemundet, dass sie Das Paradies heißt Bramasole schon über eine Million mal zu sich nahmen. Vom Lesen bekommt man ja auch keine Blasen an den Fingern und vom Schwelgen in Rezepten keinen runden Bauch und außerdem schont man sein Scheckbuch. Denn dort zu wohnen, können sich wohl nur noch Bestseller-Autorinnen leisten. --Carl-Ludwig Reichert
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
"Einige Mühen kostet das eigene Paradies schon. Aber Frances Mayes beschreibt sie so, dass man sich am liebsten gleich selbst ins Dolce Vita einkaufen würde." (Cosmopolitan )
"So wunderbar kann die Liebe zu einem alten Haus sein!" (Bunte )
"So wunderbar kann die Liebe zu einem alten Haus sein!" (Bunte )
Kurzbeschreibung
Es ist Liebe auf den ersten Blick, als die amerikanische Reiseschriftstellerin Frances Mayes und ihr Lebensgefährte Ed im Sommer 1990 Bramasole besichtigen, ein kleines Haus in den Hügeln nahe der Etruskerstadt Cortona. Doch von einer toskanischen Idylle sind die beiden noch weit entfernt: Bis das Geld zusammengekratzt, die ersten Erfahrungen mit der italienischen Bürokratie gemacht und einige Handwerker als Schlitzohren enttarnt sind, vergehen Wochen. Doch die Mühen lohnen sich: Irgendwann können sich die beiden den angenehmeren Seiten des Lebens zuwenden. Für die leidenschaftliche Köchin Frances ist das vor allem die toskanische Küche, aber es bleibt auch immer genügend Zeit für kleine Ausflüge in die Umgebung, in der es so vieles zu entdecken gibt: romantische Straßen, liebliche Landschaften, alte Städte, herrliche Märkte – und, nicht zu vergessen, die Italiener selbst mit all ihrer sprichwörtlichen Gastfreundschaft und Wärme. Das erste Essen an einem langen Tisch im Garten, die erste Flasche Öl von den eigenen Olivenbäumen, das erste italienische Weihnachten – mit ihren Schilderungen und ihren Rezepten nimmt Frances Mayes den Leser mit auf eine Reise durch ihr toskanisches Jahr, und in einem wird er ihr mit Sicherheit zustimmen: Das Paradies liegt in Bramasole.
Klappentext
"Einige Mühen kostet das eigene Paradies schon. Aber Frances Mayes beschreibt sie so, dass man sich am liebsten gleich selbst ins Dolce Vita einkaufen würde."
Cosmopolitan
Cosmopolitan
"So wunderbar kann die Liebe zu einem alten Haus sein!"
Bunte
Umschlagtext
Mitten in den sanften Hügeln der Toskana, nahe dem Städtchen Cortona, kauft die amerikanische Journalistin Frances Mayes ein kleines Haus. Für sie und ihren Mann beginnt das aufregendste Jahr ihres Lebens. "Eine wunderbare Hommage an die Üppigkeit des italienischen Lebens... Ein solches Buch sollte man sich unbedingt an einem kalten Januartag aufs Nachttischchen legen." New York Times Book Review Über eine Million verkaufte Exemplare in den USA!
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Über den Autor
Frances Mayes ist eine bekannte Reiseschriftstellerin und Autorin von Kochbüchern. Sie lebt abwechselnd in Cortona und in San Francisco, wo sie an der Universität Kurse für „Creative Writing“ gibt. Zahlreiche ihrer Artikel erscheinen regelmäßig unter anderem in der „New York Times“ und in „Food and Wine“.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
bramare: eine archaische sehnsucht
Ich bin drauf und dran, ein Haus in Italien zu kaufen, in einem Land, das mir als Amerikanerin völlig fremd ist. Ein altes toskanisches Haus mit dem klangvollen Namen Bramasole. Es ist groß, quadratisch und aprikosenfarben, mit ausgeblichenen grünen Fensterläden, vorsintflutlichem Schindeldach und einem schmiedeeisernen Balkon im ersten Stock, wo früher die Damen mit ihren Fächern gesessen haben könnten, um aus luftiger Höhe irgendein Schauspiel zu beobachten. Heute sieht man unten nur noch einen ausufernden Dornendschungel, Rosengestrüpp und kniehoch wucherndes Unkraut. Der Balkon befindet sich auf der Südostseite, mit Blick auf ein tiefes Tal, an das sich der toskanische Teil des Apennin anschließt. Wenn es regnet oder das Licht sich verändert, nimmt die Fassade des Hauses eine goldgelbe, ocker- oder rotbraune Tönung an; an manchen Stellen schimmert unter dem Rosa ein früherer scharlach-roter Anstrich durch, wie bei einer Schachtel mit bunten Wachsmalkreiden, die in der Sonne vergessen wurden und schmelzen. Dort, wo der Verputz abblättert, offenbaren die unbehauenen Steinblöcke, wie die Außenwände früher einmal ausgesehen haben. Das Haus ragt hoch über einer strada bianca auf, einer Schotterstraße mit weißen Kieselsteinen; es steht auf einem terrassierten Hügel, auf dem zahlreiche Obst- und Olivenbäume wachsen. Sein Name Bramasole kommt von bramare, sich sehnen, und sole, Sonne, und daß ich mich nach Sonne sehne, ist gewiß.
Die ganze Familie lief Sturm gegen meine Entscheidung, und jeder glaubte, es besser zu wissen. »Lächerlich!« befand meine Mutter mit unüberhörbarer Betonung. »Einfach lächerlich!« Und meine Schwestern machten einen Aufstand, als wäre ich achtzehn und drauf und dran, mit irgendeinem dahergelaufenen Matrosen in der Familienkutsche durchzubrennen. Insgeheim habe ich ebenfalls meine Zweifel, ob die Entscheidung richtig ist. Die Stühle mit den geraden Lehnen im Wartezimmer des notaio sind auch nicht gerade hilfreich. Bei jeder Bewegung bohren sich die nadelspitzen Roßhaare durch das dünne weiße Leinenkleid in meinen Rücken, und ich rutsche oft auf meinem Sitz hin und her, weil in dem Raum eine Affenhitze herrscht. Ich blicke zu Ed hinüber, um zu sehen, was er auf die Rückseite einer Quittung kritzelt: Parmesan, Salami, Kaffee, Brot. Der hat Nerven! Endlich öffnet die Signora ihre Tür und begrüßt uns mit einer Flut italienischer Worte.
Unser Notar ist eine Frau: Signora Mantucci, eine kleine, energische Sizilianerin mit dicken getönten Brillengläsern, die ihre grünen Augen in Mühlenräder verwandeln. Sie redet wie ein Maschinengewehr. Lange Gesetzespassagen liest sie laut vor. Ich war immer der Meinung, Italienisch sei eine Sprache, die leicht und locker dahinplätschert, doch aus ihrem Mund klingen die Worte wie Gesteinsbrocken, die eine Rutsche hinabpoltern. Ed betrachtet sie mit gespannter Aufmerksamkeit; er scheint vom Klang ihrer Stimme hingerissen zu sein. Der Eigentümer des Anwesens, Dr. Carta, ist plötzlich zu der Auffassung gelangt, daß er die Kaufsumme zu niedrig angesetzt hat; es kann gar nicht anders sein, sonst wären wir nicht so schnell bereit gewesen, uns auf den Handel einzulassen. Wir finden, daß er einen Wucherpreis verlangt, besser gesagt, wir wissen, daß er einen Wucherpreis verlangt. Die Sizilianerin redet ohne Unterlaß; sie läßt sich durch nichts und niemanden stören, mit Ausnahme von Giuseppe aus der Bar im Erdgeschoß, der plötzlich die schwarze Tür zum Allerheiligsten aufstößt, ein Tablett balancierend, und überrascht seine Americani-Stammkunden dort sitzen sieht, deren Köpfe vor Verwirrung rauchen. Er bringt der Signora, wie üblich am späten Vormittag, den Espresso, in einem fingerhutgroßen Täßchen, das sie auf einen Satz leert, ohne ihren Redefluß merklich zu unterbrechen. Der Eigentümer erklärt nun, daß ein bestimmter Betrag des Kaufpreises unter der Hand gezahlt werden soll. »Das ist bei uns so üblich«, sagt er. »Hier ist niemand so töricht, den tatsächlichen Erlös beim Finanzamt anzugeben.« Er schlägt vor, daß wir einen Scheck ins Büro des notaio bringen und zehn weitere Schecks über kleinere Beträge buchstäblich unter dem Tisch weitergeben.
Anselmo Martini, unser italienischer Immobilienmakler, zuckt mit den Schultern.
Ian, unser englischer Immobilienmakler, den wir als Übersetzer mitgeschleppt haben, zuckt ebenfalls mit den Schultern.
Dr. Carta erklärt abschließend: »Ihr Amerikaner nehmt alles so fürchterlich ernst! Und was die Datierung der Schecks angeht, so sollte, per favore, jeweils eine Woche Abstand dazwischen sein, damit die Bank nicht mißtrauisch wird, wenn so große Summen den Besitzer wechseln.«
War das die Bank, die ich kenne, wo die dunkeläugige Angestellte am Schalter sich einmal pro Viertelstunde den Kunden zuwendet, in den kurzen Pausen zwischen Rauchen und Telefonieren? Der Redeschwall der Signora kommt abrupt zum Stillstand, sie rafft ihre Unterlagen zusammen, stopft sie in einen Aktenordner und erhebt sich. Wir sollen wiederkommen, sobald wir das Geld und die erforderlichen Dokumente beisammen haben.
Ein Fenster unseres Hotelzimmers bietet einen weitläufigen Ausblick auf die uralten Dächer von Cortona, tief unter uns in der dunklen Talsohle des Val di Chiana. Es weht ein heißer, heftiger Wüstenwind - der scirocco -, der jeden Menschen, und sei er noch so normal, um den Verstand bringen kann. Ich stelle fest, daß er haargenau meinen Gemütszustand widerspiegelt. Ich kann seit Tagen nicht mehr richtig schlafen. In Amerika habe ich schon mehr als ein Haus gekauft und wieder verkauft, bin mit dem Wagen, bis unters Dach mit Umzugsgut beladen - mit dem kostbaren, von meiner Mutter geerbten Spode-Service, der Katze und dem Ficus Benjamini - Tausende von Kilometern von einer Haustür zur nächsten gefahren, in die der neue Schlüssel paßte. Ich gebe zu, es ist kein Pappenstiel, wenn das Dach über dem Kopf auf dem Spiel steht; verkaufen heißt, Abschied von Erinnerungen nehmen, und kaufen beinhaltet die Entscheidung, wo die Zukunft stattfinden soll. Der Ort, den man dafür gewählt hat, ist niemals neutral, sondern übt Einfluß auf die Persönlichkeit aus. Darüber hinaus gilt es, alle möglichen juristischen Komplikationen und Eventualitäten zu bedenken. Aber hier scheint sich alles verschworen zu haben, damit ich im dunkeln tappe.
Italien besaß für mich schon immer eine geradezu magnetische Anziehungskraft. Vier Jahre lang spukte mir nichts anderes im Kopf herum als Bauernhäuser, die wir während der Sommermonate in der Toskana mieteten, mal hier und mal da. Schon in unserem allerersten Italienurlaub, den Ed und ich mit Freunden verbrachten, begannen wir mit Berechnungen und Überlegungen, ob unsere gemeinsamen Ersparnisse für den Kauf der baufälligen steinernen Kate reichten, die wir von der Terrasse aus sehen konnten. Ed war auf Anhieb Feuer und Flamme und streifte über die Felder unserer Nachbarn, um das Landleben und die Landarbeit aus erster Hand kennenzulernen. Die Antolinis bauten Tabak an, wunderschöne Pflanzen, auch wenn ich ihren Verwendungszweck hasse. Wir hörten, wie die Arbeiter »Vipera!« riefen, um die anderen vor der Giftschlange zu warnen. Am Abend stieg ein violettblauer Dunst von den dunklen Blättern auf. Von unserem Aussichtspunkt auf der Terrasse sah das kleine Anwesen sehr idyllisch aus. Unsere Freunde kamen nie wieder, aber für uns nahm die Suche nach einer Bleibe für den Sommer in den nächsten drei Jahren die Form einer Gralssuche an. Im Zuge unserer Odyssee lernten wir schlichte Bauernhöfe kennen, die grünes Olivenöl vom Feinsten herstellten, entdeckten mitten auf dem Lande prachtvolle romanische Dorfkirchen, fuhren die schmalen Straßen hinauf, die sich durch die Weinberge schlängelten, und hielten an, um einen samtigen Brunello und einen tief dunklen Vino Nobile zu probieren. Wenn man sich mit dem Gedanken trägt, ein Haus zu kaufen, schärft sich der Blick. Wir besuchten Wochenmärkte, nicht...
Ich bin drauf und dran, ein Haus in Italien zu kaufen, in einem Land, das mir als Amerikanerin völlig fremd ist. Ein altes toskanisches Haus mit dem klangvollen Namen Bramasole. Es ist groß, quadratisch und aprikosenfarben, mit ausgeblichenen grünen Fensterläden, vorsintflutlichem Schindeldach und einem schmiedeeisernen Balkon im ersten Stock, wo früher die Damen mit ihren Fächern gesessen haben könnten, um aus luftiger Höhe irgendein Schauspiel zu beobachten. Heute sieht man unten nur noch einen ausufernden Dornendschungel, Rosengestrüpp und kniehoch wucherndes Unkraut. Der Balkon befindet sich auf der Südostseite, mit Blick auf ein tiefes Tal, an das sich der toskanische Teil des Apennin anschließt. Wenn es regnet oder das Licht sich verändert, nimmt die Fassade des Hauses eine goldgelbe, ocker- oder rotbraune Tönung an; an manchen Stellen schimmert unter dem Rosa ein früherer scharlach-roter Anstrich durch, wie bei einer Schachtel mit bunten Wachsmalkreiden, die in der Sonne vergessen wurden und schmelzen. Dort, wo der Verputz abblättert, offenbaren die unbehauenen Steinblöcke, wie die Außenwände früher einmal ausgesehen haben. Das Haus ragt hoch über einer strada bianca auf, einer Schotterstraße mit weißen Kieselsteinen; es steht auf einem terrassierten Hügel, auf dem zahlreiche Obst- und Olivenbäume wachsen. Sein Name Bramasole kommt von bramare, sich sehnen, und sole, Sonne, und daß ich mich nach Sonne sehne, ist gewiß.
Die ganze Familie lief Sturm gegen meine Entscheidung, und jeder glaubte, es besser zu wissen. »Lächerlich!« befand meine Mutter mit unüberhörbarer Betonung. »Einfach lächerlich!« Und meine Schwestern machten einen Aufstand, als wäre ich achtzehn und drauf und dran, mit irgendeinem dahergelaufenen Matrosen in der Familienkutsche durchzubrennen. Insgeheim habe ich ebenfalls meine Zweifel, ob die Entscheidung richtig ist. Die Stühle mit den geraden Lehnen im Wartezimmer des notaio sind auch nicht gerade hilfreich. Bei jeder Bewegung bohren sich die nadelspitzen Roßhaare durch das dünne weiße Leinenkleid in meinen Rücken, und ich rutsche oft auf meinem Sitz hin und her, weil in dem Raum eine Affenhitze herrscht. Ich blicke zu Ed hinüber, um zu sehen, was er auf die Rückseite einer Quittung kritzelt: Parmesan, Salami, Kaffee, Brot. Der hat Nerven! Endlich öffnet die Signora ihre Tür und begrüßt uns mit einer Flut italienischer Worte.
Unser Notar ist eine Frau: Signora Mantucci, eine kleine, energische Sizilianerin mit dicken getönten Brillengläsern, die ihre grünen Augen in Mühlenräder verwandeln. Sie redet wie ein Maschinengewehr. Lange Gesetzespassagen liest sie laut vor. Ich war immer der Meinung, Italienisch sei eine Sprache, die leicht und locker dahinplätschert, doch aus ihrem Mund klingen die Worte wie Gesteinsbrocken, die eine Rutsche hinabpoltern. Ed betrachtet sie mit gespannter Aufmerksamkeit; er scheint vom Klang ihrer Stimme hingerissen zu sein. Der Eigentümer des Anwesens, Dr. Carta, ist plötzlich zu der Auffassung gelangt, daß er die Kaufsumme zu niedrig angesetzt hat; es kann gar nicht anders sein, sonst wären wir nicht so schnell bereit gewesen, uns auf den Handel einzulassen. Wir finden, daß er einen Wucherpreis verlangt, besser gesagt, wir wissen, daß er einen Wucherpreis verlangt. Die Sizilianerin redet ohne Unterlaß; sie läßt sich durch nichts und niemanden stören, mit Ausnahme von Giuseppe aus der Bar im Erdgeschoß, der plötzlich die schwarze Tür zum Allerheiligsten aufstößt, ein Tablett balancierend, und überrascht seine Americani-Stammkunden dort sitzen sieht, deren Köpfe vor Verwirrung rauchen. Er bringt der Signora, wie üblich am späten Vormittag, den Espresso, in einem fingerhutgroßen Täßchen, das sie auf einen Satz leert, ohne ihren Redefluß merklich zu unterbrechen. Der Eigentümer erklärt nun, daß ein bestimmter Betrag des Kaufpreises unter der Hand gezahlt werden soll. »Das ist bei uns so üblich«, sagt er. »Hier ist niemand so töricht, den tatsächlichen Erlös beim Finanzamt anzugeben.« Er schlägt vor, daß wir einen Scheck ins Büro des notaio bringen und zehn weitere Schecks über kleinere Beträge buchstäblich unter dem Tisch weitergeben.
Anselmo Martini, unser italienischer Immobilienmakler, zuckt mit den Schultern.
Ian, unser englischer Immobilienmakler, den wir als Übersetzer mitgeschleppt haben, zuckt ebenfalls mit den Schultern.
Dr. Carta erklärt abschließend: »Ihr Amerikaner nehmt alles so fürchterlich ernst! Und was die Datierung der Schecks angeht, so sollte, per favore, jeweils eine Woche Abstand dazwischen sein, damit die Bank nicht mißtrauisch wird, wenn so große Summen den Besitzer wechseln.«
War das die Bank, die ich kenne, wo die dunkeläugige Angestellte am Schalter sich einmal pro Viertelstunde den Kunden zuwendet, in den kurzen Pausen zwischen Rauchen und Telefonieren? Der Redeschwall der Signora kommt abrupt zum Stillstand, sie rafft ihre Unterlagen zusammen, stopft sie in einen Aktenordner und erhebt sich. Wir sollen wiederkommen, sobald wir das Geld und die erforderlichen Dokumente beisammen haben.
Ein Fenster unseres Hotelzimmers bietet einen weitläufigen Ausblick auf die uralten Dächer von Cortona, tief unter uns in der dunklen Talsohle des Val di Chiana. Es weht ein heißer, heftiger Wüstenwind - der scirocco -, der jeden Menschen, und sei er noch so normal, um den Verstand bringen kann. Ich stelle fest, daß er haargenau meinen Gemütszustand widerspiegelt. Ich kann seit Tagen nicht mehr richtig schlafen. In Amerika habe ich schon mehr als ein Haus gekauft und wieder verkauft, bin mit dem Wagen, bis unters Dach mit Umzugsgut beladen - mit dem kostbaren, von meiner Mutter geerbten Spode-Service, der Katze und dem Ficus Benjamini - Tausende von Kilometern von einer Haustür zur nächsten gefahren, in die der neue Schlüssel paßte. Ich gebe zu, es ist kein Pappenstiel, wenn das Dach über dem Kopf auf dem Spiel steht; verkaufen heißt, Abschied von Erinnerungen nehmen, und kaufen beinhaltet die Entscheidung, wo die Zukunft stattfinden soll. Der Ort, den man dafür gewählt hat, ist niemals neutral, sondern übt Einfluß auf die Persönlichkeit aus. Darüber hinaus gilt es, alle möglichen juristischen Komplikationen und Eventualitäten zu bedenken. Aber hier scheint sich alles verschworen zu haben, damit ich im dunkeln tappe.
Italien besaß für mich schon immer eine geradezu magnetische Anziehungskraft. Vier Jahre lang spukte mir nichts anderes im Kopf herum als Bauernhäuser, die wir während der Sommermonate in der Toskana mieteten, mal hier und mal da. Schon in unserem allerersten Italienurlaub, den Ed und ich mit Freunden verbrachten, begannen wir mit Berechnungen und Überlegungen, ob unsere gemeinsamen Ersparnisse für den Kauf der baufälligen steinernen Kate reichten, die wir von der Terrasse aus sehen konnten. Ed war auf Anhieb Feuer und Flamme und streifte über die Felder unserer Nachbarn, um das Landleben und die Landarbeit aus erster Hand kennenzulernen. Die Antolinis bauten Tabak an, wunderschöne Pflanzen, auch wenn ich ihren Verwendungszweck hasse. Wir hörten, wie die Arbeiter »Vipera!« riefen, um die anderen vor der Giftschlange zu warnen. Am Abend stieg ein violettblauer Dunst von den dunklen Blättern auf. Von unserem Aussichtspunkt auf der Terrasse sah das kleine Anwesen sehr idyllisch aus. Unsere Freunde kamen nie wieder, aber für uns nahm die Suche nach einer Bleibe für den Sommer in den nächsten drei Jahren die Form einer Gralssuche an. Im Zuge unserer Odyssee lernten wir schlichte Bauernhöfe kennen, die grünes Olivenöl vom Feinsten herstellten, entdeckten mitten auf dem Lande prachtvolle romanische Dorfkirchen, fuhren die schmalen Straßen hinauf, die sich durch die Weinberge schlängelten, und hielten an, um einen samtigen Brunello und einen tief dunklen Vino Nobile zu probieren. Wenn man sich mit dem Gedanken trägt, ein Haus zu kaufen, schärft sich der Blick. Wir besuchten Wochenmärkte, nicht...