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Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft: Eine Geschichte der Genußmittel
 
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Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft: Eine Geschichte der Genußmittel [Broschiert]

Wolfgang Schivelbusch
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 247 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 7. Auflage. (1. März 1990)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596244137
  • ISBN-13: 978-3596244133
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12,6 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 213.301 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Jede Gesellschaft hat die Genuß- und Rauschmittel, die sie verdient, die sie braucht und die sie verträgt. Als der König von Schottland im Jahre 1194 König Richard I. von England einen Besuch abstattete, erhielt er neben anderen Beweisen der Gastfreundschaft die tägliche Zuteilung von zwei Pfund Pfeffer und vier Pfund Zimt.
Diese für unseren Geschmack ungewöhnliche Gabe war im christlichen Mittelalter alles andere als ungewöhnlich: Pfeffer wurde nicht nur als Gewürz verwendet, sondern war Statussymbol und ersetzte häufig sogar das Geld als Zahlungsmittel.
Der Geschmack begann sich zu sensibilisieren: Orientalische Luxuswaren begannen, die grobe Ritterkultur zu verändern, und wurden, nach der Entdeckung des Seewegs nach Indien, zum entscheidenden Faktor der europäischen Wirtschaft.
Wie kommt es, daß in Europa zu bestimmten Zeiten ganz neuartige Genußstoffe erscheinen? Sind Kaffee, Tee oder Tabak reiner Zufall kolonialer Entdeckung oder befriedigen sie neue Genußbedürfnisse, die es vorher nicht gab - und wie lassen sich diese neuartigen Bedürfnisse beschreiben?
In Deutschland, das keine Kolonien hatte, mußte man Kaffee einführen, was zu einer heftigen Kampagne gegen dieses un-deutsche Getränk führte. Als die Kaffee-Sucht sich auch durch Anpreisung von Bier und Wein nicht dämpfen ließ, fand man Ersatz in Zichorienkaffee, der neben dem »echten Bohnenkaffee« noch in diesem Jahrhundert getrunken wurde. Zum Kaffee gehört der Tabak, der in der Vorstellung des 17. Jahrhunderts »getrunken« wurde. Erst später wird die Pfeife gestopft, dann als Zigarre genossen, und erst in unserer beschleunigenden Zeit in Form von Zigaretten. Eine analoge Beschleunigung ist auch bei den alkoholischen Getränken zu beobachten: die Entwicklung des Tresens war unumgänglich, um während der Industrialisierung die schnellen »Kipper« von harten Getränken zu befriedigen.
»Wolfgang Schivelbusch begibt sich gern auf ungewohnte Pfade«, schrieb der Rezensent der FAZ, »und versucht zu klären, wie die Genußmittel an der Geschichte des mittelalterlichen und neuzeitlichen Menschen mitgewirkt haben.«

Über den Autor

Wolfgang Schivelbusch, geboren 1941, Dr. phil., Habilitation, ist freier Autor und lebt seit 1973 in New York und in Berlin. Er ist Träger des Heinrich-Mann-Preises 2003 der Akademie der Künste zu Berlin.Wolfgang Schivelbusch, geboren 1941, Dr. phil., Habilitation, ist freier Autor und lebt seit 1973 in New York und in Berlin. Er ist Träger des Heinrich-Mann-Preises 2003 der Akademie der Künste zu Berlin.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Wer sich schon immer gedacht hat, daß Geschichte nicht darin bestehen kann, eine Abfolge von Ereignissen der Mächtigen zu sein, so wie diese sich gerne darstellen, der ist bei Schivelbuschs Kulturgeschichte richtig.

Schivelbusch beschreibt in diesem Buch detailfreudig und unterhaltsam eine Geschichte der Genußmittel und damit auch eine Geschichte der Menschen, die sie genießen. Im Zentrum des Interesses stehen nicht die großen geschichtlichen Ereignisse und ihre Protagonisten, sondern eine Entwicklung der Geschichte entlang des Genusses. Dabei erhebt Schivelbusch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, was bei der Größe und Komplexität des Themas verständlich ist, sondern er beleuchtet verschiedene Aspekte - und das auf eine spannende und lehrreiche Weise. Das Buch ist ein Leseerlebnis, das ich nur jedem kulturgeschichtlich Interessierten empfehlen kann.

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16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Schivelbuschs Buch ist alles andere als eine fundierte Arbeit über die Diffusion der Genussmittel in der europäischen Gesellschaft. Bereits methodisch ist Schivelbusch aufs Schärfste zu kritisieren. Anekdoten werden dargestellt, als würden diese als Indikator für den Wandel in der Mentalität und Kultur der Gesellschaft zu verstehen sein. Sekundärliteratur ist in Anbetracht dieses umfassenden Themenkomplexes nur spärlich verarbeitet worden, und so ist es nicht verwunderlich, dass der Autor schon wieder, oder besser: noch immer das Bild eines düsteren Mittelalters nachzeichnet. Fußnoten scheint Schivelbusch für nicht sinnvoll zu erachten.

Die in dem Buch aufgestellte These, Schokolade sei das Genussmittel der Südeuropäer, Kaffee und Tee hingegen das der Nordeuropäer gewesen, da ersteres der katholischen Mentalität und letztere dem protestantischen Arbeitsethos entsprach, ist v.a. durch die Arbeiten von Teuteberg und von Menninger widerlegt worden. Die äußerst dünne Quellenbasis, auf der Schivelbusch seinen Gedankengang aufbaut, spricht für sich.

Forscher werden bei der Lektüre diese Werkes Bauchschmerzen bekommen, doch auch aufmerksame Laien werden sich am Kopf kratzen. Jedem, der an der Kulturgeschichte der Genussmittel interessiert ist, sollte zu der jüngst erschienen, scharfsinnigen und spannenden Habilitationsschrift von Annerose Menninger greifen: "Genuss im kulturellen Wandel."
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