Ich habe es wieder einmal geschafft, ein Buch von Barabara Wood innerhalb kürzester Zeit zu lesen. "Das Paradies" erzählt die Geschichte einer ägyptischen Pascha-Familie über mehrere Generationen hinweg. Im Vordergrund steht die Macht der Männer im Islam, über die Frauen zu herrschen, zu bestimmen. Das ganze erzählt vor politischen Hintergründen, der Absetzung des Königs bis hin zu Präsident Mubarak. Die Konflikte des Familienoberhaupts Ibrahim, der - wie er meint aufgrund eines Fluches - trotz 4 Ehefrauen nur Töchter zeugt, somit der Familie keinen Erben bringt. Kadhija, seine Mutter, selbst mit einem großen Lebensgeheimnis belastet, die die Familie zusammenhält, Ehen stiftet, betet. Ibrahims englische Frau, die durch einen Irrtum die Liebe zu ihm verliert, in der fremden Heimat nie ganz glücklich wird und schließlich Selbstmord begeht. Amira, die Tochter der beiden, die nach einer Vergewaltigung vom Vater verstoßen und für tot erklärt wird, weil sie somit die Ehre der Familie verletzt hat. Dies sind nur einige Mitglieder der riesigen Raschid Familie, die Vielfalt der Namen wirkt manchmal etwas verwirrend. Den Leser fesselt nicht nur die Geschichte der Familie mit allen Höhen und Tiefen, er erhält auch tiefe Einblicke in eine uns Europäern fremde Relegion, den Islam. Ich selbst habe fast ein Jahr in Tunesien gelebt und gearbeitet und den Islam nie richtig verstanden. Nach "Das Paradies" sehe ich vieles anders, vor allem, daß die uns bekannten Mißstände, die wir mit dem Islam verbinden, nicht in dieser Relegion liegen, sondern in den Gesetzen der Menschen, vor allem der islamischen Männer. Jedem Liebhaber einer anderen Kultur, der vielseitig interessiert und offen allem gegenüber steht, kann ich dieses Buch nur empfehlen. Meine Ansichten haben sich gewaltig zum positiven verändert!