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Das Papierhaus: Roman
 
 
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Das Papierhaus: Roman [Taschenbuch]

Carlos Maria Dominguez
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (31 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Lesen und Buchverschlingen kann Leben retten. Es kann Schicksale lenken, Existenzen verändern, Leidenschaften wecken -- und es kann tödlich sein. So jedenfalls ist es nicht nur in Walter Moers‘ neuem Roman Die Stadt der träumenden Bücher: So ist es auch in der Erzählung Das Papierhaus von Carlos María Domínguez aus Buenos Aires. Domínguez zählt gleich ein paar dieser beeinflussten Lebenswege von Büchernarren auf. Wie der des Professors für klassische Philologie, Leonard Wood zum Beispiel, der in seiner Bibliothek durch die Encyclopedia Britannica gelähmt wurde. Oder wie der eines chilenischen Hundes, der sich an den Brüdern Karamasow von Dostojewskij überfraß.

Eigentlich aber geht es um die Schicksale mehrerer Bibliophiler in Domínguez‘ Roman: fanatische Leserinnen und Leser, deren Lebensfäden durch die Lektüre teils zwar abgeschnitten, gleichzeitig aber auch verwoben werden. Die Literaturdozentin Bluma Lennon wird bei der Lektüre einer alten Ausgabe der Gedichte von Emily Dickinson beim zweiten Sonett von einem Auto erfasst. Nach ihrem Tod erhält ein argentinischer Kollege ein an Bluma adressiertes Päckchen mit einem zerlesenen Roman Joseph Conrads, der auch eine rätselhafte Widmung der Überfahrenen enthält. Der Argentinier macht sich auf die Suche, um die Widmung zu entschlüsseln -- und muss im Laufe seiner abenteuerlichen Recherche feststellen, dass auch Bücher Biografien haben können.

Seit dem Überraschungs-Bestseller Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafon ist Das Papierhaus sicher die faszinierendste Geschichte über die geheime Macht der Bücher und die fast schon besessene Leidenschaft fürs Lesen. Sicher eine der Entdeckungen des Büchersommers. --Isa Gerck -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

"Eine kleine Geschichte über die Leidenschaft für Bücher." (Elke Heidenreich )

"Ein kleiner, feiner Leckerbissen für alle Leseverrückten." (Hamburger Morgenpost )

"Domínguez entwirft kenntnisreich das Lebensgefühl seiner Büchernarren. Eine vorzügliche Erzählung!" (Der Bund )

Kurzbeschreibung

Eine Literaturdozentin, die so in die Gedichte von Emily Dickinson vertieft ist, dass sie tödlich verunglückt, ihr argentinischer Kollege, der um die halbe Welt reist, um das Geheimnis eines rätselhaften Buches zu lösen, und ein Mann, der bereit ist, seine Liebe für Bücher in Stein zu fassen: drei Menschen, die ohne Bücher nicht sein können und deren Leben auf höchst seltsame Weise miteinander verknüpft werden.


Klappentext

"Eine kleine Geschichte über die Leidenschaft für Bücher."
Elke Heidenreich

"Ein kleiner, feiner Leckerbissen für alle Leseverrückten."
Hamburger Morgenpost

"Domínguez entwirft kenntnisreich das Lebensgefühl seiner Büchernarren. Eine vorzügliche Erzählung!"
Der Bund

Über den Autor

Carlos María Domínguez wurde 1955 in Buenos Aires geboren und lebt heute in Montevideo, wo er als Journalist, Literaturkritiker und Schriftsteller arbeitet. „Das Papierhaus“, Domínguez' Deutschlanddebüt, wurde 2001 in Uruguay mit dem „Premio Lolita Rubial“ ausgezeichnet.

Auszug aus Das Papierhaus von Carlos M. Dominguez, Elisabeth Müller. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Im Frühjahr 1998 kaufte Bluma Lennon in einer Buchhandlung von Soho eine alte

Ausgabe der Gedichte von Ernily Dickinson und wurde an der ersten Straßenecke,

als sie gerade beim zweiten Gedicht angelangt war, von einem Auto überfahren.

Bücher verändern das Schicksal der Menschen. So mancher hat Der Tiger von

Malaysia gelesen und ist an einer fernen Universität Dozent für Literatur

geworden. Demian hat Zehntausendejugendliche zum Hinduismus geführt, Hemingway

hat sie zu Sportlern gemacht, Dumas hat das Leben Tausender Frauen auf den Kopf

gestellt und nicht wenige sind durch ein Kochbuch vor dem Selbstmord bewahrt

worden. Bluma war ihr Opfer.

Aber nicht nur sie. Der Professor für klassische Philologie, Leonard Wood, wurde

auf seine alten Tage halbseitig gelähmt, weil in seiner Bibliothek fünf Bände

der Encyclopedia Britannica ihren Platz verließen und ihm auf den Kopf fielen;

mein Freund Richard hat sich das Bein gebrochen, als er versuchte, Absalom,

Absalom von William Faulkner aus einer Ecke zu angeln, wo es so ungünstig stand,

daß er von der Leiter fiel. Ein anderer Freund aus Buenos Aires hat sich in den

Kellern eines öffentlichen Archivs die Tuberkulose geholt und ich habe mal einen

chilenischen Hund gekannt, der sich an den Brüdern Karamasow den Magen verdarb

und gestorben ist, nachdem er es an einem wütenden Nachmittag komplett

verschlungen hat.

Jedes Mal, wenn meine Großmutter mich beim Lesen im Bett erwischte, ermahnte sie

mich: "Das solltest du lassen, weißt du denn nicht, wie gefährlich Bücher sind?"

Ich habe viele Jahre an ihre Unwissenheit geglaubt, aber die Zeit hat der

Vernunft meiner deutschen Großmutter doch Recht gegeben.

Blumas Beerdigung versammelte zahlreiche Größen der Universität Cambridge. Der

Universitätsdozent Robert Laurel hielt im Trauergottesdienst eine gloriose

Abschiedsrede, die wegen Blumas akademischer Verdienste anschließend als

Faszikel publiziert wurde. Darin betonte er ihre brillante Universitätslaufbahn,

ihre fünfundvierzig Lebensjahre voller Sensibilität und Intelligenz und ihren

maßgeblichen Beitrag zur Erforschung der angelsächsischen Spuren in der

lateinamerikanischen Literatur. Seine Ansprache gipfelte indes in dem

umstrittenen Satz: "Bluma hat ihr Leben der Literatur geweiht, ohne sich

vorzustellen, daß sie durch diese ums Leben kommen würde."

Wer ihm vorwarf, den schönen Text durch einen "plumpen Euphemismus" verdorben zu

haben, provozierte die erbitterte Gegenwehr von Laureis Anhängern. Einige Tage

später hörte ich zum Beispiel John Bernon im Haus meiner Freundin Anny zu einer

Gruppe von Laureis Schülern sagen: "Ein Auto hat sie getötet. Nicht das

Gedicht." "Alles eine Frage der Darstellung", argumentierten darauf zwei junge

Männer und ein jüdisches Mädchen, das ihre Wortführerin war. "Jeder hat das

Recht, die Sache so darzustellen, wie er will." "Und schlechte Literatur zu

machen. Na schön", gab der Alte mit einer gespielten Versöhnlichkeit zurück, die

ihm auf dem Campus den Ruf eines Zynikers eingebracht hatte, aber ihm war die

Aufregung vor den Bewerbungsgesprächen der Postgraduierten anzumerken, bei denen

er gegen Laurel antreten würde. "Eine Million Stoßstangen in dieser Stadt

beweisen, wozu ein gutes Substantiv imstande ist." -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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