Mit ca. 130 Seiten kommt dieses Büchlein in einem vergleichbaren Umfang zu anderen Büchern über das Pantherchamäleon daher. Allerdings ist der Zeilenabstand sehr groß gewählt, und auch die Schrift ist etwas größer als von anderen Werken gewohnt. Das erweckt ein wenig den Eindruck, dass versucht wurde, mehr Inhalt vorzugauckeln, als wirklich vorhanden ist.
Uns tatsächlich, es findet sich kaum Information, welche nicht in jedem anderen Buch zum Thema ebenfalls enthalten wäre, und zwar in deutlich mehr Tiefe.
So fehlt eine Beschreibung der vielfältigen Farbformen des Pantherchamäleons gänzlich. Die wichtige Supplementierung ist in zwei Sätzen abgehandelt, auf Futtertiere wird kaum eingegangen. Das Kapitel zum Terrarium streift wichtige Informationen nur kurz oder gar nicht, insbesondere der Teil zur Beleuchtung ist absolut unzureichend (die erwähnten UV-Lampen mit 15-23 Watt bringen in der Chamäleonhaltung kaum etwas, HQI/HCI wird nicht einmal erwähnt, einzig Osrams Ultra Vitalux wird als Alternative geschildert). Die vom Autor beschriebene Terrariengröße liegt deutlich unter den (nicht erwähnten) von der österreichischen Gesetzgebung vorgeschriebenen Werten - ich finde es schade, dass auf Österreich und die Schweiz in diesem Buch hierzu nicht eingegangen wird, das ist man allerdings auch von vergleichbaren Büchern gewohnt. Allerdings sind die angegebenen Maße von 80 x 50 x 120 cm (B x T x H) für adulte Tiere auch für deutsche Richtlinien, die sich an der Körper-Rumpf-Länge orientieren, zumindest grenzwertig. Meiner Meinung nach wird unabhängig von gesetzlichen Regulativen das vernünftige Mindestmaß (wie in anderen Büchern besser angegeben) unterschritten. Insbesondere eine Tiefe von nur 50 cm dürfte das Sicherheitsbedürfnis scheuerer Chamäleons nicht befriedigen.
Interessant fand ich, dass und wie der Autor seine Tiere zum Verzehr von Obst trainiert. Interessant, aber nicht unbedingt nachahmenswert.
Die Beschreibung der interessanten Mechanismen von Zunge, Augen und Farbwechsel ist sehr, sehr oberflächlich und würde genauere Erläuterungen verdienen.
Einige kleine Widersprüche sind auch vorhanden, so z.B. wird auf Seite 31 geschildert, dass männliche Tiere, deren Terrarien in Sichtkontakt aufgestellt sind, nicht an Dauerstreß leiden, da die Territorien abgesteckt sind, und Grenzen nicht überschritten werden können. Auf Seite 46 hingegeben steht, dass jeder Sichtkontakt Stress bedeutet. Die Wichtigkeit der Verwendung enger Maschenweiten in der Freilandhaltung wird (zurecht) hervorgehoben, leider ohne konkret zu sagen, was darunter verstanden wird. Gleichzeitig soll die Bepflanzung unter anderem Schmetterlinge und Libellen anlocken, wobei ich mich frage, wie diese bei engen Maschen in die Voliere eindringen können. Anscheinend versteht der Autor doch etwas anderes darunter, als ich. Ein Übersprühen nur alle 3 Tage erscheint mir auch viel zu wenig, allerdings scheint der Autor seit Jahren damit gute Erfahrungen zu machen, was mir zeigt, dass die Tiere recht anpassungsfähig und relativ robust sind. Von der offensichtlich praktizierten Pinzettenfütterung (Seite 66 und 67), welche mir selbst eher zuwider ist, wird im letzten Kapitel von anderem Autor unter "Zungenerkrankungen" abgeraten unter Hinweise auf möglicherweise resultierende Schäden.
Das Aufziehen der Nachzuchten in kleinen Gruppen wird als für 8-10 Wochen vertretbar beschrieben (S. 96), da die Einzelaufzucht von bis zu 35 Tieren kaum möglich ist (absolut nachvollziehbar). Jungtiere werden aber erst nach 3 Monaten abgegeben (was ich im Allgemeinen auch für sinnvoll halte). Hält der Autor seine Nachzuchten also doch eine Zeit lang alle einzeln, oder hält er sie eine Zeit lang seinem eigenen Urteil nach in unvertretbarer Weise?
Schade fand ich auch, dass auf ein Stichwortverzeichnis verzichtet wurde - damit ist dieses Buch aber leider in guter Gesellschaft, wobei dieses Manko in anderen Büchern, welche die dreifache Menge an Information bieten, noch wesentlich stärker wiegt.
Jetzt zum Positiven: Sehr schön fand ich viele der Fotografien, was in der Natur der Sache liegt, da diese Tiere (meiner Meinung nach) einfach wunderschön sind. Relativ gut gefallen haben mir die Kapitel 12 bis 14 zu Paarung und Zucht und insbesondere auch das letzte Kapitel zu Krankheiten und Therapiemöglichkeiten, welches vom bekannten reptilienkundigen Tierarzt Dr. Biron verfasst wurde. Unter anderem sind hier verschiedene Parasiten und deren Behandlungsmöglichkeiten beschrieben. Hier kann im Vergleich mit anderen Büchern am ehesten gepunktet werden.
Fazit: Als alleinige Literatur für einen angehenden Pfleger der Art ist das Buch sicherlich nicht ausreichend. Auch würde ich es nicht als Pflichtlektüre zum Thema kategorisieren. Der Preis von 14,90 ist für den gebotenen Gegenwert meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt, da geringfügig teurere Bücher zum Thema signifikant mehr Information bieten. Für große Freunde des Pantherchamäleons und Leute, welche Bücher zu Chamäleons oder Reptilien sammeln, kann das Buch eine sinnvolle Ergänzung zu anderen, besseren Büchern sein.