Dieses Buch überrascht mit hochkarätigen und zugleich verständlichen Darlegungen zu den philosophisch-wissenschaftlichen Kerngedanken von Karl Marx. In der sonstigen MarxismusDiskussion kommen die hier erörterten eigentlichen Denkgrundlagen, vor allem die Zukunftsorientierung der Gesellschaftskritik, entschieden zu kurz oder es wird in den Feuilletons, wie letzthin im Spiegel, ein ganz anderes, oberflächliches Marxbild vermittelt. Ich empfehle das PRAXISKonzept daher allen, die über den „philosophisch-politischen" Marx etwas lernen oder sagen wollen: Vergleichbares wird man in anderen Publikationen kaum mehr finden,
Das Besondere an dieser Veröffentlichung scheint mir ferner darin zu bestehen, dass die praxisphilosophischen Kerngedanken direkt mit der ökonomischen Theorie und sogar mit völlig neuen Gedanken auf diesem umstrittenen Gebiet verbunden werden. In dieser Hinsicht erinnert der Aufbau des Buches an den Entwurf der „ökonomisch-philosophischen Manuskripte" von 1844, die so genannten Frühschriften von Marx, wo ja Philosophie und Ökonomie auch in engstem Zusammenhang stehen.
Das entscheidende Neue in diesem Zusammenhang besteht darin, dass hier der Schritt von der „negativen" Kritik zur so genannten „utopistischen" Zukunftsorientierung beziehungsweise zur „Alternative" hin getan wird. Von dieser ist ja allenthalben die Rede, ohne dass man etwas wirklich Vertrauenswürdiges dazu hört. Die vorliegende Veröffentlichung weist durch diese Grundorientierung über die gesamte, im Zusammenhang der aktuellen Globalisierungskritik immer wieder aufgegriffene marxistische Kapital- und Krisentheorie hinaus,
Es wird der Versuch unternommen, nicht nur aus dem sozial-politischen Protest geborene oder mehr oder weniger einfallsreiche Alternativideen zusammenzutragen, sondern - mit Rückbezug auf die Marxschen „Reproduktionsschemata" - eine, wie es heißt „wert- und reproduktionstheoretisch', fundierte alternative Wirtschaftsweise dingfest zu machen- mit erheblichen Konsequenzen, mit ganz neuen Sichtweisen. Der Entwurf der „Sozialwirtschaft" ist in einer ganzen Reihe von Aspekten zumindest sehr anregend und eine weitere Untersuchung und Auseinandersetzung wert.
Ein abschließendes Urteil in allen hier vorgetragenen Angelegenheiten kann ich selbst nicht fällen, aber soviel ist mir klar geworden: Marxismus als Praxisphilosophie trifft den Kern. Und wenn sich die hier vorgetragenen Wirtscharts-Ideen als stichhaltig oder tragfähig erweisen sollten, haben wir es mit einer kleinen theoretischen Revolution auf dem Gebiet der „politischen Ökonomie" zu tun. Unbedingt lesens- und diskussionswürdig!