Was für ein Buch !
Ganz anders, als ich es nach "Kolks blonde Bräute" und "Morbus fonticuli" erwartet hatte. Jene vordergründig lustig, hintergründig sentimental, dieses durchweg sehr melancholisch und nachdenklich. Zwar wird auch in Griechenland getrunken, geliebt und gelacht, aber Bodo Morten ist nur Zuschauer. Nicht freiwillig, sondern als Teil seiner Überlebensstrategie. Zum Zuschauen verdammt, nachdem er es mit Bärbel zu wild getrieben hatte. Sowas kommt von sowas her.
Seine Überlebensstrategie scheitert schließlich operettenhaft, vielleicht auch wieder, nachdem er es damit im Korsett eines Stundenplans übertreibt. Schwimmen, meditieren und dichten im Stundentakt halten der Sehnsucht (des Laien) nicht stand als die Jugendliebe auftaucht. Diese gerät selbst auf den Ego-Trip, der vielen hübschen Griechen wegen, was leider etwas ziemlich mallorcahaftes hat. Die einzige Banalität des Buches. Banal auch, wahrscheinlich aber gewollt, die Auflösung des Mühlrad-Mysteriums.
Dieses Scheitern des Bodo Morten ist das Scheitern an den eigenen Ansprüchen. Auch das Ouzo-Orakel Theo kann da nicht helfen. Der einzig brauchbare Rat führt Bodo in den Puff, aber da ist eh schon alles zu spät, jetzala.
Für meinen Geschmack ist das Buch zu kurz. Ich würde gerne wissen, ob Bodo "die Mitte" findet, ob er nach den wilden Ausschlägen in die eine (Bärbel) und dann in die andere (Eremitendasien) Richtung sowas wie den "normalen" Wahnsinn des Lebens kennenlernt. Rotwein mit Zigarre ab 17 Uhr deutet sowas an. Hoffentlich lesen wir in einem vierten Band der Trilogie mehr von Bodo und seinen Freunden.
Ich habe das Buch in zwei Nächten gelesen, konnte es kaum weglegen. Es sei allen empfohlen, die sich auf tiefergehende Charakterdarstellungen einlassen können, die bereit sind, sich einzufühlen, wie Bodo es selbst auch macht. Denn für die flüchtige Lektüre ist das nichts. Nicht, wenn man selbst Mitte 40 ist und sich fragt, was das alles soll.
Große Klasse, beste Literatur. Fünf Sterne.