Diese vielschichtige Literaturverfilmung ("
Das Orangenmädchen") aus Norwegen ist eindeutig ein Geschenk für alle, die an die wahre Liebe glauben und als Romantiker vor wahren, großen Gefühlen nicht zurück schrecken. Während die Handlung federleicht zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Erinnerung, Diesseits und Jenseits hin und her pendelt, entwickelt sich ein geradezu märchenhaftes Gesamtbild voller Herzenswärme und Weisheit. Die einzelnen Bilder werden eng miteinander verflochten und vermitteln ein Gefühl der Verbundenheit mit den Wurzeln aus der Vergangenheit, die eine Kraftquelle für die Zukunft darstellen. Tod und Leben sind in diesem Gesamtkunstwerk nur einen Lidschlag voneinander entfernt und doch empfindet man als Zuschauer keine Angst oder Befremden, weil die Schönheit des Augenblicks überwiegt. Hier finden sich die philosophischen Anklänge der Buchvorlage in einer Grundaussage des Films zusammen: Jeder Augenblick ist Ewigkeit.
Wie sein Vater hat auch Georg (Mikkel Bratt Silset) ein besonderes Interesse an der Astronomie. Ansonsten verbindet die beiden scheinbar nichts mehr, denn Georgs Vater ist bereits vor zehn Jahren verstorben als sein Sohn erst noch klein war. An seinem 16. Geburtstag erhält Georg von seiner Mutter überraschend einen Umschlag mit Briefen, den sein Vater ihm hinterlassen hat. Zunächst reagiert das Geburtstagskind gereizt und wütend. Als ihm sein Freund auch noch telefonisch mitteilt, dass er in auf die schon lange geplante Reise in die Berge zum Sternegucken nicht begleiten wird, ist die Stimmung ganz im Eimer. Trotzig macht sich Georg alleine auf den Weg. Auf der Zugfahrt öffnet er dann doch den ersten Brief seines Vaters. Die Briefe enthalten die Geschichte vom Orangenmädchen.
Der Student Jan Olaf (Harald Thompson Rosenstrom), der in Oslo Medizin studiert, ist mal wieder spät dran. Nur knapp erwischt er noch seine Straßenbahn - und begegnet der faszinierenden, jungen Frau im roten Mantel zum ersten Mal. Sie trägt eine ganze Tüte mit duftenden Orangen mit sich. Durch eine ungeschickte Bewegung des Studenten rollen die Früchte munter in der ganzen Straßenbahn herum. Das Orangenmädchen (Anne Dahr Nygaard), wie sie Jan Olaf in der Folge heimlich nennt, bleibt gelassen und steigt an der nächsten Haltestelle mit einer Orange aus. Für den Medizinstudent ist es Liebe auf den ersten Blick. Aber wird er das geheimnisvolle Mädchen wieder finden, die ihm beim Abschied ein Wiedersehen versprochen hat? Wird er den märchenhaften Schleier, der sie umgibt, lüften können? Kann er ihr Herz gewinnen? Oder ist diese große Liebe nur eine Illusion?
Hilft diese Geschichte auch Georg, sich mit der Vergangenheit zu versöhnen und sich seinem Vater und damit seinen Wurzeln wieder verbunden zu fühlen? Bald stellt Georg fest, dass die Briefe ihm nicht nur helfen, bereits Erlebtes zu verarbeiten, sondern auch seine Zukunft beeinflussen können. Wie wird Georg diese gestalten, nachdem er sich seiner persönlichen Endlichkeit gestellt hat?
Eva Dahr (Regie) ist ein starker Film voller Emotionen gelungen. Durch einfache, aber sehr wirkungsvolle Weise werden Gegenstände oder ungewöhnliche Blickwinkel gewählt, um die Symbolwirkung der Bilder zu verstärken. Die Orange taucht als geheimnisvolles, aber anziehendes Objekt in vielen Szenen des Films auf. Auch als Farbe mischt sie die Alltagswelt auf und verleiht ihr etwas Magie.
Die Darsteller, die hierzulande wahrscheinlich sowieso eher unbekannt sein dürften, wirken sehr natürlich. Sie spielen keine bloßen Figuren, sondern wirkliche Charaktere, die ängstlich und ärgerlich, aber auch verblüfft und verliebt sein dürfen. Die Schauspieler wirken auch wirklich so alt bzw. jung, wie es ihrer Rolle entspricht. So wirkt die Erzählung des Filmes wahr und echt und unglaublich berührend.
Die Filmmusik unterstreicht die Emotionen der Handlung. Besonders erwähnenswert sind die Lieder des norwegischen Musikers, Shaun Bartlett. Bei den Extras der DVD kann man dazu auch noch das Musikvideo "Silk" genießen.
Die weiteren Extras sind sehr liebevoll gestaltet. Man kann den Original-Trailer oder den deutschen Trailer ansehen, hinter die Kulissen beim Dreh in Sevilla (Spanien) blicken, verschiedenen Interviews anhören, oder weitere Filmtipps anklicken.