Die Sears-Diät stützt sich auf ein definiertes Verhältnis der zuzuführenden Makronährstoffe mit 30 % Eiweiß, 30 % Fett und 40 % Kohlenhydraten bei jeder der drei Hauptmahlzeiten und zwei "Snacks". Die individuelle Eiweißmenge ist nach der eigenen fettfreien Körpermasse und nach dem Aktivitätsgrad auszurechnen, sie soll täglich weder unter- noch überschritten werden. Die Kalorienzufuhr pro Tag wird auf maximal je 500 Kalorien für die Hauptmahlzeiten plus 100 Kalorien für die beiden "Snacks" begrenzt.
Die o.g. Verteilung der Makronährstoffe soll im Körper die Produktion vorteilhafter Gewebshormone (Eicosanoide) fördern, während bei Nichteinhaltung der Relationen die Bildung ungünstiger Eicosanoide gefördert würde.
Zu diesem Zweck wird auch die Lebensmittelauswahl reglementiert: Fette sollen vorrangig einfach ungesättigte Fettsäuren liefern, was bspw. bei Raps- oder Olivenöl der Fall ist. Den wahren "Feind" sieht der Autor in der Arachidonsäure, die nach seiner Auffassung die "schlechten Eicosanoide" ansteigen lässt. Daher sind Eidotter, Innereien und fettes "rotes" Fleisch verpönt. Gesättigte Fette wirken sich nach seiner Meinung (und z. B. auch nach Meinung von Dr. Diana Schwarzbein, "The Schwarzbein Principle" - ebenfalls eine moderate low-carb-Kostform) ungünstig auf die Insulinresistenz des Körpers aus, sodass auch sie vermieden werden sollen.
Die Eiweiß-Portionen sollen in möglichst magerer Form gegeben werden, also Hähnchenbrust ohne Haut usw. Vom Ei wird aufgrund der Arachidonsäure-Problematik nur das Eiweiß verwendet.
Kohlenhydrate sind in niedrig-glykämischer Form zuzuführen, also solche mit niedrigem "Glyx" bzw. "glykämischer Last", das sind die langsam ins Blut gehenden Kohlenhydrate aus stärkearmem Gemüse und zuckerarmem Obst, während hoch dichte Kohlenhydratträger wie sämtliche Getreide(produkte), Kartoffeln, Reis und stärkereiches Gemüse und Obst (Erbsen, Banane) gemieden werden sollen - das ist ein wichtiges, sehr sinnvolles Element der Diät. Als alter "Glyx"-Irrtum werden aber z. B. auch Karotten verpönt, die wegen ihres nur geringen KH-Gehalts aber gar keine relevante Blutzuckerwirkung entfalten.
Da sowohl die tägliche Energiezufuhr als auch die hochdichten Kohlenhydrate beschränkt werden und die Kostform auch nicht besonders fettreich ist, ist in unproblematischen Fällen von Gewichtsabnahme auszugehen. Allerdings sind die Regeln unnötig rigide und kompliziert.
Auch ist das "Zone"-Konzept anno 2008 mindestens 15 Jahre alt, und in dieser Zeit hat sich die wissenschaftliche Studienlage relevant erweitert. Das Eicosanoid-Thema, in das sich der Biochemiker Sears verbeisst und es zur Grundlage seiner Theorien macht, ist noch immer nicht hinreichend bewiesen (= evidenzbasiert), und die verkrampfte 30-30-40-Regelung widerspricht auch unserer genetischen Herkunft, nämlich der "Steinzeiternährung", wo das Neandertal im Angesicht des erlegten Mammuts sicher nicht auch noch auf die richtigen Nährstoffrelation bei jeder Mahlzeit geachtet hat, nur um stets die "guten Eicosanoide" zu fördern. Vermutlich war das Thema Gewebshormone damals auch noch nicht sehr weit verbreitet...
Auch der Nutzen anderer "Verbote" hat sich über die Jahrzehnte wissenschaftlich nicht bestätigen lassen, teilweise im Gegenteil: Arachidonsäure aus Eigelb und rotem Fleisch ist für den Normalbürger unproblematisch, dafür ist der Nährstoffgehalt im Eigelb besonders vorteilhaft. Gesättigte Fette haben sich - im Gegensatz zur überholten Doktrin - sogar als gewebsschützend herausgestellt, und sie entfalten nur in Kombination mit hoher Kohlenhydratzufuhr (der typischen "Zivilisationskost" mit Kohlenhydratmast) ungünstige Wirkungen. Das penible Einhalten einer präzise errechneten Eiweißzufuhr ist realitätsfremd, und die Vorurteile gegenüber einer großzügigen Eiweißzufuhr haben sich bei Nierengesunden in validen Studien zu keinem Zeitpunkt bestätigt. Die Reihe lässt sich fortsetzen.
Fazit: Das Sears-Buch ist interessant und informativ, und die Kombination aus Kohlenhydratrestriktion, der Beschränkung auf KH mit geringer glykämischer Last und einer Kalorienbeschränkung lässt günstige Gewichtseffekte erwarten. Da der Biochemiker Sears seine Theorien allerdings auf die Aktivitäten und die "Steuerung" der Gewebshormone begründet, gerät das Konzept unnötig kompliziert und ist in weiten Teilen unbewiesen bzw. hinsichtlich einiger Ernährungsempfehlungen mittlerweile widerlegt.
Bevor man sich der aufwendigen Sears-Diät zuwendet, könnte es sinnvoll sein, sich zunächst bei anderen Autoren zu informieren, etwa bei Nicolai Worm, "Glücklich und schlank", der die sehr moderate und praktikable "LOGI-Methode" propagiert, oder - leider nur in englischer Sprache - bei den Dres. Eades, "Protein Power Lifeplan", die das low-carb-Prinzip nach Atkins in modernisierter, moderaterer Form propagieren, das Gewebshormonthema diskutieren, ohne sich darin zu verbeißen und auch viele andere gesundheitliche Aspekte anreißen. Beide Autoren(gruppen) betreiben auch Internetseiten und -foren mit teilweise hohem Informationsgrad.