Carlo Schäfer stammt aus Heidelberg und lebt auch dort. Fast folgerichtig spielen seine Romane in der romantischen Neckarstadt. Im Jahre 2002 kam die etwas holprige, aber trotzdem gelungene Premiere der Heidelberg-Romane um Kommissar Theuer und sein Team mit „Im falschen Licht". Es folgte der „Keltenkreis" als zweiter Teil und mit dem „Opferlamm" liegt der dritte und bisher beste Band vor.
Die Handlung kreist um den Mord an einem jungen Mädchen. Als ein zweiter Toter ins Spiel kommt, ein Pfarrer, der in Verbindung zur ersten Toten stand, versuchen Theuer und sein Team Licht ins Dunkel zu bringen - auch gegen den Willen ihres Vorgesetzten , der von einer Beziehungstat und Selbstmord ausgeht. Theuers Ermittlungen führen weit zurück in die „68er"-Zeit, in die Zeit der SPK-Revoluzzer, der beginnenden sexuellen Freizügigkeit und vor allem auch zu Leuten, die mit solchen Entwicklungen aus moralischen Gründen gar nicht einverstanden waren.
Spannend wird das Buch vor allem dadurch, dass Theuer mit seinen Ermittlungen dem Mörder sehr nahe kommt und damit selbst in Gefahr gerät - diese Gefahr erstreckt sich auch auf die Menschen, die ihm nahe stehen.
Auch in diesem Buch beeindruckt wieder das schräge Personal - der unkonventionelle Kommissar steht selbstverständlich im Mittelpunkt. Allerdings werden diesmal auch die deutsch-türkische Staatsanwältin Yildirim, die inzwischen eine Liebesbeziehung zu Theuer unterhält, und sein Kollege Haffner sehr deutlich herausgestellt. Vor allem mit dieser letzten Figur gelingt Carlo Schäfer ein kleines Meisterwerk, ein Kette rauchender und saufender Polizist, der im Alkohol- und Nikotindunst immer wieder zu erstaunlichen Verhaltensweisen und Erkenntnissen gelangt. So kommt er bei einem Freiburger zu der Erkenntnis, dass es sich um einen „Dreiländereckdepp, Burgunderpanscher, Geheimschweizer und Schwarzwaldaff'" handle oder seine Gedanken kreisen um den Tod: „Wir wissen nicht einmal, was wir sind, woher sollen wir dann wissen, was wir nicht sind, was ist, wenn wir nicht mehr da sind."
Wegen Haffner und überhaupt sollte man das Buch lesen und hoffen, dass der dritte Band nicht der letzte bleibt.