Nur zwei Tage werden geschildert, an denen der Held des Buches, ein unscheinbarer, ausrangierter Schulmagister namens Buchius im November 1761 auf dem Odfeld im Weserbergland mit einigen ihm Anvertrauten in die Wirren des Siebenjährigen Krieges gerät. Die fünf Personen aus ganz verschiedenen Ständen verlassen ihren Wohnort, das Kloster Amelungsborn, auf der Flucht vor marodierenden Franzosen, um am Abend des zweiten Tages verstört und völlig erschöpft wieder zurückzukehren. Seinen ehemaligen Lieblingsschüler, einen tolldreisten, liebenswerten jungen Leutnant, muss der Magister tot auf dem Odfeld liegen lassen. Der junge Offizier hat dem ehemals verlachten und strapazierten Schulmann zuvor alle Ehren erwiesen, und dieser bewährt sich auf Grund seiner genauen Ortskenntnisse und überlegenen Weisheit als allseits respektierter Führer und Menschenfreund, der sogar von seinem Kriegsherren, dem "guten Herzog Ferdinand" eine ehrenvolle kurze Audienz erhält. Buchius hat die kleine Gruppe in einer nur ihm bekannten Höhle vorübergehend in Sicherheit gebracht und bringt sie sicher wieder nach Hause zurück.
Die Erzählung ist aus mehreren Gründen großartig und bemerkenswert. Raabe schrieb dieses Werk (1888) gegen den Krieg und jeden Krieg, als Deutschland sich auf dem Gipfel seiner wirtschaftlichen und politischen Macht befand. Es zeugt von Eigensinn und Mut, eine Gestalt wie Buchius, einen der Geringsten, der auf dem Kloster widerwillig sein Gnadenbrot erhält, also eher einen Antihelden, zu einem wirklichen "Heros" zu machen, indem der vom Geschehen und seiner Rolle wie berauscht wird und geradezu eine Verklärung seiner kümmerlichen Existenz erfährt. Wie auch in anderen Werken Raabes erleben wir hier den Helden als verkannten Einzelgänger, der sich vor der schnöden Welt in seine Klause der Gelehrsamkeit zurückzieht und immer wieder vor den Gemeinheiten der Schüler in die bewusste Höhle verkriecht, die er dann allerdings wie sich selbst im Kríegsgeschehen den Notleidenden zur Verfügung stellt. In der Zeit des Krieges gibt es eine vom Schriftsteller erträumte Versöhnung zwischen dem Außenseiter und der Gesellschaft, wie sie sich etwa beim Amtmann von Amelungsborn zeigt, der den Magister am ersten Tag zornig aus dem Kloster jagt, ihn am nächsten Tag wieder reuig und menschlich aufnimmt, nachdem die Kriegsfurie über den Ort hinweggebraust ist.
Selten wird man eine eindringlichere Schilderung der Leiden der beteiligten Personen und der Kriegsgräuel lesen (freilich auch mit einem Schuss zeitgemäßem flammendem Patriotismus). Und das Besondere ist, dass diese sehr lebendige und realistische Schilderung, die auf einem genauen Studium der Topografie und des Schlachtverlaufs basiert, sich gleichzeitig ganz und gar symbolisch und zeitlos liest, und zwar durch ständige Verweise und Anspielungen nicht zuletzt aus dem Mund des überaus gelehrten Buchius, aber auch durch die weit ausgreifende Erzählweise des Erzählers, etwa so: "Sie lagen, weithin zerstreut auf dem alten Götter- und Opferfelde, übereinandergestürzt Frankreich und England und - Deutschland dazwischen; Rot und Blau, Grün, Gelb und Weiß, silberne Litzen und goldene, Bajonett und Reitersäbel durcheinander geworfen: vieles dermaleinst des Ausgrabens und Aufbewahrens in Provinzialmuseen wert." (163). Ich denke, in dieser Erzählung schreibt Raabe auf der Höhe seiner Kunst, sehr kraftvoll, geistvoll und ideenreich, zwar bildungsbefrachtet, auch "altmodisch" im Sinne von zeittypisch, aber auch herzlich-emotional, dass einem gelegentlich die Tränen kommen können, und mit einer universalen, menschlichen Botschaft.