Angenommen, das neuzeitliche Weltbild mit seiner Trennung von Subjekt und Objekt, Körper und Geist, das auf Newton und Descartes gründet, wäre falsch. Und angenommen, unsere zur säkularen Religion avancierte Wissenschaft, basiere auf unzureichenden Grundlagen. Das würde zu einem völlig anderen Blick auf die Welt und uns selbst führen. Die Konsequenzen aus dieser anderen Sicht wären eben nicht nur kleinere Korrekturen in unserer Sicht auf die Welt, es wäre eine Revolution. Um genau diese Fragen geht es in Lynne McTaggarts Buch Das Nullpunkt-Feld. Auf der Suche nach der kosmischen Ur-Energie.
In den USA ist Lynne McTaggart eine bekannte Wissenschaftsjournalistin. Hierzulande ist sie wenigen aus dem Film Bleep bekannt, einigen mehr durch ihr neues Buch Intention, auf das ich durch mehrere fast euphorische Kritiken aufmerksam geworden bin. Sie ist in einer Art und Weise der Wissenschaft verpflichtet, die das Lesen für mich manchmal anstrengend gemacht hat, wenn sie das Design und die Details von Versuchen ausbreitet und statistische Signifikanzen erläutert. Aber das ist auch mein einziger Kritikpunkt. Was Lynne McTaggart in diesem Buch versucht, ist die weltweit seit Jahrzehnten laufenden Forschungen in den Randgebieten der Wissenschaft vorzustellen und vorsichtig in einen Zusammenhang zu stellen. Da gewinnt der Begriff Welt als Zusammenhang dessen, was ist, wieder eine Bedeutung. Und damit hebt sie sich angenehm vom durchschnittlichen Wissenschaftsjournalismus ab, der Forschungsergebnisse meist unzulässig verkürzt, aus dem Zusammenhang gerissen und möglichst sensationell aufgemacht an die Presse weitergibt. Die gehobene Wissenschaftspublizistik schmort entweder im Topf einer Fachdisziplin vor sich hin oder sammelt bestenfalls Fakten aus verschiedenen Disziplinen, die der Leser dann selbst zusammensetzen darf - wenn er will und kann.
Das Nullpunkt-Feld ist angenehm anders: von Geschichten über die Forscher ausgehend, werden die Entwicklungen in der Quantenpysik, der Biophotonik, der Biophysik, Quantenpsychologie bis hin zu den Forschungen über erweiterte Wahrnehmung in Raum und Zeit vorgestellt, diskutiert und in einen Zusammenhang gestellt. Obwohl es sich manchmal fast so liest, sind das keine esoterischen Gedankengänge. Vielmehr diskutieren Fachleute (darunter Nobelpreisträger) auf der Basis von Versuchen eine völlig andere Vorstellung von der Welt als wir sie kennen. Und vieles von dem, was heute als pseudowissenschaftlich abgetan wird, wird plötzlich glasklar - von Homöopathie, Radionik und Radiästhesie über Kinesiologie bis hin zu Geistheilung und Magie. Spiritualität und Religion wachsen mit der Wissenschaft wieder zusammen, denn die Welt ist nicht einfach teilbar. Alles formt sich aus einem Quantenwirbel, dem Nullpunkt-Feld.
Eine Leseempfehlung für all diejenigen, die ihren Horizont erweitern wollen. Anschnallen!