Nichtkampf heißt Loslassen. Die Fähigkeiten zu Gelassenheit und Geschehenlassen, sind allerdings durch ständig wachsendes Misstrauen in der größer werdenden (survival of the) Fitness-Gesellschaft wenig entwickelt. Es ist nicht nur deshalb als mutig zu bezeichnen, dass Rüdiger Lenz ein großes Problem anspricht, das nach dem Erreichen von Spaß, Zufriedenheit oder, ganz allgemein gesprochen, rigide aufrecht erhaltener Innerer Balance ungelöst bleibt, bzw. oft sogar vergrößert ist: Die kohärente Verbindung des Menschen zu seiner Umwelt. Denn leider vergessen Viele, dass sie sich beim Kampf um '"ihre Ruhe'" gerade den eigenen Ast zu Glück und Frieden absägen.
Rüdiger Lenz bezieht sich, seiner Qualifikation entsprechend, in vorbildlicher Weise vorwiegend auf die Möglichkeiten zur De-Eskalation in Gewalt-Situationen, die besonders durch seinen Kampfsport, das DAU-Boxen, verdeutlicht und verinnerlicht werden können. Die negativen Konsequenzen der von Lenz kritisierten Kampf-lastigen Lebenseinstellung sind auch für die Gesundheitswissenschaften von Bedeutung. So hört man zur Diagnose einer Krankheit häufig den gut gemeinten Ratschlag, 'nun aber auch kämpfen zu müssen'. Dabei wäre die Nutzung der Zeit zur Findung einer gesunden Lebenseinstellung, d.h. zur Erreichung von mehr Sinn für Kohärenz (vertrauensvoller Verbundenheit) ein sinnvoller Weg, zu dem Rüdiger Lenz hier ein wichtiges Prinzip aufzeigt. Das Erlernen des Nichtkampf-Prinzips könnte demnach einen jeweils großen Schritt auf dem Weg zur individuellen Saluto-Genese (Gesundheitsentwicklung) am Beispiel von Bewegungstraining und Sport sein.
Gleichzeitig gesteht der Autor ein, dass das sogenannte Hsing-Vermögen, also die Fähigkeit, geistige und körperliche Energien fließen zu lassen, eine wesentliche Voraussetzung für gelebten Nichtkampf ist. Weitere Kenntnisse und Fähigkeiten, die hier nicht genannt wurden, sind meiner Meinung nach ebenfalls Erfolgs-Bedingungen.
Zusammengefasst halte ich dieses Buch für eine wichtige Fachlektüre. Um die von Lenz immer wieder betonte friedliche Geisteshaltung an einen großen Addressatenkreis vermitteln zu können, und dadurch auch von Bedeutung für PublicHealth zu werden, sollte das Nichtkampf-Prinzip für verschiedene Zielgruppen ausgearbeitet werden.