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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Caruso statt Montalbano,
Von Christoph Martin Wieland (Oldenburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Das Netz der großen Fische: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der im Mai 2011 erschienene Camilleri spielt diesmal nicht im fiktiven sizilianischen Küstenort Vigàta, sondern im realen Palermo. Perspektivisch wechselt der Autor auch die Fronten von der Polizistensicht Montalbanos zu der eines lokalen Nachrichtenchefs der RAI. Thematisch bewegen wir uns, wie so oft auch in Vigàta, im Intrigengespinst italienischer Politiker.Die Stärken Camilleris liegen darin, die Schwächen der italienischen Gesellschaft aufzuzeigen, die Verstricktheit der meisten Akteure über alle Parteigrenzen hinweg, letztlich immer wieder verbunden mit dem Eros als Antrieb menschlicher Handlungen. So auch hier: Der Mord an der jungen Amalia Sacerdote wird erst einmal ihrem Verlobten Manlio Caputo, Sohn eines regionalen Abgeordneten, in die Schuhe geschoben. Michele Caruso, der Nachrichtenchef der Rai in Palermo, laviert geschickt und nicht ohne Fremdsteuerung seinen Sender zwischen Zurückhaltung und offensiven Vorpreschen beim Aufdecken der Umstände. Caruso und viele andere sind kleine Fische im Netz eines Fischers, der von Rom aus dirigiert und alle Fäden in der Hand hält. Diese Manipulationen werden erst mit der Zeit aufgedeckt und sind eingeflochten in familiäre Beziehungen, die Caruso zu dem Fischer in Rom über dessen Tochter unterhält. Ein Intrigenroman, dessen Ursprungshandlung reale Bezüge besitzt und dessen fiktive Fortsetzung der Realität entsprechen dürfte. Das ist Camilleris Stärke, der immer wieder eindrucksvoll der italienischen Gesellschaft einen Spiegel vorhält, in dem sich durchaus auch deutsche Verhältnisse widerspiegeln. Keine spannende, aber unterhaltsame Lektüre, die zum Schmunzeln verführt, deren Figuren manchmal aber doch arg plakativ geraten, aber das soll sicher so sein. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Schwarzer Kriminalroman.Noch einen Tick näher an der Realität dran als die im Gegensatz dazu eher beschaulichen Montalbanokrimi,
Von Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen (HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 10 REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Das Netz der großen Fische: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dass Andrea Camilleri auch Kriminalgeschichten aus Sizilien erzählen kann ohne seinen Commissario Montalbano, das zeigt er in seinem neuen Buch "Das Netz der grossen Fische".Der Roman, der sich schnell und unterhaltsam liest und wie immer bei Camilleri nicht wenig von seinen genialen und hintersinnigen Dialogen zwischen den handelnden Personen lebt, spielt in Palermo und dort hauptsächlich in der Chefredaktion des italienischen Staatsfernsehen RAI. Camilleri bekennt in seinem Nachwort zu einem köstlichen und unterhaltsamen Roman, dass er selbst noch nie auch nur einen Fuß in irgendeine Nachrichtenredaktion des RAI gesetzt habe und auch sonst sehr frei umgegangen sie mit den erfundenen Elementen seines Romans. Auch alle Romanfiguren seien das reine Produkt seiner eigenen Erfindung. Und doch hat man von der ersten bis zur letzten Seite, wenn man aus der Lektüre der Wochenzeitungen der letzten Jahre, und aus einer großen Zahl von politischen und belletristischen Büchern, darunter auch die guten Krimis, die korrupten und mafiosen Strukturen der italienischen und erst recht der sizilianischen Gesellschaft etwas kennt, das Gefühl, hier wird ein Geschehen beschrieben, wie es sich so oder anders mehrfach im Jahr dort in der Realität abspielt. Die Verknüpfung von Medien, politischer Macht und den Interessen der Mafia im gegenwärtigen Italien ist selten in den letzten Jahren so klar und mit einer gehörigen Portion schwarzen Humors beschrieben worden wie in diesem Roman Andrea Camilleris. Er hat nicht ohne Grund den angesehenen Literaturpreis "Premio de novela negra 2009" dafür Erhalten. Das Buch erzählt die Geschichte des Programmdirektors der RAI Michele Caruso, seine eigenen verwickelten Beziehungen und wie er mit seinem Team mit dem Verdacht umgeht, unter dem Manlio Caputo, Sohn eines führenden Mitglieds einer sizilianischen Linkspartei verhaftet wird. Er soll seine Verlobte Amalia Sacerdote, ihrerseits Tochter des einflussreichen Präsidenten der Regionalversammlung, getötet haben. Es ist köstlich zu lesen, wie Camilleri ohne einen einzigen ermittelnden Polizisten langsam Licht in diesen Fall bringt und dabei mehr an die Oberfläche holt, als seine Protagonisten zuvor für möglich gehalten hätten. Damit der Leser in diesem Verwirr- und Ränkespiel von Informanten und gegenseitigen Beeinflussungen nicht durcheinander kommt, hat Camilleri wie in einem Theaterstück am Anfang die Figuren des Romans, ihre Funktion und ihre verwandtschaftlichen Beziehungen aufgelistet. Das ist beim Lesen sehr hilfreich, und man kann sich immer wieder rückversichern, wer eigentlich wer ist. Gegessen und getrunken wird auch hier ordentlich, mehr noch wird kräftig und ausgiebig der außerehelichen Sexualität gefrönt, aber Camilleri legt dieses Mal auf das Kulinarische nicht so sehr viel Wert, dafür umso mehr auf die Verwicklungen zwischen Medien und Politik. Wer das Buch liest als schwarze Satire auf Berlusconi und das, was seine Regierungsjahre aus einem vorher schon korrupten Italien gemacht haben, der hat das Buch, glaube ich, richtig verstanden. Köstlicher schwarzer Kriminalroman. Noch einen Tick näher an der Realität dran als die im Gegensatz dazu eher beschaulichen Montalbano-Krimis. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kein Montalbano in Palermo,
Von Mag Wolfgang Neubacher "wolfgang_neubacher" (A - 5203 Köstendorf) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Das Netz der großen Fische: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein Kriminalroman von Andrea Camilleri ohne Montalbano - unvorstellbar! Und doch, es funktioniert, wie man aus diesem Buch ersehen kann.Es geht um den Mord an Amalia Sacerdote, einer Studentin, der natürlich aufgeklärt werden soll (und auch wird - mit einem schalen Beigeschmack). Viel mehr geht es aber in diesém Buch darum, dass so manche, ja viele der handelnden Personen eigentlich nur Marionetten sind, die von einem Mächtigeren bewegt werden. Dass sich Camilleri damit tief in der italienischen (und nicht nur in dieser) Realität bewegt, begreift der Leser schnell. Da passt es natürlich auch sehr gut, dass wichtige Figuren im Medienbereich tätig sind (konkret bei der RAI in Palermo). Dass dazu Sex als (An-)Triebskraft eine wichtige Rolle spielt, ist jedem Camilleri-Leser bekannt. Hier wäre vor allem Michele Caruso, Chef der TV-Lokalnachrichten, zu nennen. Ein doch etwas anderer, ungewohnter Camilleri - aber trotzdem spannend (auch wenn die Lösung des Falles manche enttäuschen wird). Absolut lesenswert - und großer Respekt vor der Bandbreite des Autors! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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